Die Uni wird zum Mietobjekt

Die Uni wird zum Mietobjekt

MAINZ/TRIER. "Tausche wenig genutzte Büroräume gegen zusätzliche Assistentenstelle", so könnte bald das Motto an rheinland-pfälzischen Unis lauten, wenn die Hochschulen künftig für ihre genutzten Flächen Mieten zahlen müssen. Wird dabei gespart, gibt es finanzielle Freiräume, etwa für mehr Personal.

Flächenmanagement heißt das Zauberwort, mit dem die Hochschulen ab kommendem Jahr vom Land in die Verantwortung für Kosten und eine wirtschaftliche Nutzung ihrer Gebäude genommen werden. Sie müssen ihre Räumlichkeiten mieten. Die Immobilien gehen zum 1. Januar auf den Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) über, wie Finanzminister Ingolf Deubel dem TV zur angestrebten Weichenstellung hin zu einem flexibleren Einsatz mit den Geldern des Landes erläutert. Zweck der Übung, die vor Jahren bereits für alle anderen Landesimmobilien angeordnet wurde: Durch die fällige Zahlung von Miete an den LBB sollen auch die Hochschulen zu einem wirtschaftlichen Einsatz ihrer Gebäudeflächen gebracht werden. So können ungenutzte Potenziale entdeckt und Räume besser ausgelastet werden. Eine erhoffte Folge: Auch die erwarteten steigenden Studentenzahlen sind so eventuell besser zu verkraftet, ohne in Zeiten knapper Kassen ein immenses Bauprogramm ankurbeln zu müssen. Die Mieten für die derzeit genutzen Räume erhalten die Hochschulen ab 2007 vom Land, um sie an den LBB weiterzureichen - der wiederum Geld an das Land zahlen muss, weil er schließlich Hochschulgebäude im Wert von grob geschätzt einer Milliarde Euro übernimmt. Zwar räumt Deubel ein, dass das Geld erst einmal von der linken Tasche des Landes durch zwei Hände in die rechte wandert. Sinn macht die Aktion neben der Erschließung wenig ausgelasteter Raumkapazitäten nach seinen Worten aber auch für die Hochschulen. Lehrstühle können bei der Anmeldung ihres Bedarfs beim Uni-Kanzler, der als Verwaltungschef als zentraler Mieter auftritt, profitieren, wenn sie weniger Seminar- oder Büroräume brauchen, als sie bislang ohne direkte Finanzverantwortung belegt haben. Die eingesparte Miete kann etwa für zusätzliches Personal eingesetzt werden. Klaus Hembach, stellvertretender Kanzler der Uni Trier, sieht die Umstellung dennoch kritisch. Eigentlich wollten die Hochschulen ihre Gebäude in eigener Verantwortung übernehmen. Doch bei der grundlegenden Neuausrichtung wollte sich das Land nicht das Heft aus der Hand nehmen lassen. Dass mit den Gebäudeflächen (Uni Trier: 100 000 Quadratmeter) wirtschaftlich umgegangen werden muss, steht für Hembach außer Zweifel. Doch Schwierigkeiten erwartet er in der realitätsnahen Bewertung der Hochschulimmobilien mit ihren vielen Spezialbauten. Deshalb könnte es schnell zu unterschiedlichen Auffassungen bei der erstmaligen Erstellung eines Mietbudgets kommen, das die Hochschulen vom Land erhalten, um daraus den LBB zu bedienen. Viele Details seien noch unklar, so der Verwaltungs-Fachmann. Auch das Wissenschaftsministerium hält sich noch mit konkreten Angaben zurück und wird bei der Frage nach möglicherweise unwirtschaftlicher Nutzung von Campus-Räumlichkeiten wortkarg. Den Hochschulen werde Verantwortung übertragen und noch mehr Autonomie gegeben, sagt Ministeriumssprecher Michael Au. Anfang August sind konkrete Gespräche der Hochschul-Kanzler mit dem Wissenschaftministerrium geplant.

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