Drogen, Pornos, Waffen: Polizei schnappt Bande in Traben-Trarbach

Kostenpflichtiger Inhalt: Darknet-Server in Natobunker an der Mosel : Drogen, Pornos, Waffen: Polizei schnappt Bande in Traben-Trarbach (Fotos/Video)

Großeinsatz der Spezialeinheit GSG 9 und von mehr 600 Einsatzkräften bei einem ehemaligen Natobunker in Traben-Trarbach: Von dort sollen Hackerangriffe auf Kunden der Telekom gesteuert worden sein. Dazu sollen über Webseiten weltweit illegal Waffen und Drogen verkauft und auch Kinderpornografie verbreitet worden sein.

Über 200 Server stellten die Ermittler bei dem von langer Hand geplanten Zugriff am Donnerstagabend sicher. Mehr als 600 Kräfte, darunter Spezialeinsatzkräfte aus Hessen und Hamburg sowie Beamte der GSG 9, waren ab 8 Uhr am Donnerstag im Einsatz. Gegen 18 Uhr erfolgte dann zeitgleich der Zugriff im Bunker, in einem Restaurant in Traben-Trarbach, in Luxemburg, Polen und den Niederlanden. Gegen 13 Verdächtige laufen die Ermittlungen, sieben von ihnen wurden festgenommen, darunter der Besitzer der Bunkeranlage, der 59-jährige Niederländer.

Es handelt sich um den größten Schlag gegen Cyberkriminalität, den es in Deutschland bislang gegeben hat. Vier Jahre dauerten die Ermittlungen gegen die Betreiber eines Rechenzentrums in einem ehemaligen Bundeswehr-Bunker bei Traben-Trarbach. Die ersten Hinweise, dass dort eventuell kriminelle Machenschaften geplant sein könnten, erhielten die Ermittler bereits 2013 von der Verbandsgemeindeverwaltung Traben-Trarbach.

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Sie bat um Überprüfung des Käufers, der das 13.000 Quadratmeter große Gelände vom Bund erwerben wollte. Der Niederländer war in seinem Heimatland kein Unbekannter. Dort liefen zu dieser Zeit bereits Ermittlungen wegen Cyberkriminalität gegen ihn. Auch in den Niederlanden soll er ein Rechenzentrum betrieben haben, von dem illegale Plattformen bereitgestellt worden sein sollen.

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Vor dem Kauf des 5000 Quadratmeter großen Bunkers, der fünf Stockwerke unter der Erde liegt, hat der Niederländer damals von einem idealen Standort für "hochsensible Daten aus allen Bereichen von Wirtschaft und Technik" gesprochen. Auf der Homepage für sein Rechenzentrum soll der Niederländer damit geworben haben, dass dort alle Arten von Daten gespeichert und verarbeitet werden können, außer Kinderpornografie und Terrorismus.

Doch die Ermittler stießen bei den seit 2015 laufenden Ermittlungen sowohl auf Plattformen, über die Kinderpornos verbreitet worden sind, als auch Markplätze, auf denen illegale Waffen, Drogen und geklaute Daten angeboten und verlauft worden sind. Man habe bislang keine Hinweise darauf, dass aus dem Bunker in Traben-Trarbach legale Internetdienste oder Geschäfte betrieben worden sind, sagt Jörg Angerer, Leiter der Zentralstelle für Cyberkrime bei der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz.

Laut Johannes Kunz, Leiter des Landeskriminalamtes, werden die Ermittlungen und die Auswertung der Daten Monate oder sogar Jahre dauern. Die komplette Spezialabteilung für Cyberkriminalität des Landeskriminalamtes sei mit allen 20 Mitarbeitern in den vergangenen Jahren mit dem Fall beschäftigt gewesen.

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