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Diäten mit fadem Beigeschmack

Meinung : Diäten mit fadem Beigeschmack

Es bleibt ein fader Beigeschmack bei den höheren Diäten für die rheinland-pfälzischen Landtagsabgeordneten, auch wenn das prozentuale Anpassen an die durchschnittliche Lohnentwicklung ein fairer Kompromiss sein mag.

Das Problem: Der Zuschlag folgt einer ohnehin schon beschlossenen satten Steigerung von 1000 Euro pro Monat in wenigen Jahren, die sich die Mehrheit der Parlamentarier 2017 genehmigt hat. Ein kluger Schachzug ist das nicht.

So ist es kein Wunder, wenn mancher Beobachter schnell den Eindruck gewinnt, Abgeordnete bekämen den Hals nicht voll genug. Wer dann noch hört, wie viele Tausend Euro weniger in der händeringend nach Kräften suchenden Pflege gezahlt werden, schlägt vielleicht vollends die Hände über dem Kopf zusammen.

Zugleich gilt Vorsicht bei solchen Vereinfachungen. Sie verkennen, welche Strapazen Abgeordnete auf sich nehmen. Mancher Landwirt gibt für das Mandat den Hof auf, mancher Arzt die Praxis, mancher Anwalt die Kanzlei. Unter ständigen Touren zwischen Mainz und Wahlkreis leiden Familien. Wollen wir in Parlamenten wirklich Vertreter, die die ganze Gesellschaft abbilden, braucht es faire Bezahlung.

Um den Vorwurf der Selbstbedienung abzulegen, sollte die Politik aber handeln und eine unabhängige Kommission über Diäten bestimmen lassen. Wer weiß: Vielleicht stellen Experten ja fest, dass Abgeordnete noch viel zu wenig verdienen ...

f.schlecht@volksfreund.de