Die SPD feiert auch in Trier ihren Aschermittwoch

Politischer Aschermittwoch : Politik für Herz und Bauch

Bei der regionalen SPD spielt der politische Gegner am Aschermittwoch keine Rolle, dafür aber soziale Themen.

Die Frau hat Entertainerinnen-Qualitäten: Als Franziska Giffey bei ihrer Trier-Premiere nach gut einer halben Stunde mit der Rede durch ist, stehen viele Zuhörer begeistert auf und applaudieren. Das ist insofern nicht verwunderlich, als geschätzt 80 Prozent der 200 Anwesenden – wie die Bundesfamilienministerin – SPDler sind. Das hat Giffey zwischendrin erfragt, und ungefähr so viele Hände gehen im voll besetzten Auditorium in die Höhe.

Franziska Giffey berlinert bisweilen und redet so schnell wie einst der Berliner Kabarettist Wolfgang Gruner. Und sie redet vor allem, dass man manchmal gar nicht glauben mag, dass da vorne wirklich eine Ministerin steht, die eben noch mit Kanzlerin Merkel und Vize Olaf Scholz am Kabinettstisch gesessen hat. „Ich habe immer meine Leute in der Sonnenallee vor Augen“, sagt die ehemalige Bezirksbürgermeisterin von Neukölln. Da ahnt man, warum der 40-jährige Kabinettsneuling schon mal als neue Hoffnungsträgerin der zuletzt doch arg gebeutelten Sozialdemokraten bezeichnet wird.

Giffey lobt beim Politischen Aschermittwoch der Trierer Sozialdemokraten erst mal Vorrednerin Malu Dreyer, über die sich die Anwesenden doch „so freuen“ könnten. „Wir sind uns sehr nahe in unserer Überzeugung“, schwärmt die Ostdeutsche über die Mainzer Ministerpräsidentin“, wer die Menschen erreichen wolle, müsse auch Herz und Bauch ansprechen.

Wie das geht, haben die Genossen wiederentdeckt: mit sozialen Themen. „Kinderarmut, Altersarmut und Wohnungsnot“ hat Franziska Giffey als die drei großen Themenfelder ausgemacht. Weil sie den Bildungserfolg abkoppeln wollte von der sozialen Herkunft sei sie einst in die Politik gegangen, sagt Giffey, die erst vor zwölf Jahren als Berliner Kommunalbeamtin in die SPD eingetreten ist und dort relativ schnell Karriere machte. Vor drei Jahren beerbte sie den über die Grenzen Berlins beliebten Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky – ihr politisches Vorbild, wie Giffey sagt.

Dass sie das seit inzwischen einem Jahr nicht mehr ist, hat in Neukölln noch nicht jeder gemerkt. „Grüß unsere Bürgermeisterin“, richtete unlängst ihr Schneider einem Mitarbeiter Giffeys aus. „Der hatte noch gar nicht gemerkt, dass ich jetzt Ministerin bin“, sagt Giffey und zeigt dafür Verständnis. Der Mann habe einen anstrengenden Job und eine Familie mit fünf Kindern. „Der muss zunächst einmal schauen, dass er rum kommt.“

Die Familienministerin schaut sich nach eigenen Angaben auch lieber vor Ort um. Das sei besser als jeder Aktenvermerk, sagt sie, und das Audotorium applaudiert. Auch bei Malu Dreyer, als die Mainzer Regierungschefin von der Respekt-Rente spricht, von bezahlbarem Wohnraum und gebührenfreien Kindergärten, die im bundesweiten Vergleich keineswegs eine Selbstverständlichkeit seien. Und dann seien da noch die Paketzusteller, die oft zu Hungerlöhnen arbeiten würden. „Das können wir als Sozialdemokraten nicht akzeptieren“ sagt Dreyer, und wieder applaudiert das Auditorium.

Der politische Gegner spielt an diesem Nachmittag allenfalls eine Nebenrolle. Die CDU habe sich mit ihrem Politischen Aschermittwoch „irgendwo im Keller versteckt“, lästert der Trierer SPD-Vorsitzende und Landtagsabgeordnete Sven Teuber.

Als es bei Franziska Giffey zwischendrin im Saal mal ganz still wird, weil sie ein ernstes Thema angeschnitten hat, fragt die Ministerin irritiert: „Hab ick wat Falsches jesacht?“ Und schon kichern die Genossinnen und Genossen wieder drauf los. Keine Frage: Die Frau hat wirklich Entertainerqualitäten.

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