Dreyer strahlt, Klöckner staunt

Dreyer strahlt, Klöckner staunt

Die Malu macht’s: Nach einem packenden Wahlkampf bleibt Ministerpräsidentin Dreyer im Amt - und das in einem neuen Regierungsbündnis. CDU-Chefin Julia Klöckner ist aber nicht die einzige Verliererin der Wahl.

Mainz. "Ganz schön mutig", tuscheln einige Journalisten, als sie im Januar in die Landesgeschäftsstelle der SPD treten. Die Genossen haben über der Eingangstür ein Schild aufgehängt. Die Aufschrift: "Wahlsiegzentrale". Nun war die SPD an dem Tag vom Wahlsieg weit entfernt. Sechs Wochen, bevor die Rheinland-Pfälzer die Kreuze machten, lag sie in Umfragen sechs Prozent zurück. CDU-Kandidatin Julia Klöckner schien unaufhaltsam auf dem Weg, die kommende Landeschefin zu sein. Doch der Schein trog. Während die SPD am 13. März ihre Spitzenkandidatin Malu Dreyer mit "So-sehen-Sieger-aus"-Gesängen feierte, schauten die Unionspolitiker betröppelt drein. 36,2 Prozent entfielen auf die SPD, nur 31,8 Prozent und damit das historisch schlechteste Ergebnis in der Landesgeschichte auf die CDU.
Was war passiert in den letzten Wochen? Die SPD setzte voll auf das Zugpferd Dreyer. Auf den Plakaten lächelte die Ministerpräsidentin, SPD-Mitglieder trugen Malu-Anstecker auf der Brust - und die Landeschefin bewies bei kritischen Entscheidungen ein goldenes Näschen. Die "Elefantenrunde" im SWR mied Dreyer, weil sie nicht an einem Tisch mit der AfD diskutieren wollte. Erst prasselte Kritik auf die Ministerpräsidentin ein, weil sie sich weigerte. Nach der Diskussion der Spitzenkandidaten schrieben Zeitungen, die wahre Gewinnerin des Abends sei gar nicht im Studio gewesen - Malu Dreyer.
Die Triererin umgarnte in der Flüchtlingskrise auch Wähler von Kanzlerin Angela Merkel. Julia Klöckner verpokerte sich hingegen. In ihrem A2-Plan sahen Kritiker ein Abrücken von der Kanzlerin. Die Brocken warf die Landesvorsitzende nach dem ersten Frust dennoch nicht hin. Die Partei stützte sie als Fraktionschefin in der Opposition, wo die Arbeit der Union nicht einfacher geworden ist. Denn dort sitzt nun auch die AfD, die mit 12,6 Prozent erstmals in den Landtag einzog.
Neu ist auch das Regierungsbündnis: SPD, FDP und Grüne einigten sich hingegen auf die Ampelkoalition - die erste in Deutschland. Und die hat auch Verlierer: Der FDP-Landesvorsitzende Volker Wissing löste als Wirtschaftsminister die Grüne Eveline Lemke ab, die nach einem enttäuschenden Wahlergebnis (5,3 Prozent) am Ende des Jahres bekannt gibt, ab dem 1. April 2017 als Hochschulprofessorin in Karlsruhe zu arbeiten. Wer bleibt, ist Malu Dreyer. Und auch das Schild an der Landesgeschäftsstelle. Denn die Aufschrift "Wahlsiegzentrale" hängt immer noch über der Tür in Mainz.