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Die Kandidaten ringen erbittert um jede Stimme

Die Kandidaten ringen erbittert um jede Stimme

Nur noch zwei Tage bleiben Obama und Romney, sich den Sieg bei der US-Präsidentenwahl am 6. November zu sichern. Aber der Amtsinhaber hat einen Vorteil: Er muss in weniger "Swing States" gewinnen als sein Kontrahent.

Dubuque/Washington. US-Präsident Barack Obama am Samstagabend im Washington Park in Dubuque (US-Bundesstaat Iowa). Die Stimme klingt in der Kälte kratzig-heiser, die Augen sind kleiner als sonst, die Haare grauer. Doch an der Angriffslust hat sich nichts geändert. "Mit Romney ist ein begnadeter Verkäufer", lästert er vor 5000 Menschen über seinen Herausforderer, "er hat geschickt alte Ideen, die nicht gewirkt haben, als neu verpackt". Romney ist nicht mehr als eine Kopie eines George W. Bush, der die fehlgeschlagene konservative Politik der Vergangenheit reaktivieren wolle - das ist eines der Hauptargumente Obamas in den letzten Tagen vor der Wahl, und es soll den wenig griffigen Slogan "Forward" ("Vorwärts") untermauern, den die Zuhörer auf ihren zuvor ausgeteilten Schildern schwenken.
Es ist Barack Obamas Standardrede, die am Wochenende die US-Bürger in den wichtigen "Swing States" immer wieder hören und in der er versichert, er sei weiter der Kandidat des Wandels und stehe für "change" - nur gehe eben alles etwas langsamer als erwartet. Aber es gehe, das belegten auch die Zahlen an der Job-Front, die in die richtige Richtung zeigten.
Nicht nur in Dubuque argumentiert der Präsident so, sondern auch in Milwaukee (Wisconsin), in Mentor (Ohio), in Bristow (Virginia) mit Bill Clinton an der Seite, in Concord (New Hampshire) und in Hollywood (Florida). Während Obama im "Air Force One"-Jet mit einem Parforceritt die Brücken zwischen seinen Stationen schlägt, telefoniert er mit den Gouverneuren von New York und New Jersey. Von dort hört er, dass der Unmut in der Bevölkerung über die schleppenden Hilfsaktionen nach Hurrikan Sandy zunimmt, Benzin ist weiter ein rares Gut. In vielen Vororten New Yorks gibt es weiter keinen Strom und auch keine Heizung. Zwar hat der Präsident angeordnet, Tankfahrzeuge in die betroffenen Gebiete zu schicken, doch die Verteilung wird durch logistische Probleme behindert. Schlagzeilen, die sich Obama in den letzten 72 Stunden vor dem Wahltag nicht leisten will. Erneut mahnt er, bürokratische Regeln nicht zum Hindernis werden zu lassen.
Der Endspurt führt nicht nur Obama, sondern auch Romney auf ein furioses Querfeldeinrennen durch die Regionen, die am Dienstag das Zünglein an der Waage sein werden. Romney und sein Vize-Bewerber Paul Ryan verkaufen sich als die wirklichen Protagonisten des Wandels, schaffen sieben Staaten in nur 24 Stunden und glauben angesichts der Tatsache, dass die Umfragen landesweit und in den entscheidenden Regionen ein Kopf-an-Kopf-Rennen sehen, weiter unerschütterlich an den Erfolg. "Nur noch drei Tage bis zum Sieg", verbreitet Romney-Berater Rich Beeson Optimismus in einer Massen-E-Mail an die Basis - und bittet gleichzeitig um eine weitere Spende. In Dayton (Ohio) macht Shawn Henning unterdessen im strömenden Regen seine Runde in einer Nachbarschaft - und bittet alle Anwohner, ihre Stimme für den Republikaner abzugeben. Er gehört zu den Fußtruppen Romneys, der am Dienstag nur dann gewinnen kann, wenn seine Unterstützer auch in diesem Zitter-Staat zahlreicher an den Wahlurnen erscheinen als die Obama-Basis.
Die Stimmung sei trotz des Kopf-an-Kopf-Rennens meist freundlich, sagt Henning, doch gelegentlich weisen ihm auch Demokraten brüsk die Tür mit den Worten: "Das Letzte, was ich sehen will, ist ein Romney-Helfer." Verärgert sind die Anhänger Obamas vor allem in Ohio, weil das Romney-Lager auch an diesem Wochenende einen höchst umstrittenen Fernsehspot laufen lässt. In diesem wird der Eindruck erweckt, die Chrysler-Marke Jeep wolle die Produktion eines erfolgreichen Geländewagens nach China verlegen. Das sei eine Lüge, so der Konzern in einem energischen Dementi. Die Produktion werde nicht verlagert, sondern der steigenden Nachfrage wegen auf China ausgeweitet, wodurch im Stammwerk in Toledo (Ohio) sogar über 1000 neue Arbeitsplätze entstünden. Doch das sind Fakten, die der Streifen von Romney nicht enthält - die Wahrheit bleibt im Schmutz-Wahlkampf von 2012 einmal mehr auf der Strecke.