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Die "Genussfahrer" gelten als Risikogruppe

Die "Genussfahrer" gelten als Risikogruppe

Polizeibeamte aus Luxemburg, den Niederlanden, Belgien und Deutschland haben am Freitag bei länderübergreifenden Verkehrskontrollen Biker überprüft. Im Mittelpunkt der Aktion steht die Beratung der Kradfahrer.

Oberweis/Hisel. Nicht nur Polizeibeamte stehen an diesem Freitag an der bei Motorradfahrern beliebten Strecke von Bitburg nach Vianden. Auch der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC) sowie Gutachter der Dekra-Versicherung und die Eifel-Tourismus GmbH nehmen an der Bundesstraße 50 in der Nähe des kleinen Ortes Hisel die angehaltenen Biker in Empfang.
Sicherheit statt Strafe


"Es geht bei dieser Aktion nicht um Bestrafung, sondern um Verkehrssicherheit", sagt Herbert Fuss, Leiter der Abteilung Verkehr und Technik beim ADAC Mittelrhein. Die Gesamtzahlen der Verkehrsunfälle sind deutschlandweit rückläufig, doch die Zahl der Unfälle mit Motorrädern steigt seit Jahren.
Besonders die Biker ab 40 Jahren aufwärts sind betroffen: "Die Wiedereinsteiger sind eine Risikogruppe", sagt Dietmar Braun, Leiter der Polizeiinspektion Bitburg. "Die Statistiken der Motorradunfälle belegen, dass die meisten Kradfahrer am Wochenende verunglücken und zwischen 40 und 50 Jahren alt sind."
Dass sich im Zeitraum von Januar bis 6. Juni dieses Jahres im Vergleich zum ersten Halbjahr 2011 weniger Unfälle in der Eifel ereignet haben, schreibt Braun dem schlechten Wetter zu: "Somit haben die ungünstigen Wetterbedingungen auch positive Seiten", sagt er.
Auch an diesem Freitag herrscht kein Motorradwetter. Nur wenige Zweiräder sind unterwegs, und überdies ist die Kontrolle am Morgen im Rundfunk bekanntgegeben worden - für die Polizei bleibt der Einsatz überschaubar. Am Nachmittag wird die Aktion plangemäß über die nahe Grenze nach Luxemburg verlegt.
Barbara Jenau und ihre Freunde, die mit ihren Motorrädern vom Ruhrgebiet aus in Richtung Vianden und an die Mosel unterwegs sind, bilden am Vormittag die einzige größere Gruppe, die angehalten wird: "Ich finde diese Aktionen grundsätzlich gut", sagt die 43-jährige Bikerin. "Aufklärung ist besser als Strafe - aber ein schlechtes Gewissen habe ich ja doch immer, wenn die Polizei mich rauswinkt", lacht sie.
Zu kleine Rückspiegel


Tatsächlich gehören fast alle der gestoppten Biker zur Risikogruppe der über 40-Jährigen. Bis auf Kleinigkeiten wie zu kleine Rückspiegel oder nicht vorschriftsmäßige Blinker gibt es bei der Kontrolle an diesem Tag an den Maschinen nichts zu bemängeln.
Der ADAC verteilt gelbe Warnwesten und gute Ratschläge. Auch die Radarfalle, einige Hundert Meter vor dem Kontrollpunkt postiert, blitzt nur zweimal an diesem Morgen auf, die Geschwindigkeitsüberschreitungen sind minimal.
"Das sind Genussfahrer", sagt Aloisius Söhngen, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Prüm und am Freitag in seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzender der Eifel-Tourismus GmbH bei der Aktion dabei. "Wir sehen die Motorradfahrer, die gerne durch die schöne Eifel fahren, als umsatzstarke Gäste an. Sicherheit gehört aber dazu", meint Söhngen. Heike Raab, Staatssekretärin im rheinland-pfälzischen Innenministerium, erklärt, warum besonders für Männer ab 40 das Motorradfahren zum Risiko gerät: "Viele haben in ihrer Jugend den Führerschein gemacht, haben aber jahrelang nicht auf einer Maschine gesessen." Irgendwann sei dann genug Geld vorhanden, um sich ein Motorrad anzuschaffen. "Aber nur ganz wenige Biker denken daran, ein Sicherheitstraining zu absolvieren - und vergessen, dass eine gewisse Fitness zum Motorradfahren dazugehört", sagt Raab.Extra

Die Polizeibereiche Bitburg, Wittlich, Daun und Prüm haben 2011 und 2012 alle Motorradunfälle im Zeitraum vom 1. Januar bis zum 6. Juni erfasst. Bis jetzt waren es in diesem Jahr insgesamt 40 Unfälle auf Eifeler Straßen (2011: 65), davon drei mit tödlichem Ausgang und 14 mit Schwerverletzten (2011: 4 Tote, 26 Schwerverletzte). Jürgen Schmitt, stellvertretender Polizeipräsident in Trier, hat eine internationale Verkehrssicherheitskonzeption in Auftrag gegeben: "Von den 2011 bei Verkehrsunfällen in der Eifel verletzten Kradfahrern waren 26 Niederländer, acht Belgier und ein Luxemburger. Somit ist klar, dass am Gesamtkonzept für mehr Sicherheit im Straßenverkehr alle gemeinsam zusammenarbeiten müssen. Wir werden jährlich etwa acht bis zehn länderübergreifende Kontrollen durchführen." Am Freitag wurden auf deutscher und luxemburgischer Seite etwas 80 Motorräder kontrolliert. Es gab an diesem Tag nur minimale technische Mängel zu beanstanden, wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen wurden bis Redaktionsschluss drei Biker verwarnt. now