Die Macht der Worte

MAINZ. (ren) Im neuen Kindergartenjahr gibt es erstmals eine flächendeckende zusätzliche Sprachförderung vor der Einschulung, sagte Bildungs- und Jugendministerin Doris Ahnen (SPD) in Mainz. Und: Bei der auf die zweite Septemberhälfte vorgezogenen Schul-Anmeldung müssen alle Nicht-Kindergartenkinder zum Sprachtest.

Die Zahl der Deutsch-Förderkurse wurde mit Hilfe des Programms "Zukunftschance Kinder" auf 1776 aufgestockt. Über die Nachfrage von Jugendämtern und Kindergarten-Trägern nach dem acht Millionen Euro schweren Fördertopf zeigte sich Ahnen erfreut: "Das ist gigantisch." Rund 11 200 Kinder können je nach Bedarf an einem 100-stündigen Basiskurs oder an einem Intensivkurs mit 200 Stunden teilnehmen. Als Leiterinnen fungieren speziell ausgebildete Erzieherinnen.Ausländeranteil bei 13 Prozent

Da nächstes Jahr 39 000 Erstklässler ihre Schullaufbahn beginnen, erhält vorher gut ein Viertel von ihnen Sprachförderung - der Ausländeranteil liegt im Schnitt bei 13 Prozent. In Regionen mit hohem Migranten-Anteil wurden besonders viele Intensiv-Kurse eingerichtet, aber das Gesamt-Kursangebot reicht meist darüber hinaus. Im Kreis Altenkirchen mit zwölf Prozent Ausländerkindern stehen Förderplätze für 38 Prozent der Zielgruppe bereit, im Kreis Birkenfeld beträgt das Verhältnis 14 zu 50 Prozent. Claudia Völcker, Kindertagesstätten-Beraterin in Speyer, bestätigte: "In der Praxis zeigt sich, dass Störungen bei deutschen Muttersprachlern zunehmen." Da in Rheinland-Pfalz etwa 95 Prozent der Vorschulkinder im Kindergarten sind, müssen etwa 2000 Kinder zum etwa halbstündigen "spielerischen" Sprachtest. Werden Defizite festgestellt, soll das Kind in den Kindergarten oder es muss in die dort laufende Sprachförderung. Verweigern die Eltern auch dies, können sie auf Basis des seit Januar geltenden Schulgesetzes von der Schule dazu angewiesen werden. Eine Kindergartenpflicht will Ahnen aber nicht einführen. Sie setzt auf den Dialog mit den Eltern. Die Landtags-Opposition rügt das Programm als ungenügend. FDP-Bildungsexpertin Nicole Morsblech hat "Zweifel, ob alle Kinder, die eine Förderung dringend benötigen, sie auch erhalten". Unklar sei, wie bei den Kindergartenkindern der Förderbedarf ermittelt wird. Josef Keller (CDU) hält eine generelle Einschulung mit fünf Jahren für besser. Bei Ahnen würden Erzieherinnen kostspielig auf eine Aufgabe vorbereitet, für die es in der Schule ausbildete Lehrkräfte gebe.

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