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Die Erde erwärmt sich weiter - Diese Ziele verfolgt das Land Rheinland-Pfalz

Bonn/Mainz. Die vor zwei Jahren vereinbarten Klimaziele werden weiter deutlich verfehlt. Die Landesumweltministerin fordert den Kohleausstieg, nennt dafür aber keinen Zeitpunkt. Von Bernd Wientjes

Die Erderwärmung ist noch immer nicht gestoppt. Das ist ein Ergebnis des gestern zu Ende gegangenen Weltklimagipfels in Bonn. Bereits vor zwei Jahren wurde mit dem Pariser Klimaabkommen das Ziel formuliert, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter zwei Grad zu reduzieren. Dass dieses Ziel verfehlt wird, hängt auch damit zusammen, dass weiterhin zu viele klimaschädliche Abgase durch das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas in die Luft geblasen werden. Für dieses Jahr rechnen Klimaexperten sogar mit einem Anstieg des dadurch verursachten Kohlendioxid-Austoßes. Sie gehen daher davon aus, dass die Erderwärmung bis zum Jahr 2100 lediglich auf drei Grad begrenzt werden kann. Das bedeute, dass es in den kommenden Jahren mehr Wetterextreme gebe - mehr Stürme, größere Hitze und dadurch Dürren und Hungerkatastrophen.

Trotzdem bewertet die rheinland-pfälzische Umweltministerin das elftägige Treffen in Bonn als positiv. Die über 20.000 Teilnehmer hätten sich auf ein sogenanntes Regelbuch zur Umsetzung des ab 2020 geltenden Pariser Abkommens verständigt, sagte die Ministerin im Gespräch mit unserer Zeitung. Um die konkrete Umsetzung der vor zwei Jahre vereinbarten Ziele soll es aber erst auf dem nächsten Klimagipfel im polnischen Katowice gehen. Es sei aber nicht so, dass bis dahin gar nichts geschehe, sagt Höfken. Die in Paris vereinbarten Aktivitäten zum Klimaschutz liefen weiter. Die Folgen einer Erderwärmung von mehr als zwei Grad seien dramatisch, auch für Rheinland-Pfalz. Schon ein Anstieg um 1,5 Grad führe zu einem Abschmelzen der Gletscher und Hitze, die sich stark auf Rheinland-Pfalz auswirke, so Höfken. Darunter leide die Landwirtschaft genauso wie die Bewohner der Städte, wo das Aufheizen besonders drastisch sei. Schon heute seien 73 Prozent der Bäume im Land durch Klimafolgen geschädigt, sagte Höfken. Sie sprach sich für einen wie in Bonn von mehreren Ländern vereinbarten Ausstieg aus der Kohlenergie aus.

Allerdings legte sich die Ministerin nicht auf einen Zeitpunkt dafür fest. Die sieben klimaschädlichsten Braunkohlekraftwerke seien für fast 15 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen in Deutschland verantwortlich. "Eine Jamaika-Koalition muss den Ausstieg aus der Kohle und den Einstieg in sauberen Verkehr ohne Verbrennungsmotoren beschließen", fordert die Umweltschutzorganisation Greenpeace, von einem zukünftigen Regierungsbündnis in Berlin. "Wir dürfen in unserer Bemühung, unseren Kindern und Kindeskindern einen gesunden Planeten zu hinterlassen, nicht scheitern", heißt es auch in einer Klima-Erklärung, die Religionsvertreter in Bonn verfasst haben. Unterzeichnet hat sie der Trierer Bischof Stephan Ackermann als Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax, einem Beratergremium der katholischen Kirche.

Umweltministerin Höfken verweist darauf, dass Rheinland-Pfalz 2014 als eines der ersten Bundesländer ein Landesklimaschutzgesetz verabschiedet habe. Ziel sei es, bis 2050 die Treibhausgase fast komplett zu eliminieren. Laut Statistischem Landesamt hat sich der Ausstoß klimaschädlicher Stoffe von rund 2600 im Jahr 1996 auf 498 Tonnen in 2016 reduziert.