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Diplom für die Erziehung?

Diplom für die Erziehung?

Akademische Ausbildung für Erzieher? Die saarländische Bildungsministerin hat mit ihrem Vorschlag eine breite Diskussion ausgelöst. Unterstützung erhält sie von Gewerkschaftsseite. Der Verband Bildung und Erziehung fordert sogar: Hochschulausbildung für alle Erzieher. Das lehnt das Land ab.

Mainz. (wie) Basteltanten sind sie längst nicht mehr. Was Erzieher in den Kindergärten heute leisten müssen, geht weiter über das hinaus, was noch vor einigen Jahren von ihnen verlangt worden ist. Kinder sollen nicht mehr nur etwa mit Malen, Basteln und Spielen beschäftigt werden. Immer mehr wird auch bereits von Anfang an in Kindergärten Wissen vermittelt. Ob Fremdsprachen, Rechnen, Spracherziehung oder Kleinkindbetreuung - die Anforderungen an Erzieher sind deutlich gestiegen, ohne dass sich allerdings die Bezahlung verbessert hätte. Daher ist die Forderung der neuen Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, der saarländischen Bildungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, nach einer besseren Ausbildung der Erzieher (der TV berichtete) durchaus nachvollziehbar. Kindergartenleiter sollen nach den Vorstellungen der Bildungspolitikerin sogar einen Hochschulabschluss vorweisen müssen. Ein Vorschlag, den der Verband Bildung und Erzieher (VBE) unterstützt. In anderen EU-Ländern sei die Hochschulausbildung für Erzieher längst Praxis, sagt VBE-Landesgeschäftsführer Hjalmar Brandt. Kindergärten seien mittlerweile vollwertige Bildungseinrichtungen. Das erfordere auch Änderungen bei der Ausbildung, sagt der Gewerkschaftsfunktionär. Im Mainzer Bildungsministerium sieht man das anders. Die Erzieherausbildung im Land sei bereits reformiert worden, sagt Ministeriumssprecher Michael Au. Damit habe man dazu beigetragen, die Qualifikation der Erzieher zu verbessern. "Wir setzen auf eine gute Mischung aus Erziehern mit akademischer Ausbildung und solchen, die an Fachschulen ausgebildet werden." Die Ausbildung an den Fachschulen sei in den vergangenen Jahren modernisiert und professionalisiert worden, sagt der Ministeriumssprecher. So würden Erzieher heute im Bereich der Spracherziehung und der individuellen Förderung ausgebildet. Außerdem unterstütze das Land Weiterbildungs-Angebote von Kindergartenträgern mit jährlich zwei Millionen Euro. 2005 wurde an der Fachhochschule Koblenz der damals bundesweit einzige Fernstudiengang zur frühkindlichen Bildung eingerichtet. Dort können sich Erzieher, die eine Leitungsfunktion anstreben, innerhalb von sechs Semestern für den neuen Job qualifizieren. Derzeit seien 201 Studenten in diesem Studiengang eingeschrieben, 26 werden in diesem Jahr voraussichtlich ihren Abschluss machen. Für die Gewerkschaft VBE ist diese akademische Ausbildung der Kindergartenleiter zwar "ein Schritt in die richtige Richtung", er reiche aber nicht aus, sagt Landesgeschäftsführer Brandt. Er fordert eine akademische Ausbildung für alle Erzieher. Auch die Gewerkschaft Verdi fordert bessere Rahmenbedingungen, damit die Kindergärten ihren gesetzlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag wahrnehmen könnten. Verdi fordert, dass Leiter größerer Kindergärten von Erzieher-Tätigkeiten freigestellt werden. Die TV-Leser sind skeptisch, was die Forderung der saarländischen Ministerin angeht. In der Abstimmung des TV-Online-Angebots www.volksfreund.de haben sich 80 Prozent der Teilnehmer unserer Befragung gegen die akademische Ausbildung von Erziehern ausgesprochen.