Die Stunde der Generäle

In der Landespolitik steht ein heißer Herbst bevor. Der Wahlkampf hat bereits vor der Sommerpause tiefe Spuren hinterlassen. Die Nervosität wächst offenbar von Tag zu Tag. Wenn in der kommenden Woche erstmals wieder der Landtag debattiert, wird sich der Ton vermutlich nochmals verschärfen.



Einen Vorgeschmack darauf liefern bereits seit längerem die Generalsekretäre der beiden großen Parteien, Heike Raab (SPD) und Josef Rosenbauer (CDU). Diese Woche beharkten sie sich in Sachen Google. Die SPD habe Anzeigen bei dem Internetkonzern geschaltet; sie erschienen immer dann, wenn man nach CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner suche. Zuvor habe Ministerpräsident Kurt Beck Google kritisiert, stichelte Rosenbauer. Um dann zu triumphieren, nach der CDU-Intervention seien die Anzeigen verschwunden. Der Regierungschef apportiere jedes Stöckchen, das ihm die Union hinwerfe, brav zurück.

Diese Polemik blieb natürlich nicht unbeantwortet. "Guten Morgen, Herr Rosenbauer!", giftete SPD-Generalsekretärin Heike Raab zurück. Es sei zu fragen, wie viele Praktikanten in der CDU-Zentrale wohl im Internet geklickt hätten, um im August herauszufinden, dass die SPD im März eine Anzeige geschaltet habe. In Sachen Google-Dienste leiste die SPD der CDU gerne Hilfestellung. Das sei ein amerikanischer Großkonzern, der viele Dienste anbiete. Einen davon kritisch zu hinterfragen, bedeute noch lange nicht, alle Dienste zu meiden.

Die Stunde der Generäle wird mit Sicherheit bis zur Wahl im März 2011 noch öfter schlagen. Vielleicht fragt das wortgewaltige Duo ja demnächst einmal seine Adjutanten nach politischen Inhalten, anstatt weiter so "tiefschürfende" Erkenntnisse zu verbreiten. Oder Raab und Rosenbauer schauen sich um bei FDP, Grünen und Linken. Die politische Konkurrenz verzichtet auf Geplänkel dieser Art, konzentriert sich auf Sachfragen und findet dennoch Gehör. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass diese Parteien gar keine Generäle haben.