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Digital rückständig: Die Region hinkt in Sachen schnellem Internet noch immer hinterher

Digital rückständig: Die Region hinkt in Sachen schnellem Internet noch immer hinterher

Über 800 Orte in Rheinland-Pfalz sind vom technologischen Fortschritt abgeklemmt. Der Bund stellt für den Ausbau schneller Internetverbindungen im Land 14 Millionen Euro zur Verfügung.

Brockscheid in der Vulkaneifel. 200 Einwohner, es gibt einen Fußballverein und die örtliche Feuerwehr, einen Malermeister, einen Metallbauer. Und zwei Glockengießereien. Dafür ist das Dörfchen weit über die Eifel hinaus bekannt. "Brockscheid", so heißt es auf der Internetseite des Ortes , "hat sich zu einer attraktiven Wohngemeinde entwickelt." Landschaftlich, touristisch mag das durchaus zutreffen.

Doch technologisch ist Brockscheid, wie viele Eifelorte, unterentwickelt. Schnelles Internet, um etwa ruckelfrei Filme im Netz zu schauen, gibt es dort nicht. 2500 Haushalte und 16 Gewerbegebiete warten allein in der Vulkaneifel darauf, schnelles Internet zu bekommen. Auf rund acht Millionen Euro schätzt der Vulkaneifel-Kreis die Kosten für den Ausbau.

Brockscheid ist kein Einzelfall. In weiten Teilen der Eifel, des Saargaus, im Hochwald und entlang der Mosel gibt es laut dem Breitband-Atlas des Bundeswirtschaftsministeriums kein schnelles Internet. Zumindest keine Internetverbindungen, die heutzutage notwendig sind, um an der digitalisierten Welt problemlos teilhaben zu können. Um in sekundenschnelle Daten von einem Ende der Welt in die andere zu schicken.

Gerade erst hat die Sparkasse Mittelmosel-Eifel Mosel Hunsrück 13 Filialen geschlosse n, auch die Volksbank Eifel zieht sich aus einigen Orten zurück . Immer mehr Kunden erledigten ihre Bankgeschäfte übers Internet, lautet die Begründung der Geldinstitute. Doch längst nicht alle Bankkunden können aufs Online-Banking umsteigen, weil ihnen mangels schneller Datenleitungen die Möglichkeiten dazu fehlen.

Zu Beginn ihrer Amtszeit hatte die große Koalition in Berlin versprochen, bis 2018 flächendeckend ein schnelles Internet mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 50 Megabits pro Sekunde (Mbit/s) (diese Geschwindigkeit ist heute Standard für hochauflösendes Fernsehen und Telefonieren übers Internet) anbieten zu können. Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen geht hervor, dass bislang 71 Prozent der Haushalte in Deutschland über ein derart schnelles Internet verfügen können, genauso viele sind es in Rheinland-Pfalz. Damit liegt das Land im Mittelfeld aller Bundesländer.

Dabei deute sich, so die Grünen, bereits jetzt schon an, dass der Bedarf nach noch schnellerem Internet in naher Zukunft rasch steigen. Doch eine Internetgeschwindigkeit von 100 Megabit pro Sekunde gibt es bislang nur in Ballungsräumen. In der Region ist sie laut Breitbandatlas kaum verfügbar. Lediglich in 698 Orten im Land gibt es Geschwindigkeiten von 50 Mbit/s und mehr, in 829 geht es deutlich langsamer ins Internet. 814 Gewerbegebiete im Land sind nach Auskunft der Bundesregierung ohne schnellen Internetanschluss.

Vier Milliarden Euro stellt der Bund für den Ausbau schneller Internetverbindungen zur Verfügung. Rheinland-Pfalz erhält aus Berlin rund 14 Millionen Euro, sechs Millionen Euro davon sind alleine für den Kreis Bernkastel-Wittlich als Zuschüsse vorgesehen. Mehr zum Thema

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