Ehe für Alle ab Oktober: Standesämter in Rheinland-Pfalz bereiten sich vor

Ehe für Alle ab Oktober: Standesämter in Rheinland-Pfalz bereiten sich vor

Vom 1. Oktober an können homosexuelle Paare in Deutschland heiraten. Die Standesämter in Rheinland-Pfalz haben Anfragen und bereiten sich gelassen auf den Termin vor.

Einen Monat vor dem Startschuss der Ehe für alle gibt es bei den Standesämtern in Rheinland-Pfalz bereits etliche Anfragen. In den meisten Fällen wollen gleichgeschlechtliche Paare ihre eingetragene Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei Ständesämtern in rheinland-pfälzischen Städten ergab. Es gibt aber auch weitere Termine für erste Eheschließungen von homosexuellen Paaren im Land. Schwule und Lesben können ab dem 1. Oktober heiraten.

In Trier gibt es derzeit ausschließlich zehn Anfragen auf Umwandlung von eingetragenen Partnerschaften in Ehen, sagt der Sprecher der Stadt Trier, Ralf Frühauf. Neun Paare wollten "das bürokratisch erledigen, am Schreibtisch mit Unterschrift". Ein Paar habe angegeben, dass es den Akt festlich im Trauzimmer begehen wolle. Der Trierer Standesbeamte sehe den neuen Paaren generell unaufgeregt entgegen: "Für ihn ist das eine Trauung wie jede andere auch", sagte der Stadtsprecher.

In Mainz sei die erste Eheschließung für den 5. Oktober angemeldet, sagt der Sprecher der Stadt Mainz, Marc André Glöckner: Da wollten sich zwei Männer das Jawort geben. Am selben Tag sei auch die erste Umwandlung einer Partnerschaft - ebenso von zwei Männern - in eine Ehe geplant. In der Landeshauptstadt haben sich laut Glöckner bislang insgesamt acht Paare für Termine angemeldet, sieben weitere haben angefragt. Das lasse sich gut einrichten.

In Koblenz liegen 15 bis 20 Anfragen von homosexuellen Paaren vor, die ihre Partnerschaft in eine Ehe umwandeln wollten, sagt der Sprecher der Stadt Koblenz, Heiko Breitbarth. Zudem gebe es einige Paare, die noch ledig seien und sich für die Ehe interessierten: Die erste gleichgeschlechtliche Ehe von Personen, die bisher nicht verpartnert waren, sei in der ersten Oktoberwoche geplant. Die ersten Umwandlungen von Partnerschaften in Ehen folgten dann ab der zweiten Oktoberwoche, sagt er. "Der Ansturm ist noch überschaubar."

In Ludwigshafen liegen bislang Anmeldungen von zwei schwulen Paaren vor. Die erste Eheschließung sei am 24. November geplant, die zweite am 20. Dezember, teilte die Stadt mit. Darüber hinaus gebe es rund zehn Anfragen für die Umwandlung einer Lebenspartnerschaft in eine Ehe. Die Umsetzung der neuen gesetzlichen Regelung stelle keine besondere Schwierigkeit fürs Standesamt dar, hieß es. Allerdings verfüge das Amt derzeit noch nicht über eine angepasste Software.

Vieles jedoch sei noch nicht geklärt, sagte der Sprecher der Stadt Koblenz, Heiko Breitbarth. Noch seien keine Ausführungsbestimmungen erlassen worden, es gebe lediglich "Anwendungshinweise". Teils fehlten auch noch gebührenrechtliche Regelungen. Auch der Trierer Sprecher betont: "Vom rheinland-pfälzischen Gesetzgeber fehlt noch eine entsprechende Verwaltungsvorschrift." Dennoch werde man die Neuerung "unbürokratisch und flexibel" möglich machen.

Zudem werde es noch dauern, bis die Software der Ämter auf die Gesetzesänderung angepasst sei, hieß es. Es sei nicht bekannt, ob die Geschlechter bereits direkt richtig gespeichert werden könnten, hieß es vom Koblenzer Standesamt. Daher würden Meldungen an andere Behörden in der Übergangszeit voraussichtlich bis 1. November 2018 teilsweise wieder in Papierform erfolgen. Aber: "Wir können auf alle Fälle den Paaren richtige Heiratsurkunden ausstellen."

Bundestag und Bundesrat hatten die Öffnung der Ehe kurz vor der parlamentarischen Sommerpause überraschend auf den Weg gebracht. Schwule und Lesben hatten jahrzehntelang dafür gekämpft. Das Gesetz tritt am 1. Oktober in Kraft. Bislang konnten homosexuelle Paare in Deutschland nur eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen. Diese ist aber rechtlich nicht mit der Ehe gleichgesetzt, vor allem mit Blick auf das volle Adoptionsrecht.

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