Die Trierer Pfitzner-Debatte geht weiter

Kultur : Die Trierer Pfitzner-Debatte geht weiter

Der Antisemitismusbeauftragte des Landes begrüßt, dass Stadt und Land sich weigern, Fördergeld für ein Konzert des Richard Wagner Verbands zu zahlen. Die NPD nutzt die Debatte für ihre Zwecke.

Dass der Richard Wagner Verband Trier-Luxemburg im September eine Kantate des umstrittenen Komponisten Hans Pfitzner aufführen will, hat in Trier zu einer politischen Debatte geführt. Da Pfitzner glühender Antisemit war, wollen weder die Stadt Trier noch das rheinland-pfälzische Kulturministerium oder die anderen üblichen Sponsoren Geld für das Konzert geben.

Eine Entscheidung, die Dieter Burgard, der rheinland-pfälzische Beauftragte für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen, begrüßt. „Dankbar bin ich denen, die das Konzert nicht fördern wollen und dies auch klar an der rechtsextremen Haltung von Pfitzner festmachen.“ Der Richard Wagner Verband müsse spätestens jetzt zur Erkenntnis kommen, dass man das Musikstück nicht vom Komponisten getrennt sehen könne.

Pfitzners Äußerungen nach der Katastrophe 1945 seien erschreckend. Wenn er den Holocaust mit den Bombenopfern in Deutschland vergleiche, so weise ihn das klar als Vertreter des sekundären Antisemitismus aus. Ein Antisemitismus, der nach dem Kriegsende aufkam und der nicht die Lehren aus dem millionenfachen Mord an Bürgern jüdischen Glaubens gezogen habe.

Er wünsche sich, „dass der Richard Wagner Verband sich nicht zu Gehilfen derer macht, die unsensibel, geschichtsverfälschend und menschenverachtend heute noch Menschen in Arier und Untermenschen aufteilen“.

Die Hans Pfitzner-Gesellschaft weist darauf hin, dass Pfitzners Haltung zu Juden und Judentum komplex sei. So habe sich Pfitzner trotz seiner antisemitischen Äußerungen energisch für seine vielen jüdischen Freunde eingesetzt.

Auch der Trierer NPD-Mann Safet Babic mischt sich in die Debatte ein. Er kritisiert in einer Mail an Theaterintendant Manfred Langner, der eine Kooperation mit den Konzertveranstaltern entschieden abgelehnt hatte, die „Angriffe auf den deutschen Tonkünstler Hans Pfitzner und damit auf den deutschen Gedanken insgesamt“. Er wolle Räumlichkeiten des Trierer Theaters am 20. April 2019 – also an Hitlers 130. Geburtstag – „für einen kommunalen kulturpolitischen Kongress (kkK)“ nutzen. Doch auch ihm erteilt Langner eine Absage. Die Räume seien belegt.

Jochen Schaaf, Vorstand des Richard Wagner Verbands, distanziert sich nachdrücklich von der NPD. Von Anfang an hatte er bekundet, die 1921 komponierte Kantate aus rein musikalischen Gründen aufführen zu wollen. Das Werk an sich habe überhaupt nichts Antisemitisches. Sein Verband habe dem Land und der Stadt auch vorgeschlagen, das Konzert mit einer Podiumsdiskussion zum Thema Heimat und Migration zu verbinden, „mit dem Ziel, zu zeigen, dass man Migration heute als etwas Positives empfindet. Leider wurde das nicht aufgegriffen“, sagt Schaaf. Für die beteiligten Sänger sei die Debatte zur Belastung geworden, sagt Schaaf, der auch den Trierer Konzertchor leitet.

Die Kantate von Hans Pfitzner „Von deutscher Seele“ mit Texten von Joseph Eichendorff soll am 29. September um 17 Uhr in St. Maximin zu hören sein. Die Veranstalter hoffen, die rund 15 000 fehlenden Euro Sponsorengeld über private Spenden einzunehmen. Solisten sind Susanne Bernhard, Sopran, Marion Eckstein, Alt, Andreas Post, Tenor, Franz-Josef Selig, Bass. Es musizieren: Trierer Konzertchor, Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, Ludwigshafen, Orgel: Wolfgang Koloseus, Leitung: Jochen Schaaf.

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