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Drohnen über Atomkraftwerken: Das Mysterium der Mini-Spitzel

Drohnen über Atomkraftwerken: Das Mysterium der Mini-Spitzel

Seit einem Monat überfliegen Drohnen französische Atomkraftwerke - unter anderem auch das an der Mosel gelegene Cattenom - und noch immer haben die Behörden keine Spur von den Tätern. Die Organisation Greenpeace warnt vor den Gefahren, die von den kleinen Flugkörpern ausgehen können.

Sie sehen ein bisschen aus wie die ferngesteuerten Hubschrauber im Kinderzimmer, doch sie verursachen mehr Angst. Denn die Drohnen, die Frankreichs Atomkraftwerke seit einem Monat immer wieder überfliegen, sind kein Spielzeug. Als fliegende Spionagegeräte könnten sie vielmehr Geheimnisse auskundschaften und so helfen, einen Anschlag vorzubereiten. Doch am erschreckendsten ist, dass keiner weiß, wer die Mini-Ufos eigentlich losgeschickt hat.

Die drei jungen Franzosen, die am Mittwoch in der Nähe des Akw Belleville-sur-Loire festgenommen wurden, stecken laut Staatsanwaltschaft nicht hinter den Überflügen. Auch die Umweltorganisation Greenpeace, die immer wieder mit spektakulären Aktionen gegen Atomkraft demonstriert, will mit den Drohnen nichts zu tun haben. Dabei wären die Flüge über gut einem Dutzend von Frankreichs Atomanlagen eine gute Aktion um zu zeigen, dass die Meiler nicht ausreichend gesichert sind. Doch die Organisation erklärt: "Bei jeder unserer Aktionen handeln wir offen und bekennen uns zu unseren Taten." Greenpeace weist auf Sicherheitslücken hin


Greenpeace hatte schon mehrfach auf Sicherheitslücken in den Akw hingewiesen, die eigentlich nur mit einer Flughöhe über 1000 Metern überflogen werden dürfen. Erst im März durchbrachen rund 60 Aktivisten mit einem Lastwagen die Absperrung des alternden Atomkraftwerkes Fessenheim, rund 30 Kilometer von Freiburg entfernt. Die Greenpeace-Mitglieder kletterten auf das Dach des Reaktorgebäudes und brachten dort publikumswirksam das Spruchband "Stop Risking Europe" (Hört auf, Europa in Gefahr zu bringen) an.

Solche Aktionen erregen zwar viel Aufsehen, doch in Frankreich, dem größten Atomstromproduzenten Europas, ist Atomkraft kein Thema. Nur 42 Prozent der Franzosen machen sich laut einer im Sommer veröffentlichen Umfrage Sorgen um die Sicherheit in den 58 Reaktoren und immerhin 54 Prozent sind dafür, den Anteil des Atomstroms weiter bei 75 Prozent zu halten.

Gefahr für Kühlbecken

Umweltministerin Ségolène Royal versuchte denn auch, die Gefahr durch die Drohnen herunterzuspielen, die auch die grenznahen Atomkraftwerke Cattenom und Fessenheim überflogen. "Die Sicherheit der Atomkraftwerke ist ausreichend gewährleistet, um diesen Risiken zu begegnen", sagte sie am Wochenende im Radio. Allerdings musste die Sozialistin auch einräumen, dass die Polizei nach einem Monat noch keine Spur von den Tätern hat.

Bei Greenpeace schrillen da die Alarmglocken: "Da wir heute keinen Hinweis auf die Identität der Täter dieser Überflüge haben, können wir uns nur auf das Schlimmste einstellen." Für die Organisation wäre das Horrorszenario beispielsweise ein Angriff aus der Luft auf ein Kühlbecken, wo radioaktive Brennstäbe lagern. Im Gegensatz zur Beton-Sicherheitskuppel ist das Kühlbecken nämlich nicht gegen Luftangriffe geschützt. Das Akw-Wachpersonal hat inzwischen Anweisung, die Drohnen abzuschießen - mit dem Gewehr.