Drei Geschwister im Visier der Steuerfahndung

Im Visier der Steuerfahndung : „Wir wurden behandelt wie Terroristen“

Den Mittwoch dieser Woche werden drei Geschwister aus Konz-Oberemmel wohl den Rest ihres Lebens nicht mehr vergessen. An diesem Tag gerieten sie ins Visier der Steuerfahnder.

Wenn Dorothea Schorer von den Ereignissen des Vortags berichtet, wird ihre Stimme zittrig, und man merkt der 81-jährigen Frau aus Konz-Oberemmel an, dass das Erlebte immer noch mitnimmt. 24 Stunden zuvor, am späten Mittwochvormittag, musste sogar der Notarzt kommen, weil es Frau Schorer plötzlich ganz schlecht wurde, ihr Puls raste und sie einen trockenen Mund bekam. Da hatte sie kurz zuvor unerwarteten Besuch bekommen. Dorothea Schorer war gerade im Bad, als es gegen 10 Uhr an der Haustüre klingelte. „Die Steuerbehörde“, lautete die Antwort, als die Seniorin wissen wollte, wer denn da sei. Sie habe die Tür erst nicht aufmachen wollen, sagt Schorer, weil doch die Polizei immer vor unseriösen Zeitgenossen warne. Doch der Gegenüber habe gesagt: Man könne sich ausweisen und müsse, sollte Frau Schorer nicht öffnen, die Türe eben aufbrechen.

Die in dem Haus gemeinsam mit ihrer zehn Jahre jüngeren Schwester lebende ältere Dame staunte nicht schlecht, als sie vor ihrer Türe sieben Frauen und Männer sah, die ihr zunächst die Dienstmarken- und ausweise und dann einen fünfseitigen Durchsuchungsbeschluss unter die Nase hielten. Die beiden Frauen, so der Vorwurf, sollen ausländische Kapitaleinkünfte nicht in ihrer Steuererklärung angegeben haben.

Die Durchsuchung ihres Hauses stehe im Zusammenhang mit dem „beim Bundeskriminalamt vorliegenden Datenbestand der sogenannten Panama-Papers, heißt es wörtlich in „dem unserer Zeitung vorliegenden Durchsuchungsbeschluss.

Glaubt man Dorothea Schorer, waren sie und ihre später hinzugekommene Schwester von den Vorwürfen und der Durchsuchung wie vor den Kopf gestoßen. „Wir haben immer treu und brav unsere Steuern bezahlt“, sagt Schorer am Tag danach, „haben wissentlich noch nie auch nur einen Euro hinterzogen.“

Aber irgendwie müssen die Steuerfahnder doch auf die beiden seit fast 35 Jahren in Oberemmel lebenden Schwestern aufmerksam geworden sein?! Dorothea Schorer und ihre Schwester Maria Ridder, die lange Jahre in Trier ein Umweltlabor betrieben hat, haben dafür eine einleuchtend klingende Erklärung.

Ihr Bruder Axel, der seit vielen Jahrzehnten in Asien lebt und einst in Indonesien ein Hotel betrieben hat, habe sie bei einer Geldanlage für den Fall des Falles, dass ihm etwas zustoßen sollte, als Erben eingetragen. So seien ihre Namen in den Panama-Papieren aufgetaucht, von denen sie bis zur Durchsuchung am Mittwoch gar nichts gewusst hätten. Erträge daraus hätten sie jedenfalls nie bekommen und somit auch beim deutschen Fiskus nichts angeben können, sagen die Schwester.

Eine Aussage, die auch Bruder Axel Ridder bestätigt, der gerade für ein paar Tage aus Thailand nach Oberemmel gekommen ist, um seine Schwestern zu besuchen. Nach Angaben des 79-Jährigen ist ihm die Geldanlage Anfang der 2000er Jahre von einem Berater der Deutschen Bank in Singapur empfohlen haben. „Wir haben da ein tolles Modell für Sie, das ist wunderbar“, soll der Bankberater Ridder gesagt haben, der um die 100 000 Euro anlegen wollte. „Ich wusste gar nicht richtig, was es ist“, meint Ridder rückblickend und ergänzt, dass er der Bank vertraut habe.

Da Ridder seit den 70er Jahren nicht mehr in Deutschland lebt, muss er hier auch keine Steuererklärung abgeben und kann von daher auch keine ausländischen Kapitaleinkünfte verschwiegen haben. Trotzdem werde jetzt auch gegen ihn wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung ermittelt, hätten ihm die Fahnder bei ihrem „Besuch“ im Haus der Schwestern am Mittwoch erklärt. Aus dem Deutsche-Bank-Modell ist er nach eigenen Angaben schon vor zehn Jahren wieder ausgestiegen.

Die sieben Fahnder ließen sich bei der Durchsuchung des Hauses in Oberemmel jedenfalls reichlich Zeit. Die Aktion habe von 10 bis 17.30 Uhr gedauert, erinnert sich Dorothea Schorer. Eine Pause hätten die Beamten nicht gemacht, „mein Angebot, ihnen einen Kaffee oder Sprudel zu bringen, haben sie dankend abgelehnt“, sagt die 81-Jährige. Dafür hätten sie etliche Kartons mit Ordnern, Bankunterlagen, Kalendern, Computern und Handys der Schwestern mitgenommen. Über die sichergestellten Gegenstände bekamen die Damen eine zweiseitige Quittung der Trierer Steuerfahndung.

Wie es nun weitergeht, wissen die Geschwister nicht. Nachdem sie die ganze Nacht schlecht geschlafen haben, wollten sie am Donnerstagmittag erst mal einen Anwalt konsultieren.

Und warum haben sie sich zuvor noch an den Volksfreund gewandt? „Ich fühle mich in meiner Würde verletzt“, sagt Dorothea Schorer, „deshalb möchten wir, dass die Sache an die Öffentlichkeit kommt. Wir haben unser ganzes Leben treu und brav Steuern gezahlt und unbescholten gelebt“, sagt die für ihr Alter äußerst rüstige Frau. „Und plötzlich werden wir behandelt wie Terroristen.“

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