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Diskriminierung, Bistum Trier: Angebot an homosexuelle Lehrer

Keine Diskriminierung mehr : Bistum Trier: Neue Linie gegenüber Homosexuellen

In der katholischen Kirche ist unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals einiges in Bewegung geraten. Plötzlich dürfen auch Lehrer Religionsunterricht halten, die in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung leben. Woher kommt die neue Offenheit?

Das Bistum Trier hat die jahrelange Diskriminierungspraxis von homosexuellen Religionslehrern beendet. Bislang mussten die Pädagogen ihre kirchliche Lehrerlaubnis zurückgeben, wenn sie einen gleichgeschlechtlichen Lebenspartner heirateten. Dies stehe im Widerspruch zur Lehre der Kirche, hieß es zur Begründung. Nach Angaben des Bistums wurde allein in den zurückliegenden zehn Jahren sieben Frauen und Männern „aufgrund der persönlichen Lebensführung“ die Lehrerlaubnis (Missio Canonica) entzogen.

Kirche stoppt Diskriminierung von homosexuellen Religionslehrern

Mit dieser Praxis soll jetzt Schluss sein. Auch Lehrer, die in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung leben, können ab sofort mit dem Segen der Kirche Religionsunterricht geben. Mehr noch: Pädagogen, denen die Missio aus diesem Grund in der Vergangenheit entzogen wurde, soll diese nun erneut angeboten werden, sagte eine Bistumssprecherin auf Anfrage unserer Redaktion.

Katholisches Arbeitsrecht im Bistum Trier: Keine Sanktionen mehr für Wiederverheiratete und Homosexuelle

Hintergrund der kirchlichen Rolle rückwärts: Die deutschen Bischöfe haben erst vor wenigen Tagen ein neues Arbeitsrecht für die rund 800.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kirche und Caritas beschlossen. Danach sind eine Homo-Ehe oder eine neue Hochzeit nach einer Scheidung künftig kein Grund mehr für eine Kündigung. Alle Mitarbeitenden könnten unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer sexuellen Identität oder ihrer Lebensform „Repräsentanten einer den Menschen dienenden Kirche sein“, heißt es jetzt.

Der Trierer Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg hatte im Vorgriff auf die jetzt beschlossenen Regelungen schon im Februar alle arbeitsrechtlichen Sanktionen bei Fragen persönlicher Lebensführung ausgesetzt. Das bedeutet beispielsweise, dass schwule oder lesbische Eheleute in Diensten des Bistums keine Konsequenzen mehr zu befürchten haben. Auch Geschiedenen, die einen neuen Partner heiraten, drohen danach keine Sanktionen mehr. „Ich möchte auf diese Weise einen Beitrag dazu leisten, dass Sie als unsere Mitarbeitenden unsere Kirche als einen angstfreien Raum erleben“, schrieb der Trierer Generalvikar seinerzeit an die Mitarbeiter.

Homosexuelle Lehrer dürfen wieder Religion unterrichten

Nun kommen also auch die an staatlichen Schulen im Bereich des Bistums Trier tätigen (ehemaligen) Religionslehrer in den Genuss der neuen Toleranz. Sechs Pädagogen, die die Missio einst wegen ihrer persönlichen Lebensführung abgeben mussten, sollen von dem Angebot inzwischen Gebrauch gemacht haben. „Wir freuen uns über jeden, der das Angebot annimmt, verstehen aber natürlich auch, wenn die Verletzung durch den Entzug zu groß war“, sagte eine Sprecherin unserer Redaktion.

Einigen Kritikern gehen die jetzt von den Bischöfen in Aussicht gestellten Änderungen nicht weit genug. Die ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche bezeichnet die neue Grundordnung als unzureichend. Es bleibe ein Rätsel, warum die Bischöfe etwa Trans*- und Inter*-Personen explizit nicht den versprochenen Schutz zusagten, sagt Sprecher Thomas Pöschl. Dies sei ein „gravierendes Defizit“.