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Die Rezeptsucherin (SWR-Serie): Susanne Nett sammelt regionale Rezepte

Porträt : Die „Rezeptsucherin“ will ran an die regionalen Rezepte - Wie das im Fernsehen funktioniert

Als Rezeptsucherin ist Susanne Nett in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg unterwegs. Mit einem Kamerateam des SWR sucht die Menschen, die mit ihr gemeinsam bei sich Zuhause Typisches für ihren Ort kochen. Dabei lernt die ehemalige deutsche Weinkönigin einiges über die Region und die Menschen.

Regionale Gerichte liegen voll im Trend. Viele Formate in Zeitungen, Radio oder Fernsehen haben sie zum Thema. Als „Die Rezeptsucherin“ geht Susanne Nett für ihre Koch-Sendung im SWR zu den Menschen in deren eigene Küche. Dort kochen sie gemeinsam, mal ganz einfache Gerichte wie eine speziell zubereitete Forelle oder Außergewöhnliches wie ein Lebergericht mit Bratkartoffeln oder sehr Spezielles, wie Schnecken oder Hirnsuppe. Sie sagt: „Das mit den Schnecken war schon sehr speziell. Wir mussten dazu vorgegarte Schnecken aus der Dose nutzen, da ist mir wirklich fast übel geworden.“ Weiter erklärt sie: „Ich probiere das dann, aber ich esse es nicht auf. Das wird mir dann auch verziehen.“

Doch einfach ist es nicht, Menschen zu finden, die Lust haben, spontan ein ganzes Kamerateam mit nach Hause zu nehmen. „Man muss ja auch sehen, dass ich nicht nur mit meinem Einkaufskorb über die Dorfstraße laufe, sondern hinter mir ein Team von sieben Leuten steht.“

 Dreharbeiten zur Sendung: Immer wieder versucht Susanne Nett Menschen davon zu überzeugen, gemeinsam mit ihr zu kochen. Das ist nicht immer ganz einfach...
Dreharbeiten zur Sendung: Immer wieder versucht Susanne Nett Menschen davon zu überzeugen, gemeinsam mit ihr zu kochen. Das ist nicht immer ganz einfach... Foto: TV/Oliver Götz

Die „Rezeptsucherin“ vom SWR ist inzwischen vielen Menschen bekannt

Und manchmal, etwa im Winter oder bei Regen sind auch einfach nur wenige Menschen unterwegs. „Inzwischen kennen viele Leute die Sendung und das macht es leichter“, berichtet sie aus ihrer Erfahrung. „Es ist für das Team und mich etwas Besonderes, wenn die Menschen uns als Fremde in ihre privaten Räume lassen, denn beim Kochen entsteht schon eine gewisse Intimität, man kommt in Schwätzen und Erzählen.“ Ganz wichtig dabei: Niemand soll vorgeführt werden. „Wenn jemand etwas sagt, was er dann doch lieber nicht im Fernsehen ausgestrahlt haben möchte, schneiden wir es raus.“

Besondere Begegnungen hatte sie viele in den langen Jahren, aber eine ist ihr besonders in Erinnerung geblieben. Sie war bei einer 89-jährigen Dame, um dort ein Gericht zu kochen. Als sie ihr beim Kartoffelschälen und Tischdecken zur Hand gehen wollte, meinte die Frau: „Das brauchen sie nicht. Ich habe früher Panzer gefahren und heute koche ich noch für 16 Personen hier auf dem Spargelhof. Da krieg‘ ich das mit dem Kartoffelschälen gerade noch so hin.“

Viele Rezepte, die sie mit den Menschen kocht, sind von Generation zu Generation weitergegeben worden. Die Redaktion wählt den Ort und die Gerichte aus. Die Rezeptsucherin erfährt erst in dem Dorf, was sie kochen soll. „Von Innereien bin ich nicht so der Fan, aber die Menschen haben früher alles verwertet, also auch die Innereien. Ab und zu würde ich gerne mehr Fisch oder mal leichtere Gerichte vorstellen.“

 Bevor es los geht, muss die Moderatorin natürlich in die Maske.
Bevor es los geht, muss die Moderatorin natürlich in die Maske. Foto: TV/Oliver Götz

Wie erklärt Susanne Nett den Erfolg der Sendung?

Die Sendung ist aus ihrer Sicht so erfolgreich, weil sie dem Zeitgeist „zurück zu den Wurzeln“ entspricht und Altbewährtes auf den Tisch bringt. „Die Rezeptsucherin ist zeitlos und das Format nicht schnelllebig.“

Manche Speisen heißen von Ort zu Ort unterschiedlich , haben aber gleiche Grundzüge. Ein Beispiel dafür ist „Scholes“, das als Basis geriebene Kartoffeln hat und so an der Mosel heißt, wird in anderen Gegenden „Backeskrombeere“ genannt. Je nach Geschmack sind sie mit Fleisch oder ohne.

„Es gibt eine regionale Küche, ein Ort in dem tatsächlich die Wiege eines bestimmten Essens liegt, etwa die „Fleeschknöpf“ aus Landau-Nußdorf. Das sind Knödel aus Kalbfleisch mit Meerrettich und Bratkartoffeln.“

Susanne Nett wurde zur deutschen Weinkönigin gewählt

Susanne Nett ist nicht nur im Bereich Essen in der Region unterwegs. Sie war auch die 50. deutsche Weinkönigin im Jahr 1998. „Ich bin in einem Weingut groß geworden und unsere Weinkunden haben schon immer gesagt, ,die Susanne könnte auch Weinkönigin werden‘. Vielleicht hat mich das motiviert mich zu bewerben.“ Gegen zwölf Kandidatinnen setzte sie sich in der Rotkäppchen Sektkellerei in Freyburg in einer Live-Übertragung durch. Dabei waren neben dem Fachwissen, „bei dem es ans Eingemachte ging“, auch Spontanität und Kreativität gefragt.

   Mit einem leeren Einkaufskorb geht es los, wenn Susanne Nett auf die Suche nach einem Rezept und einem Koch geht.
Mit einem leeren Einkaufskorb geht es los, wenn Susanne Nett auf die Suche nach einem Rezept und einem Koch geht. Foto: TV/Oliver Götz

Sie hat beispielsweise ein fiktives Telefonat mit Kaiser Karl geführt, auf den die Straußwirtschaften zurückgehen. „Bei der Hauptprobe meinte der Regisseur zwar, dass es schwarz für mich stehen würde, wenn es beim Auftritt gleich nicht besser laufe. Aber anscheinend hat es ja dann doch funktioniert.“

Durch das Amt hat sie gelernt frei zu sprechen es hat sie persönlich wachsen lassen und es gab Jobangebote. Sie hat etwa für Südafrika Weinwerbung gemacht, beim Verband Deutscher Prädikatsweingüter gearbeitet, beim Ministerium für Weinbau Events mitgeplant und schließlich ein Landhaus mit ihrem damaligen Ehemann geführt.

Inzwischen lebt die gebürtige Mainzerin mit ihren beiden Kindern in der Pfalz, arbeitet halbtags in einem Weingut, ist als „Rezeptsucherin“ unterwegs und hat im April dieses Jahres ihr zweites Kochbuch herausgebracht. „Die Rezeptsammlungen sind mit Geschichten und Anekdoten rund um die Küche, Kochen und Heimat, sowie mit Rezepten aus ihrem Familien- und Freundeskreis angereichert“, heißt es auf ihrer Internetseite. Die Fotos zu den Büchern hat Oliver Götz aus Föhren gemacht. Das dritte Buch, plant sie gemeinsam mit ihrer Tochter. Daneben vermarktet sie eigene Marmeladen und eigenen Kaffee aus einer Rösterei in Landau. Und als wäre das alles nicht genug: Mit ihrem besten Freund ist sie gerade dabei eine Gin-Firma zu gründen.

Bei all ihren Aktivitäten ist sie viel in der Eifel, Mosel, Hunsrück- Region unterwegs und schätzt die Gegend sehr. „Ich habe eine intensive Verbindung zu ganz Rheinland-Pfalz und bin viel herumgekommen. Es ist reich an Facetten und hat für den Tourismus viel zu bieten. In Corona- Zeiten war es ja total „hip“ hier Urlaub zu machen.“ Sie schwärmt: „Die Vielseitigkeit der Landschaften, ob das die Hanglagen an der Mosel sind oder die großen Waldgebiete im Hunsrück, schätze ich sehr. Und die Dialekte und die verschiedenen Arten des Humors.“

Für die Zukunft wünscht sie sich, dass die „Rezeptsucherin“ noch lange auf Sendung sein wird und sie mehr Zeit für die Familie hat. „Alles andere ergibt sich von selbst“, ergänzt sie entspannt.

„Die Rezeptsucherin“ ist donnerstags um 18.15 Uhr im SWR zu sehen. Wiederholt werden die Beiträge freitagsvormittags. Einige Folgen sind in die Nachmittagssendung „Kaffee oder Tee“ eingebettet.