Der Ton wird rauer

Countdown zur Saar-Wahl: Jeder Prozentpunkt zählt. Es wird immer spannender im Kampf um die Macht im Saarland. Bei einer Fernseh-Talkrunde der Spitzenkandidaten herrschte Hochspannung.

Saarbrücken (dpa) Die Angriffe werden schärfer, der Ton wird rauer, die Stimmung angespannter: Der Countdown zur Saar-Wahl läuft. Das merkt man deutlich in der Fernsehrunde der Spitzenkandidaten am Donnerstagabend im Saarländischen Rundfunk. Im Fokus von sechs Teilnehmern stehen vor allem zwei Frauen, die beide nach dem Votum am 26. März Ministerpräsidentin des Saarlandes werden wollen: Amtsinhaberin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und Herausforderin Anke Rehlinger (SPD).
"Ja, es wird spannend", sagte Kramp-Karrenbauer nach einer neuen Umfrage, die zur Fernseh-Talkrunde veröffentlicht wurde. Demnach zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab: Die CDU kommt auf 35 - und verliert leicht (minus 1 Punkt), die SPD landet bei 34 Prozent - und gewinnt kräftig (plus 8 Punkte).
Rückenwind für Rehlinger: "Wir sind knapp dran und damit auch knapp dran an unserem Ziel. Nämlich die stärkste Kraft in diesem Land zu werden und damit die Regierung auch anzuführen."
Wie? "Das kann eine SPD-geführte große Koalition sein, das kann aber auch eine andere Option sein", sagt die Juristin selbstbewusst - und meint ein Bündnis mit den Linken, die laut Umfrage 13 Prozent erreichen. "Der Regierungswechsel ist greifbar nahe. Es scheint so, dass eine Wechselstimmung da ist", meinte Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine optimistisch.
Am Morgen nach dem Fernseh-Talk liegen neue Umfragewerte des ZDF auf dem Tisch. Sie sehen die CDU als klar stärkste Kraft. In der Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen kommt die Union auf 37 Prozent, die SPD auf 32 Prozent, die Linke auf zwölf Prozent. Ob es für ein rot-rotes Bündnis reicht, ist danach ungewiss: Beide Parteien liegen zusammen gleichauf mit CDU und AfD.
Kramp-Karrenbauer betonte in der Fernsehrunde: "Die Alternative liegt klar auf dem Tisch." Wer eine Regierung der Mitte wolle, eine große Koalition unter ihrer Führung, der müsse CDU wählen. "Wer eine Linksregierung will, der muss was anderes wählen." Seit 2012 regiert die CDU mit der SPD als Juniorpartner an der Saar - nun aber will Rehlinger für die SPD den Chefsessel nach 18 Jahren von der CDU zurückholen. Aus Partnerinnen sind Rivalinnen geworden.
Ein Lieblingsstreitthema: Entlastung bei Bildungskosten. Rehlinger will die Kita-Gebühren abschaffen, Kramp-Karrenbauer bietet ein "Bildungskonto" mit einem Guthaben von 2000 Euro pro Kind. "Das reicht gerade mal für ein halbes Jahr Krippengebühren", sagte Rehlinger.
Das reiche für anderthalb Kindergartenjahre, erwiderte Kramp-Karrenbauer und sei wenigstens mal ein konkreter Vorschlag. Jetzt sei Gelegenheit auch für die anderen, "die Wahrheit zu sagen". Rehlinger: "Wir reden immer die Wahrheit."
Heftig gestritten wurde beim Thema Windräder. Hubert Ulrich (Grüne) sprach von einer "grausamen Waldvernichtung im Saarland". Luksic von der FDP sagte: "Die Energiewende ist doch absurd, wenn wir dafür großflächig Wald roden." Zur Sache ging es auch bei Investitionen - alle wollen mehr, die Frage war nur, wofür und woher.
Ein Mann, um dem es auch ging, war aber in der einzigen Fernseh-Debatte zur Saar-Wahl nicht anwesend: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, der der SPD so viel Aufwind gegeben hat, dass sie nun auf Augenhöhe mit der CDU steht. "Wir haben sicherlich einen Schulz-Effekt. Aber man sieht eben auch, was wir an Potenzial ausschöpfen können, wenn der Bundestrend uns nicht drückt, sondern uns mal wieder ein bisschen Rückenwind verleiht", sagte Rehlinger.
Aus dem "Schulz-Effekt" sind längst mehrere geworden - hat er doch an der Saar die politische Landschaft insgesamt durch einandergewirbelt. Linke und Grünen verlieren leicht Stimmen, die FDP wirbt damit, man müsse sie wählen, um durch ihren Wiedereinzug eine Koalition mit den Linken zu verhindern. "Es kommt auf die FDP an", sagte Oliver Luksic von der FDP.
In einer Situation waren sich Kramp-Karrenbauer und Rehlinger an diesem Abend aber einig. Als AfD-Spitzenkandidat Rolf Müller beklagte, man habe zu viel Geld für Flüchtlinge ausgegeben, widersprachen sie heftig. "Die Behauptung, irgendjemanden ginge es schlechter, weil es Flüchtlinge gibt, weise ich mit aller Entschiedenheit zurück", sagte Kramp-Karrenbauer.
Und Rehlinger wetterte: "Den großen Konsens in diesem Land, den lassen wir uns nicht von Ihnen und Ihrer Partei kaputtmachen."