Die Stiftung ihres Ehemanns Bill wird für Hillary Clinton zur Last

Die Stiftung ihres Ehemanns Bill wird für Hillary Clinton zur Last

Hillary Clinton traf sich als Außenministerin mehrfach mit reichen Spendern, wobei die Stiftung ihres Mannes hier und da ein wenig nachhalf. Den Verdacht der Einflussnahme weist die Präsidentschaftskandidatin Clinton gleichwohl entrüstet zurück.

Washington. Auf offiziellen Kanälen hatte Salman bin Hamad Al Khalifa es schon versucht. Doch die vielbeschäftigte Außenministerin Hillary Clinton schien einfach keine Zeit für ihn zu haben. Dann, im Juni 2009, erhielt ihre Assistentin eine E-Mail von der Clinton Foundation, der privaten Stiftung Bill Clintons, des Ex-Präsidenten. Der Kronprinz sei ein "guter Freund von uns", stand darin. Zwei Tage später folgte die Antwort aus dem Ministerium: "10 Uhr morgen für ein Meeting".
Auf einmal ließ sich im Terminkalender doch eine Lücke für den Prinzen Salman finden. Seine Freundschaft hatte der Thronfolger des Inselstaats im Persischen Golf unter Beweis gestellt, indem er der Stiftung 32 Millionen Dollar spendete, damit sie Stipendien finanzieren konnte. Oder Joyce Aboussie, eine Unternehmensberaterin aus St. Louis, ebenfalls eine Gönnerin des Clinton-Hilfswerks. In dringlichem Ton bat sie das Büro der Chefdiplomatin, ein Gespräch mit Managern des Kohlekonzerns Peabody Energy zu arrangieren, zu dessen Lobbyisten wiederum Dick Gephardt gehörte, ein früherer Kongressabgeordneter. "Huma, ich brauche Ihre Hilfe", schrieb Aboussie an Huma Abedin, damals wie heute die rechte Hand Hillarys. "Wir brauchen dieses Treffen mit Ministerin Clinton, die ja nun schon fast sechs Monate im Amt ist." Es verstehe sich von selbst, dass sich die Peabody-Leute an sie und Gephardt gewandt hätten, weil man um beider Kontaktnetzwerk wisse.
Es sind Beziehungsgeflechte wie diese, die derzeit durch die Veröffentlichung Hunderter interner E-Mails aus Clintons Mitarbeiterstab bekannt werden. Einiges hatte die rechte Plattform Judicial Watch am Montag ins Netz gestellt, an den Tagen danach ist noch mehr aus dem Fundus publik geworden. Die Korrespondenz zeigt zumindest eines: Für Privatpersonen war es offenbar leichter, einen Termin in der Spitzenetage des State Department zu ergattern, wenn sie auf der Spenderliste der Clinton Foundation standen. Über die Hälfte der Gesprächspartner, die Hillary Clinton im State Department empfing und die weder Politiker noch Diplomaten waren, hatten der Stiftung zuvor Geld aufs Konto überwiesen.
Das Getöse des Donald Trump


Donald Trump lässt es in gewohntem Polterstil vom "korruptesten Unternehmen in der Geschichte der Politik" sprechen. Was schlicht unter die Rubrik Wahlkampf-Schlammschlacht fällt: Bislang nämlich lässt nichts darauf schließen, dass sich die Ministerin in ihren Entscheidungen durch die Mäzene beeinflussen ließ, auch nicht im Kleinen. Da ist der Fall eines - namentlich nicht genannten - Profis des englischen Fußballclubs Wolverhampton Wanderers. Er wollte zu einer Mannschaftsfeier nach Las Vegas fliegen, bekam aber wegen einer vorangegangenen Strafanzeige kein Visum, Als sich ein kalifornischer Sportvermarkter einschaltete, um das Problem aus der Welt zu schaffen, führte es - zu nichts. Die Einreise blieb dem Fußballer dennoch verwehrt. Clinton selber nennt andere Beispiele, um das Getöse Trumps als absurdes Theater zurückzuweisen. Drei Monate nach Amtsantritt etwa empfing sie Muhammad Yunus, den Gründer der Grameen Bank, die armen Familien in Bangladesch mit Kleinstkrediten half, sich eine bescheidene Existenz aufzubauen. Auch Yunus zählte zu den Geldgebern der Clinton-Initiative. Nur, betont Hillary, hätte sie einen Mann seines Kalibers natürlich völlig unabhängig davon willkommen geheißen.
Tatsächlich hat die Clinton Foundation, von Bill nach seinem Ausscheiden aus dem Oval Office gegründet, rund um den Globus viel Gutes getan. In Asien und Afrika bezahlt sie den Kauf von Medikamenten für Aids- und Malariakranke, sie hat für 46 Millionen Kinder die Bildungsmöglichkeiten verbessert und allein in Haiti fünf Millionen Bäume pflanzen lassen. Die Clinton Global Initiative, eine ihrer Sparten, versucht nach eigenem Anspruch Entscheidungsträger aus aller Welt zum pragmatischen Dialog zusammenzuführen. Dennoch, für die Kandidatin Clinton wird die Stiftung immer mehr zu einer Last, die ihr wie ein Mühlstein um den Hals hängt. Was, wenn sie erst im Oval Office regiert und der eine oder andere Multimillionär umso tiefer in die Spendenkasse greift? Allein in der Hoffnung auf einen Gefallen? Der Verdacht des Interessenkonflikts, meinen selbst wohlwollende Kommentatoren, würde wie ein Schatten über ihrer Präsidentschaft liegen. Der einzige Ausweg liege darin, die Stiftung zu schließen.

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