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Diebe stehlen teure Medizingeräte: Kliniken in der Region erhöhen Sicherheit

Diebe stehlen teure Medizingeräte: Kliniken in der Region erhöhen Sicherheit

Seit Monaten werden Krankenhäuser in Europa ausgeräumt, auch in der Region, zum Beispiel in Hermeskeil, Bitburg oder Luxemburg. Die Spuren führen nach Südamerika. Jetzt erhöhen die Kliniken die Sicherheitsvorkehrungen.

Ende September schlugen die Diebe das bislang letzte Mal in der Region zu: Aus dem Hermeskeiler Krankenhaus haben die unbekannten Täter 17 endoskopische Geräte gestohlen, Schaden: rund 350.000 Euro. Anfang August wurden bereits zwölf Endoskopiegeräte im Wert von 300.000 Euro aus dem Bitburger Krankenhaus entwendet.

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Im April war die Luxemburger Großklinik Centre Hospitalier auf dem Kirchberg betroffen. Problemlos erbeuteten die Diebe dabei 20 der medizinischen Geräte, mit denen etwa Magen-, Darm- oder Kniespiegelungen gemacht werden können. Schaden in Luxemburg: rund 650.000 Euro.

Mittlerweilen haben die Täter in elf europäischen Ländern zugeschlagen. Allein deutschen Kliniken ist nach Angaben des auf Versicherungen für Kliniken spezialisierten Unternehmens Ecclesia bei bislang fast 70 solcher Diebstähle ein Schaden von mindestens 16 Millionen Euro entstanden. Das Landeskriminalamt (LKA) hat für Rheinland-Pfalz sechs Fälle registriert, bei denen ein Gesamtschaden von rund drei Millionen Euro entstanden ist.

Genau wie der Krankenhaus-Versicherer vermuten die Ermittler hinter den Tätern eine organisierte Bande aus Südamerika. Die Auswertung aller bislang bekannten Diebstähle der kleinen, aber teuren Geräte - je nach Ausführung kostet ein Endoskop zwischen 30.000 und 60.000 Euro - hätten Hinweise auf südamerikanische Tätergruppen und die Verteilung des Diebesgutes in diesen Ländern ergeben, sagt LKA-Sprecherin Dagmar Meyer. Bei Ecclesia geht man davon aus, dass es sich um Auftragsdiebstähle handelt. "Die Auftraggeber sind gut informiert, da die Bandenmitglieder, getarnt als Touristen, in bestimmte europäische Länder reisen und gezielt Krankenhäuser ausspionieren", sagt ein Sprecher der Versicherungsgesellschaft.

Und die Kliniken machen es den Tätern einfach. Denn in Krankenhäuser kann in der Regel jedermann unbehelligt Tag und Nacht gehen. Und da die medizinischen Geräte, also auch die Endoskope, rund um die Uhr zur Verfügung stehen müssen, befinden sie sich meistens auch nicht in besonders gesicherten Räumen. Da die Geräte so klein sind - zumeist klauen die Täter nur den Kopf mit der Minikamera mit der Beleuchtungseinrichtung - können sie unbemerkt in Rucksäcken aus dem Krankenhaus transportiert werden.

Bei den Sicherheitsmaßnahmen sind den Kliniken allerdings die Hände gebunden. Eine Videoüberwachung ist aus Patienten- und Mitarbeiterschutz nur in absoluten Ausnahmefällen erlaubt.

Trotzdem haben, wie eine stichprobenartige Umfrage unserer Zeitung ergeben hat, die Kliniken in der Region auf die Diebstähle reagiert. Im Saarburger Krankenhaus, das bislang nicht betroffen war, wurden nach Auskunft eines Sprechers unter anderem Bewegungsmelder installiert. Und es seien "weitere Maßnahmen, die mögliche Diebstähle verhindern sollen", umgesetzt worden. "In jedem Fall sind wir vorbereitet", sagt der Krankenhaus-Sprecher.
Auch im Trierer Mutterhaus, wo es bislang ebenfalls noch keinen Diebstahl von medizinischen Geräten gegeben hat, wurden die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Die Rede ist von speziellen Schränken, gesicherten Räumen, Kontrollgängen und elektronischen Überwachungssystemen.

InfoDafür werden Endoskope verwendet

Ein Endoskop ist ein medizinisches Instrument, an dessen Kopf ein Minikamera und eine starke Beleuchtung installiert ist. Mithilfe eines biegsamen Schlauches oder eines dünnes Metallrohr wird es in den Körper eingeführt. Durch die Endoskopie (Spiegelung) können Ärzte ohne größeren chirurgischen Eingriff Körperhöhlen oder Organe untersuchen und gegebenenfalls auch gleich behandeln. Häufig werden Operationen auf diese Weise durchgeführt. Eingesetzt werden die Geräte etwa bei Magen-, Darm-, Knie- oder Bauchspiegelungen.