Die heiße Zwei-Grad-Debatte beginnt

Die heiße Zwei-Grad-Debatte beginnt

Die UN-Klimakonferenz beschäftigt sich mit einem lebenswichtigen Thema: der Erderwärmung. Ab heute sprechen in Paris die Regierungschefs von 140 Staaten darüber, wie es gelingen kann, das Schlimmste zu verhindern.

Paris. Heute beginnt in Paris die knapp zweiwöchige UN-Klimakonferenz. Ziel ist ein verbindlicher Vertrag, um den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase zu drosseln und die Erderwärmung einzudämmen, die auch in der Region Trier bereits deutlich spürbar ist und Folgen hat. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Treffen, das heute in Paris beginnt: Worum geht es bei der Klimakonferenz?Der Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlendioxid (CO2) muss deutlich verringert werden, um die Erderwärmung zu begrenzen. Ziel ist, den Temperaturanstieg auf unter zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu drücken. Wenn dies nicht gelingt, könnten Küstenregionen und Inselstaaten unbewohnbar werden. Die Zusagen, die die einzelnen Länder bereits zur Verringerung der Treibhausgasemissionen gemacht haben, führen jedoch zu einer Erderwärmung um 2,7 Grad.Wie läuft die Konferenz ab?Die Staats- und Regierungschefs aus mehr als 140 Staaten kommen zur Eröffnung nach Paris. Damit wollen sie die Bedeutung der Konferenz unterstreichen. Bis zum 11. Dezember verhandeln dann die Delegationen, unterstützt von mehreren Ministern. Für Deutschland reisen Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD), Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) und Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) an. An der Eröffnung nimmt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teil. Was sind die Knackpunkte?Ein schwieriges Thema sind die Finanzhilfen für Entwicklungs- und Schwellenländer, um die Klimaziele dort zu erreichen und die Klimafolgen zu begrenzen. Vorgesehen sind 100 Milliarden Dollar jährlich ab 2020. Bisher gibt es allerdings nur Zusagen über rund 60 Milliarden Dollar. Außerdem stellt sich die Frage, wie verbindlich die Ergebnisse der Klimakonferenz sind. Gerade die von den einzelnen Ländern versprochenen nationalen Ziele müssten verpflichtend sein. Doch vor allem die USA wehren sich gegen einen rechtlich bindenden Vertrag, der im Kongress keine Mehrheit finden würde. Wie sind die Erfolgsaussichten?Diplomaten äußern sich vorsichtig optimistisch. In jedem Fall garantiert der Konferenzrahmen, dass es nicht wie in Kopenhagen 2009 am Schluss zu nächtelangen Verhandlungen ohne Ergebnis kommt. Denn die Delegationen haben einen Entwurf als Verhandlungsgrundlage, der nur 50 Seiten umfasst. In Kopenhagen waren es noch 300. Außerdem haben fast alle der 195 teilnehmenden Staaten schon im Vorfeld ihre Klimaziele veröffentlicht. Dadurch gibt es eine klare Verhandlungsgrundlage. Wie geht es nach der Konferenz weiter?Das neue Klimaabkommen tritt erst ab 2020 in Kraft. Mehrere Länder, darunter Deutschland, bestehen darauf, die Klimaziele danach im Fünf-Jahres-Rhythmus zu überprüfen. So könnten auch später noch ehrgeizigere Verpflichtungen eingegangen werden. Die G-7-Staaten haben eine Dekarbonisierung, also die völlige Abkehr von den Klimakillern Kohle, Öl und Gas, noch in diesem Jahrhundert beschlossen. Wie wird die Sicherheit nach den Anschlägen garantiert?Rund 11 000 Soldaten und Polizisten sind für die Klimakonferenz im Einsatz. Frankreich führte am 13. November wieder Grenzkontrollen ein, um mögliche Störer, aber auch potenzielle Attentäter abzufangen. Kundgebungen sind verboten. Meinung

Andere Botschaft aus ParisExtra

Die deutschen Bauern erhoffen sich von der UN-Klimakonferenz ein verbindliches Abkommen aller großen Industrie- und Schwellenländer. "Wir Landwirte spüren schon heute hautnah die Folgen der Erderwärmung", teilte Bauernpräsident Joachim Rukwied der Deutschen Presse-Agentur mit. "Gleichzeitig können wir einen erheblichen Anteil im Kampf gegen den Klimawandel leisten." In einer Erklärung fordert der Verband klare Perspektiven für die Bioenergie, einen Fokus auf effizientere Produktionsverfahren und dass die Agrarforschung stärker gefördert wird. Die Bauern bänden viel Kohlendioxid in Wald und Boden und müssten dafür stärker honoriert werden. Schon jetzt spüren die Landwirte nach Verbandsangaben, dass es wärmer und trockener in Deutschland werde. Frühjahrshitze schade der Weizenblüte und senke den Ertrag. Kühe gäben weniger Milch. Schädlinge und Pilze nähmen durch milde Winter zu. Andererseits mache eine längere Wachstumsperiode den Anbau von Hirse und Soja möglich. dpa

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