„Die meisten zu uns kommenden Flüchtlinge sind nicht kriminell“

„Die meisten zu uns kommenden Flüchtlinge sind nicht kriminell“

Erstmals hat das Trierer Polizeipräsidium bei der Kriminalstatistik ausführlich die Ausländerkriminalität aufgeschlüsselt – auch um zu zeigen, dass viele geschürte Vorurteile nicht zutreffend sind.

Auf den ersten Blick schürt die am Montag vorgelegte Kriminalstatistik für die Region das verbreitete Vorurteil, dass die Zunahme der Kriminalität auf den Zuzug von Flüchtlingen zurückzuführen ist. Immerhin gehen gut 9000 registrierte Fälle im Jahr 2015 auf das Konto eingereister Flüchtlinge. Allerdings, darauf legt Polizeipräsident Lothar Schömann großen Wert, handelt es sich dabei größtenteils um Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht.

Jeder macht sich strafbar

Jeder Flüchtling, der illegal, also ohne Visum einreist, macht sich zunächst einmal strafbar. Dass sich das bei über 46.000 nach Rheinland-Pfalz gekommenen Asylbewerbern in der Kriminalitätsstatistik derart niederschlägt, ist nicht verwunderlich: Rund 70 Prozent von ihnen wurden zunächst in Trier registriert.

Insgesamt hat die Polizei 2015 in der Region 12.393 nichtdeutsche Tatverdächtige ermittelt (2014: 9387). Gegen 8807 Menschen wurde wegen unerlaubten Aufenthalts ermittelt. Unter den ausländischen Tatverdächtigen wurden 995 Asylbewerber, 403 Touristen und 2188 "sonstige Ausländer" registriert. Während bei den Touristen die Mehrzahl der Tatverdächtigen (189) wegen Rauschgiftdelikten ermittelt wurden, waren es bei den Asylbewerbern überwiegend Ladendiebstähle (439 Fälle). Auch Körperverletzung (223 Fälle) spielt bei den Asylbewerbern eine große Rolle.

Schömann weist daraufhin, dass sich ein Großteil dieser Straftaten innerhalb der Aufnahmeeinrichtungen ereignet hat, als es dort im Sommer und Herbst 2015 teilweise zu Überbelegungen kam. Laut Schömann sind Tatverdächtige aus Albanien, Kosovo und Serbien überdurchschnittlich oft an Straftaten beteiligt, die von Zuwanderern begangen werden. Sexualdelikte durch Zuwanderer seien die Ausnahme, sagt der Polizeipräsident auch im Hinblick auf die Vorfälle an Silvester in Köln.

Die schlimmsten Straftaten durch Asylbewerber in der Region ereigneten sich im Februar vorigen Jahres, als ein 83-Jähriger in Trier von einem tschetschenischen Asylbewerber in seiner Wohnung überfallen wurde. Im August soll eine 32-jährige Syrerin von ihrem syrischen Ehemann in der Aufnahmeeinrichtung in Trier erschlagen worden sein, und im Oktober soll sich ein 65-jähriger Afghane an einem siebenjährigen afghanischen Mädchen in einer Trierer Aufnahmeeinrichtung vergangen haben.

"Die meisten der zu uns kommenden Flüchtlinge sind nicht kriminell", so der Polizeipräsident, der zugleich auf zunehmende rechte Gewalt in der Region hinweist. Die Zahl der Fälle stieg von 83 auf 117, davon 37 mit fremdenfeindlichem Hintergrund.

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