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Die Baustellen der Bildung: Interview mit Eltern- und Schülervertretern zum Unterricht in Rheinland-Pfalz

Die Baustellen der Bildung: Interview mit Eltern- und Schülervertretern zum Unterricht in Rheinland-Pfalz

Eltern und Schüler sind sich einig, dass es viele Probleme im Bildungssystem gibt. Und dass zu wenig dagegen getan wird.

Was sind die Baustellen im rheinland-pfälzischen Bildungssystem? Wie stellen sich Eltern und Lehrer die Schule der Zukunft vor? Darüber sprachen TV-Chefredakteur Thomas Roth und Chefreporter Bernd Wientjes mit Florian Hirsch und Reiner Schladweiler. Hirsch ist Mitglied im Vorstand der Landesschülervertretung, und Schladweiler ist Vorsitzender des Regionalelternbeirats. Ihre Antworten zu verschiedenen Themen:

Lehrermangel
Schladweiler: "Die Zahl der Lehrer wird reduziert, obwohl die Zahl der Schüler steigt. Die vom Land vereinbarte Schuldenbremse ist eine Bildungsbremse. Es wird immer mehr draufgesattelt. Wenn Lehrer überfordert sind, werden sie schneller krank und fehlen. Wenn Lehrer zufrieden und motiviert sind, spüren das auch die Kinder. Sie sind auch zufrieden und motiviert."
Hirsch: "Lehrer müssen entlastet werden. Schulen müssen bei Bedarf auf externen Sachverstand, etwas aus der Wirtschaft, zurückgreifen dürfen. Es gibt ja auch zu wenig Lehrer. Schüler dürfen aufgrund fehlender Lehrer nicht einfach bestimmte Fächer verwehrt werden.

Grundschulen
Schladweiler: "Wenn die kleine Schule im Dorf weg ist, schließt irgendwann der Kindergarten, das Vereinsleben geht zurück. Es werden nur noch alte Leute im Dorf leben. Die Jungen gehen die Stadt, dort steigen die Mieten. Landflucht muss verhindert werden. Auf der einen Seite bezahlt das Land Geld für Dorferneuerung, auf der anderen Seite werden Schulen geschlossen und die Gebäude werden zu Ruinen."

Mitbestimmung
Hirsch: "Wir brauchen in allen Schulen ein Schulparlament, in dem alle Schüler und alle Lehrer eine Stimme haben, auf einer Ebene miteinander reden. Die Landesregierung hat sich in ihrem Koalitionsvertrag darauf verständigt, die Partizipation der Schüler zu stärken."
Schladweiler: "Ein Schulparlament muss mit Schülern, Lehrern und Eltern besetzt sein, die demokratisch gewählt werden. Dann kann schon was bewegt werden. Das Parlament kann über das Schulessen oder die Gestaltung des Schulhofes mitentscheiden. Oder welche Wahlpflichtfächer angeboten werden."

Inklusion
Hirsch: "Das Thema wird vom Land schon sehr ernst genommen. Aber die Umsetzung ist einfach grottenschlecht. Inklusion bedeutet nicht: Ich baue eine Integrierte Gesamtschule, stecke 30 Schüler in eine Klasse, habe einen Lehrer und einen Inklusionshelfer. Inklusion bedeutet, auf die einzelnen Interessen und Bedürfnisse der Schüler einzugehen. Daher muss es an den Inklusionsschulen kleine Klassen geben, mit zehn bis 15 Schülern."
Schladweiler: "Inklusion an Schulen in Rheinland-Pfalz ist auf dem besten Weg zu scheitern. Es wurde von oben etwas aufgestülpt, ohne die unten mitzunehmen. Man hat geglaubt, durch die Schwerpunktschulen, also Regelschulen in denen auch Förderschüler unterrichtet werden, könnte man die Förderschulen schließen. Das war aber ein Trugschluss. Jede Schwerpunktschule hat zu wenig Personal. Einige Eltern melden ihr Kind von der Schwerpunktschule ab und schicken es dann wieder in die Förderschule, weil es dort besser gefördert wird.

Integration
Schladweiler: "Es ist keine Seltenheit, dass es 14 oder 15 unterschiedliche Nationen in einer Klasse gibt. Das Thema Flüchtlinge und Integration ist noch längst nicht erledigt. Das fängt in den Schulen erst an. Es wird aber gesagt: Es läuft alles. Nichts läuft. Das ist eine Gefahr für uns alle. Die Unzufriedenheit bei den Flüchtlingen wird wachsen. Die Jugend muss erfolgreich sein können. Aber wenn sie das Rüstzeug dafür nicht bekommt, wird sie es nicht schaffen, erfolgreich zu sein."

Lehrer-Tüv
Hirsch: "In einer Zeit, in der sich alles ändert, kann es nicht sein, dass Lehrer ein ganzes Arbeitsleben lang lehren dürfen, ohne überprüft und bewertet zu werden. Das ist eine Gefahr für die Schüler, sie bekommen womöglich etwas verwehrt, was ihnen zusteht."
Schladweiler: "Lehrer sollte für ältere Schüler eher ein Coach sein, der sie zum Lernen anleitet, sie selbstständig arbeiten lässt. Dazu müssen Lehrer weitergebildet und auch ihre Arbeit überprüft werden."