Der Studentenprotest wirkt: Die Uni rudert zurück

Der Studentenprotest wirkt: Die Uni rudert zurück

Trierer Studenten haben in den vergangenen Tagen gegen die Einführung neuer Studiengebühren für Zusatzzertifikate protestiert. Mit Erfolg. Die Hochschule hebt die mehr als 1000 bereits verschickten Gebührenbescheide nun auf und räumt Missverständnisse als Ursache des fehlerhaften Schreibens ein.

Trier. "Ich will diese Gebühren nicht", sagt Uni-Präsident Michael Jäckel. Gebühren, gegen die Hunderte Trierer Studenten seit Freitag protestieren. Gebühren, die Jäckels Hochschule selbst in einem offiziellen Schreiben eingefordert hat. Gebühren, die nun doch nicht anfallen sollen. Und damit gesellt sich zu der Verunsicherung und der Verwirrung, die viele Studierende empfinden, nun wohl auch Erleichterung.
Ihren Anfang nahm die inzwischen recht skurrile Geschichte am vergangenen Freitag. In den Briefkästen von 1056 Studierenden war an jenem Tag ein Gebührenbescheid gelandet. Absender: der Präsident der Uni Trier. Inhalt: Ab April sollen alle, die für einen bisher gebührenfreien Zusatzstudiengang eingeschrieben sind, 650 Euro Semesterbeitrag bezahlen. Die Reaktion: Protest.
Denn viele Studierende können es sich nicht leisten, im Semester 650 Euro für Zertifikate wie "Deutsch als Fremdsprache" oder "Gender Studies" zu zahlen. Sie fürchteten, ihre Zusatzausbildung aufgeben zu müssen. Die Professoren der betroffenen Abteilungen wiederum mussten damit rechnen, künftig in leeren Räumen zu lehren. "Gebühren zu erheben, ist gleichbedeutend damit, die Zertifikate abzuschaffen", sagt Susanne Knütter, Referentin für Hochschulpolitik beim Trierer Asta. Ist doch davon auszugehen, dass sich ein Großteil der Studierenden exmatrikuliert, falls sie tatsächlich zahlen müssen. All dies mündete in einen Protest, dem sich auf einer Facebookseite mehr als 300 Betroffene angeschlossen haben (der TV berichtete).
Die Verwirrung wiederum resultierte aus der Tatsache, dass sich die Uni Trier und das Bildungsministerium in Mainz am Montag gegenseitig den Schwarzen Peter zuschoben. In dem Gebührenbescheid der Uni heißt es, eine am 20. Dezember beschlossene Hochschulnovelle sei Ursache dafür, dass Zusatzstudiengänge künftig gebührenpflichtig sind. Im Zentrum dieser Novelle stand die Abschaffung der Studienkonten: Das Erststudium ist damit - egal wie lange es dauert - nun gebührenfrei.
Das Bildungsministerium betont jedoch, die Gebühr habe mit dem neuen Gesetz nichts zu tun. Zusatzstudiengänge seien bereits seit 2003 kostenpflichtig. Die Uni Trier habe die Gebühr bisher nur einfach nicht erhoben. "Dies war ein Missverständnis der Hochschule", hieß es gestern Abend in einer Pressemitteilung der Uni. Mit dem Wissenschaftsministerium sei nun geklärt, dass diese Novelle kein Anlass für die Erhebung von Gebühren gewesen sei.
Jäckel sagt, dass er den in seinem Namen verschickten Brief nicht gekannt habe, weil er ihm nicht vorgelegt worden sei. Sonst hätte er ihn zurückgehalten, um eine andere Lösung zu suchen. "Ich hatte das Geld früher nicht und ich will es auch jetzt nicht", sagt er. Denn während das neue Gesetz Langzeitstudenten Blankoschecks ausstelle, würden mit dieser Gebühr jene bestraft, die sich ins Zeug legen.
Nach Rücksprache mit dem Ministerium werden die Bescheide nun aufgehoben, damit die bereits eingeschriebenen Studierenden ihren Abschluss gebührenfrei machen können. Zudem sei die Universität bemüht, eine Lösung zu finden, die auch in Zukunft kostenlose Zusatzangebote ermöglicht.Meinung

Eine skurrile Panne
Mit etwas Wohlwollen könnte man das, was an der Uni Trier passiert ist, als skurrile Panne bezeichnen. Ein fehlerhafter Brief, von dem der Uni-Präsident offenbar gar nichts wusste, fordert 1000 Studenten auf, eine Studiengebühr zu zahlen, die sie eigentlich bereits seit Jahren zahlen müssten. Doch das scheint an der Uni niemand zu wissen. Es hagelt Protest. Und alles wird wieder rückgängig gemacht. Absurd. Und sympathisch. Denn diese Studiengebühr ist Unsinn. Während die Langsamen nun unbehelligt bummeln können, bestraft sie diejenigen, die neben ihrem Studium eine für den Beruf wichtige Zusatzqualifikation erwerben möchten. Diese Gebühr sollte abgeschafft werden. Und zwar ganz. k.hammermann@volksfreund.deExtra

Während das Ministerium und die Uni mit widersprüchlichen Aussagen für Verwirrung sorgten, hagelte es Kritik. Die linke Bundestagsabgeordnete Katrin Werner kritisierte die Landesregierung für die Einführung "versteckter Studiengebühren". Die Landes-Grünen hingegen betonten, dass die Hochschulnovelle Studiengebühren abschaffe. Sie fordern die Uni Trier auf, auf die Erhebung der Gebühren zu verzichten. Und die liberale Uni-Hochschulgruppe kritisiert Land und Uni wegen "miserabler Kommunikationspolitik". kah