Eichenprozessionsspinner : Haarige Plagegeister nisten sich bei uns ein – wir müssen sie hinnehmen

Wie Wespen und Zecken: Die Raupen des Eichenprozessionsspinners könnten Dauergäste in der Region werden. Dennoch kommt das Fällen von Eichen für Kommunen nicht infrage.

Im zweiten Jahr in Folge ist der Eichenprozessionsspinner (EPS) in der Region Trier zur Plage geworden. Es gab etliche Vorfälle, bei denen Mensch und Tier mit den gefährlichen Brennhaaren der Raupen des Nachtfalters in Berührung gekommen sind. Mit den mittlerweile bekannten und gefürchteten Folgen, angefangen von Juckreiz und Rötungen bis hin zu Fieber, Asthma und Kreislaufstörungen (der TV berichtete).

Selbst wenn sich die Raupen in den kommenden Wochen verpuppen und zu Schmetterlingen werden, ist die Gefahr nicht vorbei. Die Härchen können noch über einen längeren Zeitraum ihre toxische Wirkung entfalten. „Die Kette geht bis zum Brennholz”, sagt der Trierer Forstexperte und EPS-Bekämpfer Konrad Boecking. Er rät dazu, vorsichtig mit Holz aus Eichenwäldern umzugehen. Das Fällen von Eichen solle man den Fachleuten überlassen.

Angesichts des fortschreitenden Klimawandels (der EPS liebt Trockenheit und hohe Temperaturen) geht Boecking von einem Dauerzustand aus: „Wir werden lernen müssen, mit den Raupen zu leben, wie wir das auch mit Wespen, Grasmilben, Zecken und giftigen Pflanzen tun.” Den Hype, der um den EPS gemacht wird, hält der Forstexperte für überzogen und kontraproduktiv. Keine Raupen anfassen und Abstand zu den Eichen halten – das sollten Eltern und Erzieher den Kindern beibringen. Betroffene Bereiche müssten sicherheitshalber abgesperrt oder durch Warnschilder gekennzeichnet werden.

Boecking hält nichts davon, die Schädlinge mit Chemie zu bekämpfen oder befallene Bäume zu fällen. Das ist auch der Tenor bei den Kommunen, die der Volksfreund dazu befragt hat, was sie in Zukunft gegen den EPS unternehmen wollen. Das Grünamt der Stadt Trier setzt auf die mechanische Bekämpfung der EPS-Raupen. Spezialfirmen werden mit dem Absaugen der Nester beauftragt. Es gelte, die heimische Eiche als wichtigen Lebensraum vieler Vögel, Kleinsäuger und Insekten zu erhalten. Auch die Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues will keine Brachiallösung. Bei der Neuanlage öffentlicher Flächen werde man jedoch überlegen, ob man weiterhin auf Eichen zurückgreife, sagt Sprecher Marvin Neurohr.

Der Eichenprozessionsspinner ist in diesem Jahr erstmals vermehrt in der Eifel aufgetreten. Man habe es seit einigen Jahren durch den Klimawandel mit vielen neuen Schädlingen zu tun, sagt Forstamtsleiter Peter Wind aus Prüm. Neben dem Borkenkäfer, der verheerende Schäden in Fichtenwäldern anrichtet, könnte auch ein Baumpilz zum Problem werden, den ein Förster kürzlich in Rivenich (VG Wittlich-Land) entdeckt hat. Er verursacht bei Ahornbäumen die Rußrindenkrankheit und bringt sie so zum Absterben. Der Pilz sondert giftige Sporen ab, die beim Menschen allergische Schocks auslösen können. Es zeigen sich Symptome wie Reizhusten, Fieber und Atemnot.

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