1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Dreyer glaubt an Ring-Käufer - Entscheidung über Jobs erst ab Juli

Dreyer glaubt an Ring-Käufer - Entscheidung über Jobs erst ab Juli

Nach dem Verkauf des Nürburgrings an den Autozulieferer Capricorn stattet Ministerpräsidentin Dreyer (SPD) der Rennstrecke einen Besuch ab - und zeigt sich überzeugt vom Konzept des Unternehmens. Dessen Chef sieht sich endgültig in der Eifel angekommen.

Mit reichlich Optimismus im Gepäck hat die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) den krisengeschüttelten Nürburgring besucht. „Ich glaube, dass wir eine echte Chance haben, am Ring strukturell etwas zu bewegen“, sagte Dreyer am Mittwoch mit Blick auf den Verkauf des Rings an den Autozulieferer Capricorn. Der war im März unter Dach und Fach gebracht worden. Das Konzept des Käufers stärke den Motorsport und sehe die Ansiedlung von Technologiefirmen in der Eifel vor. Das sei eine große Chance.

Wieviele Jobs am Ring verloren gehen, wird sich nicht vor Anfang Juli entscheiden. „Änderungen und Entscheidungen über Personalanpassungen sind frühestens Anfang Juli absehbar“, sagte der Geschäftsführer der Nürburgring Betriebsgesellschaft (NBG), Carsten Schumacher. Den Ring bezeichnete er als „Rohdiamanten“, dessen Geschäftsmodell jedoch weiterentwickelt werden müsse. Das solle nun bis Ende Juni geschehen.

Bis zum Sommer könnte auch die EU-Kommission das Beihilfeverfahren zum Ring abgeschlossen haben. Dabei wird auch geprüft, ob der Verkauf an den Autozulieferer Capricorn EU-konform stattgefunden hat. Falls Brüssel das nicht so sieht, könnte Capricorn vom Kauf zurücktreten.

Die Jobsituation war auch Thema einer Betriebsversammlung, an der Dreyer teilnahm. Der Betriebsratsvorsitzende Heinz Hoffmann sprach von einem „offenen Gespräch“. Es sei die größte Sorge der Mitarbeiter, wie es mit den Arbeitsplätzen am Ring weitergehe.

Dreyer äußerte Verständnis für das Misstrauen vieler Menschen nach dem Verkauf. Das sei absolut nachvollziehbar. Das Misstrauen werde aber verschwinden, wenn eine positive Entwicklung einsetze. Sie sei froh, dass mit Capricorn und dem Partner Getspeed zwei Unternehmen mit Bezug zur Region den Zuschlag erhalten hätten. „Fehler der Vergangenheit können wir leider nicht rückgängig machen“, betonte Dreyer.

Capricorn-Geschäftsführer Robertino Wild sagte, es sei ganz normal, dass es auch Kritiker des Verkaufs gebe. „Wir haben aber weniger Kritiker als befürchtet.“ Ein Großteil der Belegschaft und der Menschen in der Region reagiere positiv. „Wir haben das Gefühl, angekommen zu sein.“ Vor Politikern und Bürgern sagte er im Ring-Boulevard: „So lange es Motorsport gibt, wird es den Nürburgring geben.“ Wild ergänzte, der Ring sei operativ profitabel. „Wir sind kein Sanierungsfall.“

Zuvor hatte sich Dreyer das Capricorn-Werk nahe des Rings in Meuspath sowie den Standort der Firma Getspeed angeschaut. Getspeed ist unter anderem auf die Betreuung von Sport- und Rennfahrern spezialisiert und gemeinsam mit Capricorn Anteilseigner an der neuen Capricorn Nürburgring GmbH. Während Capricorn 67 Prozent hält, hat Getspeed 33 Prozent inne. Die Capricorn Nürburgring GmbH wird zum 1. Januar 2015 die Vermögenswerte der Nürburgring GmbH übernehmen.