Der Traben-Trarbacher Bunker wird beschlagnahmt

Kostenpflichtiger Inhalt: Traben-Trarbach : IT-Spezialisten wühlen sich durch ungeheure Datenmengen

Die Beschlagnahme des Bunkers steht kurz bevor. Wird X. verurteilt, entscheidet das Land über die weitere Nutzung.

Das ehemalige Amt für Wehrgeophysik auf dem Mont Royal in Traben-Trarbach mit seinen Gebäuden und dem Hochsicherheitsbunker war bis Ende 2012 als größter Arbeitgeber die Institution in der 5500 Einwohner zählenden Stadt. „Es war unser Amt, fast schon ein familiärer Betrieb“, sagt Patrice Langer, Stadtbürgermeister von Traben-Trarbach, der dort selbst 35 Jahre beschäftigt war. Er hat mit vielen ehemaligen Kollegen gesprochen, die meisten schüttelten nur den Kopf und sagten: „Es ist erschütternd, was aus unserem Amt geworden ist.“

Doch wie geht es jetzt weiter? Derzeit ist ein Team von IT-Spezialisten vor Ort, um die ungeheuren Datenmengen auszuwerten. Sie sollen Aufschluss über den deutschlandweit größten Fall von Cyberkriminalität geben.

Noch gehört die Immobilie offiziell dem damaligen Käufer und Hauptbeschuldigten Herman-Johan X. Doch in Kürze wird die Staatsanwaltschaft beim Amtsgericht Koblenz die Beschlagnahme der Immobilie beantragen. Die Beschlagnahme könnte nach Auskunft des Landeskriminalamtes noch in diesem Monat erfolgen.

Wie Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer auf Anfrage mitteilt, wird im Anschluss im Grundbuch ein Veräußerungsverbot eingetragen. X. hat also keine Handhabe bis zu seiner möglichen Verurteilung die Immobilie zu verkaufen und zu Geld zu machen. Die Beschlagnahme im Zuge der Ermittlungen dient dazu, dass die Immobilien bei einem Urteil dann komplett eingezogen werden kann. Das ehemalige Amt würde dann an das Land Rheinland-Pfalz fallen. Es muss dann überlegen, wie es weiter genutzt werden soll.  

Das ehemalige  Amt ist aber als militärische Einrichtung keine gewöhnliche  Immobilie. Der Hochsicherheitsbunker musste rund um die Uhr mit Pumpen und großen Lüftungsanlagen instand gehalten werden, um das Eindringen  von Grundwasser in die tief unter der Erde liegenden Räume zu verhindern. Das verursachte enorme Energie- und Personalkosten. Im Bunker waren waren 16 Mann rund um die Uhr damit beschäftigt, die hochsensiblen Rechner  am Laufen zu halten. Der Bunker ist sogar gegen einen EMP-Angriff geschützt, das heißt gegen Bomben, die mittels elektromagnetischer Impulse das Stromnetz und die Elektronik in großen Teilen eines Landes lahmlegen können.

 Vor dem ehemaligen Amt für Wehrgeophysik steht ein Hinweisschild. Was passiert mit der Immobilie samt Bunker, nachdem dort ein Rechenzentrum für illegale Geschäfte im Darknet ausgehoben wurde? Foto: dpa/Thomas Frey

Während den Ermittlungen sorgen nun  Techniker dafür, dass der Hochsicherheitsbunker trocken bleibt, erläutert Generalstaatsanwalt Brauer. Danach werde die Staatsanwaltschaft einen Verwalter beauftragen – möglicherweise einen speziellen Hausmeisterdienst – der den Bunker sozusagen in Betrieb hält. Brauer: „Das bekommen wir schon in den Griff.“

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