Großregion: Die Großregion soll zur Marke werden

Großregion : Die Großregion soll zur Marke werden

Der saarländische Ministerpräsident will dem politischen Zusammenschluss mehr Gewicht und Eigenständigkeit verleihen.

Eine Möwe und eine Gans, wenn auch ausgestopft, schweben über den Vertretern der Großregion, als sie sich gestern Morgen im Naturzentrum Biodiversum am Stausee im luxemburgischen Remerschen treffen. Beim 16. Gipfel der Großregion spielt trotz der Kulisse das Thema Umweltschutz keine große Rolle. Man habe zwar über erneuerbare Energien geredet, nicht aber über die Atomkraftwerke in der Großregion im belgischen Tihange und im lothringischen Cattenom, sagt Corinne Cahen. Die Politikerin der Liberalen ist luxemburgische Ministerin für die Großregion. Luxemburg ist das einzige Land innerhalb des politischen Zusammenschlusses mit dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Lothringen, der Wallonie und der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien, das für die Großregion einen Ministerposten hat.

Zwei Jahre lang hat das Nachbarland den Vorsitz in der Großregion ausgeübt. Gestern hat das Saarland die Leitung turnusgemäß übernommen. Die Bilanz der luxemburgischen Präsidentschaft fällt positiv aus. Die Ministerin rattert die einzelnen Punkte während der Pressekonferenz in einem Tempo (auf Französisch) herunter, dass es nicht nur den anwesenden Journalisten, sondern auch der Dolmetscherin schwerfällt, der Rednerin zu folgen. Ziel Luxemburgs sei es gewesen, die Großregion den Bürgern näher zu bringen und sie daran zu beteiligen: „Die Großregion ist Europa im Kleinen“, sagt  Ministerin Corinne Cahen.

Im Hinblick auf die Pendler, die täglich vor allem nach Luxemburg zu Arbeit fahren, sei Mobilität das Leuchtturm-Thema der politischen Zusammenarbeit, resümiert die Ministerin weiter. Ziel müsse es sein, dass die Pendler weniger Zeit im Stau verbringen, so Cahen.

Das sieht auch der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans so. Um den Nahverkehr in der Großregion zu verbessern, müsse diese eine eigene Rechtsform erhalten und in der Lage sein, eigene Aufträge zu vergeben. Hans will sich dafür einsetzen, genau das bei der EU zu beantragen. Damit könnten die Mitglieder des politischen Zusammenschlusses Träger eines eigenen, grenzüberschreitenden Verkehrsverbunds werden, meint der CDU-Politiker.

Großregion in Zahlen. Foto: TV/Lambrecht, Jana

Auch eigene Schulen und Kindertageseinrichtungen in Trägerschaft der Großregion soll es nach den Vorstellungen des saarländischen Ministerpräsidenten geben. „Die Großregion muss als Marke stärker sichtbar werden.“

Und gleichzeitig will Hans für die Erfolge der Großregion in Brüssel, Berlin und Paris werben, um letztlich auch deutlich zu machen, dass man eigenständig und unabhängig von den Länderregierungen Entscheidungen zwischen Saar, Mosel und Maas treffen will. Das klare Ziel scheint für Hans zu sein, der Großregion, die seit Jahren darunter leidet, dass kaum ein Bürger mit dem Gebilde etwas anfangen kann und die Erfolge kaum messbar sind, mehr Selbstbewusstsein und eine gewichtigere Rolle in Europa zu verleihen. Im Kleinen, also in der Großregion, soll nach den Worten des eloquenten Ministerpräsidenten das entstehen, „was wir uns im Großen für Europa wünschen“.

Ein herausragendes Projekt auf diesem Weg ist für ihn die Uni der Großregion, die Vernetzung der Universitäten in Trier, Luxemburg, Saarbrücken, Kaiserslautern und Metz. Daraus soll eine europäische Universität werden. Die Bewerbung dafür liegt seit Herbst vergangenen Jahres bei der EU-Kommission. Auch das ist für Hans ein Beispiel für die Vorreiterrolle der Großregion. Mit einem grenzüberschreitenden Studium und unterschiedlichen Uni-Abschlüssen seien die Studierenden „bestens vorbereitet auf den internationalen Arbeitsmarkt“.

Das Erlernen der Sprache des Nachbarn sei wichtig und müsse daher auch auf Schulen und die Berufsausbildung ausgeweitet werden, sagt Hans, der damit an die sogenannte Frankreich-Strategie des Saarlandes erinnert. Auch die rheinland-pfälzische SPD fordert, dass es mehr Französisch-Unterricht in den Schulen geben soll (der TV berichtete).

Doch dass nicht alles rund läuft in der Großregion, daran erinnert der Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft, Oliver Paasch. Als Beispiel nennt er die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung. Noch immer sei es nicht möglich, dass Bürger ohne weiteres über die Grenze in ein Krankenhaus oder zum Arzt gehen könnten, auch weil es Probleme bei der Abrechnung mit den Krankenkassen gebe. Wenn die Menschen „sehr viel über Europa reden hören“, es aber bei solchen Dingen noch Handlungsbedarf gebe,  „dann können sie den eigentlichen Mehrwert von Europa nicht spüren“, sagt Paasch.