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Des Bischofs Bildungs-Imperium

Des Bischofs Bildungs-Imperium

TRIER. Messebesucher, Kirchensteuerzahler, Pfarrgemeinde-Aktivisten: Überall registriert das Bistum seit Jahren Schwund. Nur bei den kirchlichen Schulen übersteigt die Nachfrage das Angebot bei weitem. Doch die katholische Boom-Sparte sieht keinen Grund, sich bequem zurück zu lehnen – im Gegenteil.

Wenn Hauptschulleiter Guido Müller demnächst die Anmeldebögen für das kommende Schuljahr sichtet, muss er sich mit dem gleichen Phänomen beschäftigen wie im Vorjahr: 84 Plätze hat er zu vergeben, aber mehr als 200 Schüler bewerben sich um die Aufnahme bei der vom Bistum Trier getragenen Privatschule St. Maximin. "Es tut immer wieder weh, so vielen absagen zu müssen", sagt der Pädagoge. Eine Erfahrung, die er mit seinen Kollegen von den insgesamt sechs kirchlichen Schulen in Trier teilt. Viele Bewerber, wenige Plätze: Die Kirche ist als Schulträger mehr gefragt denn je. "Die Leute erwarten, dass wir Gemeinschaft nicht nur propagieren, sondern auch leben", sagt Prälat Herbert Hoffmann, der beim Bistum für die Schulen verantwortlich zeichnet. Die Eltern gingen davon aus, "dass unsere Schulen der Person des einzelnen Schülers mehr Aufmerksamkeit entgegenbringen". Das Angebot ist erstaunlich breit. Allein in Trier sind sechs katholische Schulen am Markt, mehr als in jeder anderen Bistumsstadt: Das Angela-Merici-Gymnasium, die Blandine-Merten-Realschule, die Hauptschule St. Maximin, die Ganztags-Grundschule St. Paulin, die Fachschule für Sozialwesen und die Förderschule St. Josef. "Im Grunde können wir eine komplette katholische Schullaufbahn mit allen Varianten anbieten", witzelt Thomas Schmitz. Er hat in seiner Fachschule für Sozialwesen ein breites Schüler-Spektrum vom frisch gebackenen Abiturienten bis zum 35-jährigen Umschüler. Die einzelnen Schulen kooperieren schon lange untereinander. "Wir haben gute Querverbindungen", sagt Schulleiterin Jutta Claes von der Grundschule St. Paulin. Bei ihr beginnen viele Schullaufbahnen, die dann ganz unterschiedliche Wege nehmen. Auch wenn man sich kennt: Als Gruppe gemeinsam nach außen aufgetreten sind die Trierer Schulen des Bischofs noch nie. Geschweige denn mit den Kollegen von den drei Bistums-Schulen aus Bitburg. Nun macht man in Trier einen Anfang: Am morgigen Samstag laden alle sechs gemeinsam ab 16 Uhr zu einer kulturellen Präsentation nach St. Maximin ein. "Wir wollen mit dem Schulterschluss ein Signal setzen", sagt AMG-Direktor Wolfgang Müller. Das Signal geht einerseits an die Öffentlichkeit, die man auf das eigene Profil stärker aufmerksam machen will. Es geht aber auch an den Träger. Denn der Rückgang der Kirchensteuer-Einnahmen geht auch an den Schulen nicht spurlos vorüber. Der Etat für die insgesamt 19 Bistums-Schulen ist im vorigen Jahr von 35,2 auf 33,8 Millionen Euro geschrumpft. Kein Grund zur Panik, meint Bistums-Schulchef Hoffmann, die Existenz der Schulen werde weiterhin "sehr hoch gewichtet". Eine Reduzierung des Etats "anteilig am Gesamtrückgang" sei dennoch vorgesehen. Deshalb will man nun den Refinanzierungs-Anteil beim Land erhöhen. Mainz erstattet rund 85 Prozent der Kosten, weniger als das Saarland oder NRW. Aber selbst wenn das nicht gelingt: Der Bistums-Eigenanteil liegt pro Jahr bei gut drei Millionen Euro, ein Bruchteil des Gesamthaushalts. "Es wäre hirnrissig, deshalb die Qualität unseres Angebots aufs Spiel zu setzen", wird Hoffmann deutlich. Eine Position, die Schulleiterin Schwester Irmgard Carduck von der Blandine-Merten-Realschule teilt: "Die Pfarreien kommen doch aus eigener Kraft kaum mehr an die Kinder ran". Und ihr Kollege Thomas Schmitz ergänzt selbstbewusst: "Das Bistum kann froh sein, dass es uns gibt".