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Eifel und Mosel gehören zu den Verlierern

Eifel und Mosel gehören zu den Verlierern

Der demografische Wandel wird in der Region unbarmherzig zuschlagen: In der Eifel und an der Mosel wird es in vielen Dörfern kaum noch junge Menschen geben. Das jedenfalls sagen Statistiker voraus.

Trier. 175 Jungs unter einem Jahr wird es im Jahr 2035 im Vulkaneifelkreis geben. In diesem Jahr sollen es laut Statistischem Landesamt noch 222 sein. Auch im Kreis Bernkastel-Wittlich wird es in 20 Jahren deutlich weniger Kinder und Jugendliche geben. Um fast ein Fünftel wird laut den Statistikern die Zahl der unter 20-Jährigen dort gegenüber heute zurückgehen. Und gleichzeitig wird die Zahl der über 80-Jährigen um über 50 Prozent steigen. Im Kreis Trier-Saarburg wird die Zahl der Betagten sogar um 60 Prozent zunehmen. Falls denn die Prognose der Bevölkerungsforscher zutrifft. Bis 2030 hatten sie einen Bevölkerungsrückgang im Land von vier auf 3,4 Millionen vorausgesagt. Doch derzeit steigt die Bevölkerungszahl in Rheinland-Pfalz wieder. "Die Berechnungen der Statistiker sind zum Veröffentlichungstermin richtig, aber die Bedingungen ändern sich", sagt Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler. Als einen Grund nennt sie die gegenwärtige Zuwanderung. "Wir hatten Anfang der 1990er Jahre ein ähnliches Phänomen: Auch damals wurde ein Bevölkerungsrückgang für Ende der 90er Jahre prognostiziert. Die große Zahl der Um- und Spätaussiedler war aber da noch nicht vorhersehbar." Die Zuwanderung von Flüchtlingen könne den demografischen Wandel, also den Anstieg der älteren Menschen bei gleichzeitig immer weniger jüngeren, aber nicht stoppen, sagt die Ministerin. "Die Zuwanderung kann die Alterung der Bevölkerung voraussichtlich leicht bremsen, aber keinesfalls aufhalten." Denn: "Die Erfahrung von 50 Jahren Zuwanderung zeigt, dass die Menschen, die zu uns kommen, in der zweiten oder dritten Generation deutlich weniger Kinder bekommen als in der ersten Generation. Die Gesellschaft wird also langfristig älter", so Bätzing-Lichtenthäler. Besonders deutlich wird dies wohl in den Kreisen Vulkaneifel und Bernkastel-Wittlich. Sie zählen laut Statistischem Landesamt zu den Verlierern des demografischen Wandels: Bis zu 26 Prozent weniger Menschen werden dort nach den derzeitigen Prognosen in 20 Jahren leben. Zu den Gewinnern wird Trier zählen - mit dann vier Prozent mehr Menschen als heute. Davon werden nach Ansicht von Bätzing-Lichtenthäler auch die umliegenden Gebiete im Kreis Trier-Saarburg und in Bitburg-Prüm profitieren. Aus den anderen Kreisen wanderten die Menschen ab, "obwohl sie gerne bleiben würden, wenn die Infrastruktur stimmt". Dazu zählt eine gute Anbindung, ein guter Internetzugang und ein reges Sozial- und Vereinsleben. "Dann kommen die jungen Menschen gerne wieder in die Dörfer, weil sie das ruhigere Leben, die sozialen Kontakte und die guten Bedingungen auch für ihre Familiengründung schätzen." Doch genau darin sieht die CDU-Opposition im Landtag das Versagen der Landesregierung: "Sie muss endlich die Frage beantworten, wie sie in einem ländlich strukturierten Land bei zurückgehender Bevölkerung passgenaue Versorgungsstrukturen aufrechterhalten will, ohne den Einzelnen finanziell über Gebühr zu belasten", mahnt die sozialpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Hedi Thelen. Scharfe Kritik übt sie auch an der seit gestern laufenden Demokratiewoche des Landes. Damit versuche sich die Landesregierung "über ihr Strategiedefizit hinwegzuretten". Thelen: "Dass wir immer älter und immer weniger werden, wissen wir. Wir erwarten von der Landesregierung, dass sie nicht nur über den demografischen Wandel spricht, sondern handelt." Das tut das Land nach Ansicht der Ministerin. Sie verweist auf die Demografiestrategie des Landes und nennt die kinder- und familienfreundliche Politik und eine gesteuerte Zuwanderung, die den demografischen Wandel beeinflussen sollen.Extra

… die rheinland-pfälzische Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD): Wie macht sich der demografische Wandel im Land bemerkbar? Bätzing-Lichtenthäler: Wenn die Entwicklung so weitergeht, dann wird es einen Bevölkerungsrückgang in der Fläche geben. Welche Regionen werden zu den Verlierern des demografischen Wandels zählen? Bätzing-Lichtenthäler: Drei Regionen werden wachsen: Landau mit der Südpfalz, Mainz mit Rheinhessen und Trier mit den angrenzenden Gebieten des Landkreises Trier-Saarburg und der Region Bitburg. Aus anderen Regionen wandern Menschen ab. Hauptproblem ist aber doch, dass zu wenig Kinder geboren werden, oder? Bätzing-Lichtenthäler: Die Entscheidung junger Menschen, Kinder zu bekommen und eine Familie zu gründen, hängt von vielen, auch sehr persönlichen, Faktoren ab. Als Politiker wollen wir die Rahmenbedingungen für Familien verbessern, damit Familien- und Berufsplanung vereint werden können und Kinder in einem kinderfreundlichen Umfeld aufwachsen können. Wünschenswert ist, dass die Entscheidung für oder gegen Kinder eine freie ist. wie Extra

Eifel und Mosel gehören zu den Verlierern
Foto: ARRAY(0x2a8c1858)

Nur 36 der 180 Verbandsgemeinden und verbandsfreien Gemeinden in Rheinland-Pfalz werden bis zum Jahr 2035 mehr Einwohner haben als Ende 2013. Zweistellige Zuwächse werden unter anderem für die Verbandsgemeinde Saarburg erwartet. Im Jahr 2013 war die Hälfte der Rheinland-Pfälzer älter als 46 Jahre, 2035 dürfte sie demnach älter als 50 Jahre und 2060 älter als 52 Jahre sein. wie