Die Obstbauern in der Region trotzen den Wetterkapriolen

Die Obstbauern in der Region trotzen den Wetterkapriolen

Die Spätfröste im April haben den Obstbauern in der Region stark zugesetzt. Bei Äpfeln wird ein Ernteausfall von durchschnittlich 50 Prozent erwartet. Landwirte müssen mehr in den Wetterschutz investieren.

Familie Grieshop aus Erden (Kreis Bernkastel-Wittlich) hat mit ihrem Obstbetrieb durch den Spätfrost großen Schaden erlitten. Sohn Stephan (rechts) zeigt einen Apfelbaum der Sorte Gala, an in diesem Jahr nur ein Drittel der sonst üblichen Ernte hängt. Foto: Sabine Schwadorf

Beim Blick in die Apfelplantage von Bernhard und Margret Grieshop bei Platten (Kreis Bernkastel-Wittlich) sieht man schnell, was der starke Frost Ende April angerichtet hat: Wo sonst um diese Jahreszeit haufenweise knackig rote Äpfel die Äste bis zum Boden biegen, hängt derzeit nur ein Drittel der sonst üblichen Erntemenge am Baum.

Franz-Josef Scheuer vom Dienstleistungszentrum ländlicher Raum (DLR), Gartenbauzentrum in Trier, zählt 30 Äpfel dort, wo sonst 110 Früchte normal sind. "Das Erntejahr 2017 ist ein ganz besonderes: Die Natur ist ungewöhnlich früh gestartet, dafür wurden die ausgetriebenen Obstbäume Ende April von starken Nachtfrösten eiskalt erwischt", bilanziert er. Die Folge: Die Blüten fielen haufenweise zu früh ab, bei Kirschen, Pfirsichen und Stachelbeeren gab es nahezu einen Totalausfall, und auch bei Apfelsorten wie etwa Jonagold hat Bauer Grieshop nur noch zehn Prozent Ertrag - und der eignet sich lediglich für Apfelsaft und -Chips.

Denn die trotz der Frostschäden wenigen gereiften Äpfel sind viel zu groß geworden. Eine Laune der Natur, aber Früchte mit einem solchen "Makel" oder sichtbaren Frostschäden wie der sogenannten Berostung am Kelchboden des Apfels oder der Stippe, einer braun gefleckten Kalzium-Einlagerung, sind im Lebensmittelhandel kaum mehr abzusetzen. "Auch wenn diese Schäden keinen Makel im Geschmack verursachen, sondern ihn sogar noch besser haben werden lassen, so scheuen sich Verbraucher doch, solches Obst zu kaufen", weiß Scheuer.

So ist der Apfelertrag in diesem Jahr um die Hälfte eingebrochen, und mit ihm auch die Einnahmen der Obstbauern. Bernhard Grieshop, der seinen Betrieb 2004 mit seiner Frau in Erden an der Mosel neu gegründet hat, kann solche Verluste zwar einige Zeit verkraften, "ein zweites oder drittes Jahr bei solchen Einbrüchen wird aber schnell existenziell bedrohlich", sagt Magret Grieshop.

Gut, dass die Obstbauern viel im Angebot haben: Von Erdbeeren über Himbeeren bis hin zu Äpfeln, Hokkaido, Zucchini und Chili-Paprika - so können Einbrüche bei einzelnen Pflanzenarten nicht so schnell den Betrieb mit sieben Festangestellten und saisonal bis zu 100 Erntehelfern gefährden. "Die Produktion unter freiem Himmel wird durch die Extremwetterlagen immer riskanter", weiß Scheuer vom DLR Trier.

Ein weiteres Problem: Obstbauern, die wie die Grieshops in der Verkaufskooperation ROLT-EWIV (siehe Info) mitarbeiten und Verträge mit Supermarktketten wie Cactus in Luxemburg oder Handelsriesen wie Edeka haben, müssen kontinuierlich liefern. "Es ist immer eine Zitterpartie, Aussagen über Ernteerträge zu machen", sagt Andreas Löbke, Geschäftsführer der deutsch-luxemburgischen Kooperation. "Für den Handel ist aber nichts schlimmer als fehlende Kontinuität." Umgekehrt haben die Landwirte eine patente Abnahmequelle. "Das sind verlässliche Partner, die uns feste Einnahmen garantieren", sagt Grieshop.

Folglich versuchen die Obstbauern, den Wetterkapriolen zu trotzen. So hat er für seine Apfelplantage 80000 Euro in ein Hagelschutznetz investiert, das gleichzeitig die Früchte vor Sonnenbrand schützen soll. Außerdem pflanzen die Landwirte immer "südlichere" Sorten an, um dem wärmer werdenden Klima zu begegnen, Wie sich nun die Preise fürs Obst in diesem Jahr für die Bauern und die Verbraucher entwickeln werden, darüber kann Andreas Löbke nur spekulieren: "Die Preise für die Verbraucher werden sicherlich nicht sinken. Und die Bauern haben in jedem Fall höhere Kosten wegzustecken, weil die Plantagen, Wiesen und Felder trotzdem beschnitten werden müssen, obwohl kaum etwas geerntet wurde."

Dennoch gelte es, den Verbrauchern die sehr gute Qualität des Obstes trotz geringerer Mengen schmackhaft zu machen. "Denn nirgends gibt es so gutes Obst wie direkt vom Bauern", sagt Franz-Josef Scheuer. Frisch vom Baum, ohne Kühlhaus und saftig, dafür stünden in der Region immerhin 60 Betriebe, die er berät. Und an mehreren Wochenenden im Oktober bieten einige von ihnen an den Apfelprobiertagen wieder knackiges Obst aus der Region an.