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Die Großregion und ihre Gipfel: "Da verläuft vieles einfach im Sande"

Die Großregion und ihre Gipfel: "Da verläuft vieles einfach im Sande"

Seit 1995 treffen sich Politiker aus Belgien, Frankreich, Luxemburg und Deutschland zu den Gipfeln der Großregion. Das große Problem: Viele Beschlüsse werden nie umgesetzt. "Das muss sich ändern", fordert der ehemalige Trie rer Bundestagsabgeordnete Franz Peter Basten (CDU).

Trier. Es ist zehn Jahre her, da lobte das Saarland einen schmucken Preis aus: Einen Kleinwagen im Wert von 9000 Euro sollte derjenige bekommen, der für die Großregion einen neuen Namen findet. Der alte Name, Großregion Saar-Lor-Lux, sei viel zu sperrig, fanden die Saarländer. Und den Rheinland-Pfälzern und Wallonen missfiel, dass sie in der geografischen Bezeichnung überhaupt nicht vorkamen. An dem Namenswettbewerb beteiligten sich 3000 Menschen, ein Luxemburger reichte sogar stolze 31 Vorschläge ein. Das einzige Problem: Beim darauffolgenden 7. Gipfel der Großregion konnte sich die angereiste Polit-Prominenz nicht auf einen gemeinsamen neuen Namen verständigen. Die Großregion behielt also ihren sperrigen Namen Saar-Lor-Lux.
Das für die Initiatoren peinliche Namensdebakel könnte ein Symbol sein für die Großregion, wo es an so manchen Ecken hakt und klemmt. Das räumen selbst einige von denen ein, die sich seit Jahren für das geografisch rund um Luxemburg gelegene Gebilde stark machen. Einer von ihnen ist der langjährige Trierer CDU-Parlamentarier Franz Peter Basten, der auch luxemburgischer Honorarkonsul ist. Der 67-Jährige kritisiert, "dass viele Gipfelbeschlüsse einfach nicht umgesetzt werden. Da verläuft vieles einfach ohne Kontrolle im Sande." Bastens Forderung: Der institutionelle Rahmen der Großregion müsse verbessert werden. Konkret: Ein Sekretariat sollte die Umsetzung der Gipfelbeschlüsse überwachen. Eine weitere Forderung des Christdemokraten: Dem mit Abgeordneten aus der Großregion besetzten Interparlamentarischen Rat sollten bei wichtigen Fragen Anhörungs-, Kontroll- und Mitbestimmungsrechte eingeräumt werden. "Außerdem bin ich dafür, dass die Ratsmitglieder von der Bevölkerung direkt gewählt werden", sagt Basten. Der Trierer kann dafür sorgen, dass seine Vorschläge zumindest nicht unter den Tisch fallen. Basten gehört einer Kommission an, die sich ab heute um die Weiterentwicklung des Zukunftsbilds 2020 der Großregion kümmern soll. Vorsitzender ist der ehemalige luxemburgische EU-Kommissionspräsident Jacques Santer. Der 75-Jährige hatte dieses Amt auch vor zehn Jahren inne, als der erste Orientierungsrahmen für die Großregion erarbeitet wurde.
Den Namenswettbewerb gewann übrigens seinerzeit ein Saarländer. Der prämierte, aber nie umgesetzte Vorschlag des Preisträgers: Europia.Extra

 Jacques Santer. TV-Foto: Archiv/Mario Hübner
Jacques Santer. TV-Foto: Archiv/Mario Hübner

Als Großregion wird das Vier-Länder-Gebiet zwischen den Flüssen Rhein, Mosel, Saar und Maas bezeichnet. Die Distanzen sind groß: Allein die Strecke zwischen dem nördlichsten und dem südlichsten Punkt beträgt 350 Kilometer. Die Hälfte der gesamten Fläche von 65 000 Quadratkilometern wird landwirtschaftlich genutzt. In der Großregion leben über elf Millionen Menschen; eine Million Einwohner ist ausländischer Herkunft. sey