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Die Polizei winkt gezielt Rock-am-Ring-Fans heraus

Die Polizei winkt gezielt Rock-am-Ring-Fans heraus

Die Polizeidirektion Wittlich hat während des Landeskontrolltags gezielt nach Fahrern unter Einfluss von Drogen und Alkohol gesucht. TV-Reporter Alexander Schumitz hat die Polizisten bei ihrer Arbeit mehrere Stunden auf der Autobahnraststelle Eifel-West beobachtet.

Oberöfflingen. Vor der Raststätte Eifel-West schimpft ein Autofahrer: "Nicht mal die Koffer werden vernünftig gepackt. Sie haben einfach die Wäsche rausgeholt und irgendwie wieder reingestopft." Kurz vorher hatten ihn Polizisten der Autobahnpolizei Schweich aus dem Verkehr her-ausgewunken.
So wie diesem Fahrer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, geht es am Sonntagabend vielen Verkehrsteilnehmern. Sieben Stunden ist auf der Autobahn 1 in Höhe der Raststätte Eifel-West die Fahrspur in Richtung Trier gesperrt.
Suche nach Drogenfahrern


25 Polizisten der Polizeidirektion Wittlich und der Bundesautobahnpolizei Schweich sowie Mitarbeiter der Police de Luxembourg, der Army Security und des Zolls schauen in jedes Auto, das an ihnen vorbeifährt. Manche dürfen weiterfahren; andere müssen nach rechts abbiegen. Auf mehreren LKW-Parkplätzen sammeln sich die Autos: "Fahrzeugpapiere und Führerschein bitte! Wo kommen Sie her? Wo fahren Sie hin", sind die immer gleichbleibenden Bitten und Einstiegsfragen der Polizisten.
"Der Schwerpunkt unserer heutigen Kontrolle liegt auf Autofahrten unter Drogen- oder Alkoholeinfluss", sagt Johannes Kappes, stellvertretender Leiter der Polizeiautobahnstation Schweich. Gezielt würden junge Fahrer mit viel Gepäck im Kofferraum gesucht, die auf der Heimfahrt von Rock am Ring seien.
Plötzlich wird es laut. Vom anderen Ende der Kontrollstelle kommen laute Rufe: "Achtung! Vorsicht! Aufpassen!" Es kracht. Dann ist es kurz ruhig. Mehrere Polizisten stehen um einen Renault Clio herum.
Arzt nimmt Blutproben



Der Wagen ist von einem Abschleppanhänger rückwärts auf ein Fahrzeug geprallt, das kurz vorher noch vom Zoll überprüft worden war. Beim Versuch, den Clio zu verladen, war sein Abschlepphaken gebrochen. Routiniert nimmt die Polizei den Unfall auf.
Zwischenzeitlich zieht Dr. Harald Michels, Leiter des Gesundheitsamts Trier, eine Blutprobe. Ein Luxemburger wird verdächtigt, alkoholisiert mit dem Auto gefahren zu sein. "Der Atemtest hat eine Blutalkoholkonzentration (BAK) von 1,54 Promille ergeben", erklärt Kappes. Zunächst werde gegen den Fahrer Strafanzeige erstattet, außerdem müsse er der Polizei seinen Autoschlüssel aushändigen. "Von dem Rastplatz weg kommt der Fahrer nur, wenn ihn jemand abholt oder nach Luxemburg mitnimmt." Das Auto muss er stehen lassen.
Ein Belgier ist sichtlich frustriert. Er läuft vor der Raststelle rauf und runter. Die Polizei hatte ihn um eine Urinprobe gebeten. Ergebnis: Spuren von Cannabinoiden. Der Mann gibt zu, gelegentlich einen Joint zu rauchen.
"Für die Fahrt unter Drogeneinfluss gibt es eine Ordnungswidrigkeitenanzeige", sagt Kappes. Als der Belgier hört, dass er mindestens 48 Stunden nicht weiterfahren darf, schluckt er. Er ist den Tränen nah, als er dann auch noch erfährt, dass er 900 Euro als Sicherheitsleistung zahlen muss. Weil er das nicht kann, wird sein Auto beschlagnahmt.Extra

Polizeistatistik für 2011: 1156 Unfälle unter Alkoholeinfluss sind in Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr registriert worden. Dabei starben 18 Menschen, 300 wurden schwer und 838 leicht verletzt. Im Bereich des Polizeipräsidiums (PP) Trier wurden 383 Alkoholfahrten aufgezeichnet. Zwei Autofahrer starben. 279 (23 im Bereich des PP Trier) Unfälle unter Drogeneinfluss wurden 2011 registriert. Zwei Menschen kamen dabei ums Leben, 25 wurden schwer und 93 leicht verletzt. Beim Landeskontrolltag sind im Bereich des PP Trier 432 Fahrer überprüft worden, zwei von ihnen standen laut Polizei unter Alkoholeinfluss, und bei drei Autofahrern bestand der Verdacht, dass sie ihr Auto unter Drogeneinfluss steuerten. Die Beamten erstatteten acht Straf- und sieben Ordnungswidrigkeitenanzeigen. itz