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Die Angst vor dem Wolf in der Region wächst

Die Angst vor dem Wolf in der Region wächst

Weidetierhalter entzünden heute ein Mahnfeuer, um auf die Probleme aufmerksam zu machen, die die Rückkehr des Raubtiers mit sich bringt.

Der Wolf weckt Ängste. Das war schon immer so. Und je näher das räuberische Wildtier rückt, desto lauter werden jene, die seine Rückkehr fürchten.

Am heutigen Freitag entzünden rheinland-pfälzische Landwirte in der Nähe von Neuwied ein Mahnfeuer. Sie sehen die Weidetierhaltung in Gefahr, weil die wachsenden Wolfspopulationen in Deutschland immer öfter Schafe oder Kälber reißen und Panik in den Herden stiften. In Rheinland-Pfalz hat Isegrim zuletzt vor einem Jahr zugeschlagen: In Leubsdorf (Landkreis Neuwied) tötete ein Wolf fünf Schafe und verletzte zwei weitere. Insgesamt gab es laut Umweltministerium seit 2015 landesweit fünf solcher Vorkommnisse, bei denen insgesamt 17 Tiere getötet wurden.

Neues Feuer bekommt die Debatte aktuell dadurch, dass das Raubtier vor wenigen Tagen auch im nahen Luxemburg nachgewiesen wurde: DNA-Proben, die auf gerissenen Schafen gefunden wurden, stammten laut Senckenberg-Institut eindeutig von einem Wolf, der über die Alpen eingewandert sein dürfte. Nach 124 wolfsfreien Jahren der erste seiner Art im Ländchen. <EA>Michael Horper, Präsident des Bauern- und Winzerverbands, der das Mahnfeuer organisiert, fordert, dass es möglich sein müsse, Wölfe abzuschießen, wenn sie zum Problem werden. "Ein wildernder Hund ist schneller tot, als er sich umsehen kann. Aber der Wolf bekommt einen Heiligenschein", sagt Horper.

Tatsächlich unterstützt das Land die Wiedereinwanderung des Wolfes, der in ganz Europa verbreitet war, ehe der Mensch ihn ausrottete. "Es ist erfreulich, dass sich die Natur so entwickelt hat, dass ehemals heimische Tiere wieder hier leben können", sagt eine Sprecherin des Umweltministeriums.

Um die damit einhergehenden Probleme in den Griff zu bekommen, hat das Land bereits 2015 einen Managementplan verabschiedet. Dieser legt fest, dass Herdenschutzhunde oder der Bau von Zäunen gefördert werden. Das Land übernimmt 90 Prozent der Kosten. Sollten Wölfe Schafe oder Ziegen töten, bekommen die Tierhalter den Wert erstattet. Seit 2015 wurden für die 17 gerissenen Tiere etwa 2000 Euro gezahlt und weitere 2000 Euro für Zäune bereitgestellt. Zudem werden landesweit Hinweise auf die Raubtiere erfasst: Wer ein Foto liefert, kann mit 100 Euro Belohnung rechnen.

Horper kritisiert, dass zwischen Theorie und Praxis eine Lücke klaffe. Es lasse sich nicht alles einzäunen. Er fürchtet, dass viele Betriebe die Tierhaltung aufgeben, wenn der Wolf wieder heimisch wird, und dass sich der landwirtschaftliche Strukturwandel so noch beschleunigt. Auch der Deutsche Jagdverband warnt und fordert Abschüsse. Die Bestandsentwicklung werde völlig unterschätzt - es sei realistisch, dass sich die Population alle drei Jahre verdoppele. Wenn demnächst überall große Elektrozäune stünden, sei dies auch ein Problem für heimische Wildtiere.

Dass auch Kompromisse möglich sind, zeigt ein Eckpunktepapier, das Natur- und Tierschutzverbände mit dem Bundesverband der Berufsschäfer und dem Grünlandverband geschlossen haben: Sie fordern, dass der Staat sämtliche Kosten für Zäune, Schutzhunde, Beratung und Schadenersatz übernimmt. Und zwar unbürokratisch. Die "Entnahme von Wölfen" müsse das letzte Mittel sein. Sie könne aber nötig werden, wenn einzelne Wölfe trotz Herdenschutzes immer wieder Schäden anrichteten. Die Tiere sind aktuell allerdings EU-weit streng geschützt.