Die Kehrseite der Globalisierung

TRIER. Zum 19. Mal lud das Trierer Brüderkrankenhaus unter Federführung von Volker Hochdörffer zur "Fachtagung Krankenhaushygiene" ein. Geprägt war die ganztägige Veranstaltung mit rund 150 Teilnehmern von Expertendiskussionen. Einige Themen sind allerdings von öffentlichem Interesse.

Eine Fachtagung zur Krankenhaushygiene ist keine Volksbildungsmaßnahme. Zur 19. Tagung im Trierer Brüderkrankenhaus trafen sich die Hygieneexperten aus der ganzen Republik, um die aktuellen Probleme und Entwicklungen zu erörtern. So drehten sich die Vorträge um Spezialfragen. Dabei zeichneten sich indes Probleme ab, die nicht nur die Hygieneexperten angehen. Volker Hochdörffer, Neurochirurg und Hygienebeauftragter bei den "Brüdern", brachte die Sache im Gespräch mit dem TV auf eine griffige Formel: "Gefährlich für die Kranken sind die Gesunden" - dann nämlich, wenn sie Erreger in sich tragen und niemand davon weiß. Zu den schwer greifbaren Problemen gehört die Gefährdung durch Erreger, die von Urlaubsreisen ohne Wissen ihrer Träger eingeschleppt werden - die Kehrseite der Globalisierung.. Neben Krankheiten wie SARS, Ebola oder Lassa-Fieber machte Egbert Tannich vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin den Befall durch Parasiten als größtes Problem aus - für Reisende und deren Kontaktpersonen zuhause. Amöben, die Darm und Leben schwer schädigen können, führen weltweit jährlich zu 50 Millionen Erkrankungen und 5000 Todesfällen. Besonders problematisch ist, dass 90 Prozent der Amöbenträger symptomfrei bleiben. Was bedeuten kann: Ein Urlaubsreisender kehrt erholt heim und infiziert seine immungeschwächte Großmutter mit Erregern, die er ohne Wissen in sich trägt. Das Bernhard-Nocht-Institut hat jetzt eine Meldestelle für Amöbiasis eingerichtet. Das ist allerdings nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Auf Nachfragen konnte der Referent zwar angeben, dass Rucksacktouristen in exotische Länder von allen Reisenden besonders gefährdet seien und auch die üblichen Empfehlungen aussprechen - kein ungeschältes Obst, keine Salate, nur abgekochtes Trinkwasser -, musste allerdings passen, als es um allgemeine Hinweise an Reiserückkehrer ging. Bei Beschwerden nach einer Urlaubsreise sei möglicherweise eine Untersuchung auf Parasiten angezeigt. Und Statistiken - wie soll es die geben, wenn 90 Prozent der Träger symptomfrei weiterleben? Auch die Gesundheitsgefahren bei Bewegungs- und Therapiebecken, meist in Klinken, entziehen sich der statistischen Erfassung. Ulrich Junghannß von der Hochschule Anhalt in Köthen beklagt den Mangel an Daten, benannte aber immerhin einige Risiken - vor allem zu wenig Platz für Technik, veraltete Wasseraufbereitung und mangelhafte Wartung und schlug zur Problemlösung ein Zusammenspiel von Technik, Chemie, Mikrobiologie und Hygiene vor. Dass Menschen, die sich gesund fühlen, Erreger einschleppen, die bei anderen zu Krankheiten führen, lässt sich offenbar minimieren, aber nicht vollständig vermeiden. Weitere Vorträge befassten sich mit Lebensmittelinfektionen, BioTerrorismus, Desinfektionsmaßnahmen und dem Haftungsrecht in der Krankenhaushygiene. Die Abschlussdiskussion drehte sich um Qualitätsmanagement bei der Aufbereitung von Medizinproduktion - eine hygienisch wichtige und finanziell problematische Angelegenheit. Einleitend hatte Harald Michels vom Trierer Gesundheitsamt die Vorbereitungen auf die drohende Vogelgruppen-Pandemie erläutert. Mitorganisator Matthias Neumann hat dazu ein aktuelles Beispiel parat: Gerade hat eine US-Firma versehentlich den Virusstamm der gefährlichen Spanischen Grippe an Labors in aller Welt geschickt.