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Duell zwischen Saarland und Rheinland-Pfalz: Minister auf dem Sportplatz

Herausgefordert : Saar-Ministerin und RLP-Arbeitsminister duellieren sich auf dem Sportplatz - Das war der Auslöser

Lyoner oder Saumagen? Saarland oder Rheinland-Pfalz? Um diese Frage steigen Politiker in den Diskus-Ring oder werfen Bälle. Ein Spaß-Duell zwischen den Ministern der beiden Bundesländer mit ernstem Hintergrund: Dem Saarland fehlen Saarländer.

(dpa) Es ist Punkt 12 Uhr. Ein Sportplatz in Saarbrücken. Das Saarland hat die Pfalz zum „Duell“ geladen. Erschienen sind Saar-Ministerpräsidentin Anke Rehlinger und der rheinland-pfälzische Arbeitsminister Alexander Schweitzer (beide SPD). In T-Shirts und Sportschuhen, um im Diskus und Basketball gegeneinander anzutreten. Auch wenn der Zweikampf ein Spaß im politischen Sommerloch ist – man merkt den beiden eine gewisse Anspannung an.

„Ich befinde mich auf dem Terrain des Gegners. Da ist man schon konzentriert. Wird kein Heimspiel“, sagte Schweitzer vor dem Duell witzelnd. Er hatte für die gute Laune ein paar Flaschen Pfälzer Wein dabei. „Geben wir unser Bestes“, sagte Rehlinger. Gut vorbereitet? „Ich habe vorher intensives mentales Training gemacht. Das muss reichen“, witzelt sie. Er: „Psychologische Kriegsführung kann sie.“

Nach einer knappen Stunde ist das Duell entschieden: Es gibt keinen Sieger und keinen Verlierer – sondern ein „kluges Unentschieden. Das ist gut für die diplomatischen Beziehungen“, sagte Rehlinger lachend. „Als Nächstes machen wir ein Trainingscamp“, meinte Schweitzer. Oder Freundschaftsspiele.

Beim Diskus hatte jeder drei Würfe: Rehlingers weitester kam auf 28,80 Meter – während Schweitzers maximal 16,30 Meter weit flog. Ein Ausgang, der zu erwarten war – denn Rehlinger hält bis heute den saarländischen Jugendrekord im Diskuswurf von 49,18 Metern aus dem Jahr 1995. Gegen die frühere Leichtathletin hatte Schweitzer (48) keine Chance: „Ich habe heute zum ersten Mal einen Diskus in der Hand.“ Beim Basketball dagegen konnte Schweitzer punkten. Wenn auch nur einmal – bei sechs Freiwürfen. Rehlinger (46) ging leer aus. „Ist heute auch eine Hitzeschlacht“, sagte der 2,06 Meter große Minister bei schweißtreibenden knapp 30 Grad. Basketball sei seine Lieblingssportart. „Früher habe ich für Bad Bergzabern als Center gespielt“, sagt er. „Aber das ist 25 Jahre und 25 Kilo her.“

Auslöser für den Zweikampf war Rehlingers „Lockprämie“ für Neu-Saarländer gewesen: Gerade im Amt, hatte sie in ihrer Regierungserklärung im April angekündigt, für Zuzügler ins Saarland einen Umzugsbonus zahlen zu wollen. Denn sie will den Trend, dass es immer weniger Saarländer gibt, umkehren und wieder eine Million Einwohner haben. Ende 2021 war die Einwohnerzahl im kleinsten deutschen Flächenland mit 983.348 auf den niedrigsten Stand seit 1953 abgerutscht.

Schweitzer hat Verständnis dafür, dass das Saarland in der Sache so „ehrgeizig und ambitioniert“ ist. Er habe auch nichts gegen eine Million Saarländer, aber eben nicht, indem man „die wertvollen Pfälzerinnen und Pfälzer“ abwerbe. „Wir können auf niemanden verzichten in Rheinland-Pfalz.“ Aus dem Hin und Her entwickelte sich ein humorvoller medialer Schlagabtausch – der dann in Rehlingers Duell-Vorschlag mündete.

Die Beziehungen zwischen Saarländern und Pfälzern sind traditionell, wie auch die Staatskanzlei in Saarbrücken sagt, „besonders“. Saarländer gelten als bevorzugtes Witzobjekt der Pfälzer – und umgekehrt. Gleichzeitig fühlen sich beide Seiten aber auch nah und verbunden, weshalb oft von „verfreundeten“ Nachbarn gesprochen wird.

„Die Frotzelei hat mit Zuneigung zu tun“, sagte Schweitzer. „Die Pfälzer und Saarländer sind sich näher als sie sich eingestehen.“ Die Umzugsprämie finde er politisch nicht gut, aber kommunikativ sei es eine gute Idee gewesen, gestand er ein. „Wenn es gelingen sollte, durch die Umzugsprämie Menschen von der schwäbischen Alb ins Saarland zu bringen, dann habe ich damit kein Problem. Da gibt es dann freie Passage durch die Pfalz“, sagte er lachend.

Nach dem sportlichen Wettkampf sprachen die Politiker über gemeinsame Perspektiven und die Zusammenarbeit der beiden Bundesländer. Die könnte noch enger werden beim Kampf um Fachkräfte und bei dem Thema der Entschuldung der Kommunen. Und eine gemeinsame Kabinettssitzung wäre auch mal wieder gut, meinten beide.

„Wir müssen keine Umzugsprämie anbieten“, sagte Schweitzer noch. „Wir haben die besten Weine Deutschlands. Alleine das muss schon überzeugen.“ Sagte er – und fuhr wieder nach Hause. In die Pfalz.

(dpa)