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Die Hartz-IV-Wirklichkeit: Neun Euro pro Tag für jedes Kind

Die Hartz-IV-Wirklichkeit: Neun Euro pro Tag für jedes Kind

In der Stadt Trier und den vier Landkreisen der Region gibt es 3535 Familien die Hartz-IV-Leistungen bekommen. 1970 dieser Bedarfsgemeinschaften bestehen aus einer Alleinerziehenden mit mindestens einem Kind. Die Mehrzahl von ihnen lebt in Trier.

In der Stadt Trier gibt es 9100 Haushalte mit Kindern. 2700 sind Ein-Elternfamilien. 60 Prozent aller Familien mit Kindern, die Hartz-IV-Leistungen beziehen, sind Alleinerziehende. Davon arbeiten 36 Prozent und erhalten nur eine finanzielle Aufstockung.

Diese Zahlen nennt Angelika Winter, die sich als Frauenbeauftragte der Stadt Trier besonders auch um Alleinerziehende kümmert. "Viele Mütter mit Kindern ziehen in die Stadt, weil die Wege hier kürzer und das Angebot für die Kinder größer ist", sagt sie und ergänzt, Frauen und Kinder würden immer jünger.

Dass der Begriff Armut bei den 620 alleinerziehenden Hartz-IV-Empfängerinnen in der Regel nicht existenzielle Not bedeutet, verdeutlicht Birgit Kuhlmeier von der Familienbildungsstätte Trier. "Diese Frauen und ihre Kinder hungern nicht, aber oft ist die Ernährung nicht gut, sie können sich keine Markenbekleidung und auch kaum Sport- und Kulturveranstaltungen leisten."

Andreas Haupenthal (Palais e.V.) spricht von Veränderungen in der Gesellschaft. "Heute sind Alleinerziehende häufig wirklich alleine verantwortlich. Das gab es vor 50 Jahren so noch nicht."

Wie Birgit Kuhlmeier und Andreas Haupenthal, so arbeitet auch Aurelia Bartels (Kinderschutzbund) mit im Aktionsbündnis "Aktiv gegen Armut", dem sich mittlerweile 32 Institutionen angeschlossen haben.

"Kinder können sich nicht aussuchen, in welche Familie sie geboren werden", sagt Bartels. "Wer in eine Hartz-IV-Familie kommt, hat kaum Zukunftschancen." Neun Euro pro Tag und Kind seien einfach zu wenig. Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordere deshalb dringend eine Erhöhung auf 16 Euro.

Wie groß die finanziellen Sorgen vieler Alleinerziehender sind, weiß auch Bernadette Holstein-Janetzki von der Caritas-Schuldnerberatung: "Wir fragen die Frauen oft, wie sie es überhaupt schaffen, mit so wenig Geld." Die Rückkehr in den Beruf nach der Erziehungsphase gelingt nach Einschätzung des Aktionsbündnisses zu wenigen Frauen. Andreas Haupenthal: "Viele kennen die Angebote nicht, oder trauen sich nichts mehr zu. Wichtig ist es deshalb, dass sie sich frühzeitig mit dem Thema Wiedereinstieg befassen." r.n.