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Der teuerste Freund des Menschen: Steuerzahlerbund kritisiert Hundesteuer-Sätze im Land und in der Region

Der teuerste Freund des Menschen: Steuerzahlerbund kritisiert Hundesteuer-Sätze im Land und in der Region

Kommunen fordern hohe Hundesteuern. Der Steuerzahler-Bund kritisiert Willkür und fordert, die Abgaben abzuschaffen.

Ein Hund, so heißt es, ist der beste Freund im Leben des Menschen. Der beste Freund kann im Land aber ganz schön in die Brieftasche gehen. Das sagt der rheinland-pfälzische Bund der Steuerzahler, der beklagt, dass bei den Sätzen für die Hundesteuer gewaltige Unterschiede zwischen den Kommunen liegen. Herrchen und Frauchen zahlen demnach zwischen 45 und 1680 Euro für ihren Hund - je nachdem, wo sie wohnen.

Die Liste des Steuerzahlerbundes, wie hoch die Abgaben in den 50 größten Städten und Gemeinden sind, liegt dem TV exklusiv vor. Danach müssen Hundebesitzer auch in der Region tief in die Tasche greifen. Bei der jährlichen Steuer für den ersten Hund liegt Trier mit 120 Euro landesweit mit Landau auf dem zweiten Platz hinter Spitzenreiter Mainz (186 Euro). Günstiger kommen Besitzer in Konz (78 Euro), Wittlich (75 Euro), Bitburg (72 Euro) und Morbach (72 Euro) davon.

Mit dem zweiten Hund steigt die Steuer in den Kommunen noch mal deutlich an: auf 168 Euro für das Tier in Trier, 144 Euro in Bitburg, 132 Euro in Morbach, 120 Euro in Konz und 118 Euro in Wittlich. Noch teurer fallen die Ausgaben für jeden weiteren Hund aus.

René Quante, Geschäftsführer des rheinland-pfälzischen Steuerzahlerbundes, kritisiert die Ausgaben. "Das ist die reine Willkür", sagt er. Die Hundesteuer vernachlässige außerdem völlig, wie viel Geld die Besitzer überhaupt auf dem Konto haben. Werner Constanz, Landesgeschäftsführer des Verbandes für das deutsche Hundewesen (VDH), schimpft: "Der Sozialschwache wird genauso behandelt wie der Reiche." Der Verband spricht sich dafür aus, die Hundesteuer abzuschaffen. Die Forderung äußert auch René Quante. Zumal der Geschäftsführer ohnehin beklagt: "Die Gemeinden und Städte geben das Geld nicht in erster Linie dafür aus, Hundekot zu entfernen. Die Millionen fließen in den regulären Haushalt."

Quante verweist auf die Ratsvorlage, mit der Trier zu diesem Jahr die Steuersätze für den ersten Hund von 110 auf 120 Euro, für den zweiten Hund von 155 auf 168 Euro und für den dritten Hund von 200 auf 228 Euro angehoben habe. Dort heißt es, der Steuerungsausschuss habe die Erhöhung "aufgrund der weiterhin angespannten Haushaltslage" und der Forderung, "alle Einnahmemöglichkeiten auszuschöpfen", beschlossen.

Ohnehin spricht Quante von einer "Bagatellsteuer". Der Steuerzahler-Bund hat errechnet, dass rheinland-pfälzische Kommunen im vergangenen Jahr 17,7 Millionen Euro an Hundesteuer eingenommen haben. Das sei lediglich ein Anteil von 0,4 Prozent am gesamten kommunalen Steueraufkommen, das in der Höhe von 4,2 Milliarden Euro liege, sagt Quante.

Ralf Frühauf, Sprecher der Stadt Trier, widerspricht der Aussage, die Hundesteuer sei nur ein unbedeutender Posten im Haushalt. Trier habe im vergangenen Jahr 425.000 Euro durch die Steuer eingenommen, davon flossen noch Aufwandskosten von gut 60.000 Euro ab - wie für Personal, IT und Sachausgaben. Der Wittlicher Stadtsprecher Rainer Stöckicht hält die Steuer für berechtigt, zumal Hunde Kosten verursachten. "Ich höre oft Beschwerden von Pflegern der Grünflächen, dass im Rasenmäher wieder Hundekot steckt. Das ist alles andere als angenehm."

Unverständnis entfacht beim Steuerzahler-Bund auch, wie weit die Sätze bei gefährlichen Hunden auseinander liegen. Wittlich ist hier landesweiter Spitzenreiter mit 800 Euro, gefolgt von Bitburg mit 792 Euro. Ein dritter gefährlicher Hund würde in Konz mit 1085 Euro regional am meisten kosten. Wo Hundefreund Constanz von "Diskriminierung" spricht, hält der Wittlicher Stadtsprecher Rainer Stöckicht dagegen, dass die hohe Steuer rechtlich abgesichert sei. Man wolle mit dem hohen Satz die Haltung g efährlicher Hunde begrenzen. Tatsächlich gebe es in Wittlich auch nur einen Hundebesitzer, der die 800 Euro im Jahr zahlen müsse.

WAS HUNDEBESITZER IM LAND ZAHLEN MÜSSEN (flor)
Die Hundesteuer unterscheidet sich in den 50 größten Städten und Gemeinden des Landes stark. Der erste Hund kostet nach Angaben des Steuerzahlerbundes in Mainz die höchste Steuer mit 186 Euro im Jahr, in Nieder-Olm (Kreis Mainz-Bingen) die niedrigste mit 45 Euro. Die Haltung eines zweiten Hundes kostet in Mainz 216 Euro, in Nieder-Olm 60 Euro. Wer einen dritten Hund hält, zahlt für diesen in Worms am meisten (230 Euro), in Betzdorf (60 Euro) am wenigsten. In der Region liegt hier Trier (228 Euro) vor Bitburg (216 Euro), Wittlich (209 Euro), Morbach (160 Euro) und Konz (156 Euro). Der Steuerzahlerbund lobt dagegen, dass es 15 Kommunen gibt, die kurzfristige Steuerbefreiungen gewähren, sofern ein Besitzer einen Hund aus dem örtlichen Tierheim kauft. Aus der Region gilt das für Trier, das für die Dauer von einem Jahr von der Steuer befreie. Die Stadt Trier verzichtet auch auf einen Zuschlag für gefährliche Hunde. Wittlich (800 Euro), Bitburg (792 Euro), Konz und Morbach (je 600 Euro) dagegen nicht. Wer in Boppard (Rhein-Hunsrück-Kreis) einen dritten gefährlichen Hund hält, zahlt landesweit mit 1680 Euro den Spitzenwert.