Eifeler Hausärzte untersuchen Patienten künftig im Video-Chat

Telemedizin in der Region : Eifeler Hausärzte untersuchen Patienten künftig im Video-Chat

Weil immer mehr Ärzte fehlen, erprobt das Land Telemedizin-Versuche in vier Gebieten – auch in der Region. Verlaufen die Tests positiv, soll die Technik in ganz Rheinland-Pfalz helfen.

Der Landarzt war mal der Held einer Fernsehserie, im echten Leben ist er vom Aussterben bedroht. Alleine in der Region Trier fehlen bis zum Jahr 2022 fast 170 Hausärzte, weil sie in Rente gehen, zeigen Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung. Die rot-gelb-grüne Landesregierung stemmt sich nun erstmals mit einer Telemedizin-Offensive gegen den Ärztemangel. In vier rheinland-pfälzischen Gebieten setzt das Land ab diesem Jahr auf Pilotprojekte, bei denen ausgebildetete Assistenzkräfte zu Patienten fahren und helfen, Daten wie Blutdruck, Herzschlag oder Sauerstoff-Sättigung über technische Geräte in die Hausarzt-Praxis zu übertragen. Der Arzt kann sich via Telefon oder Video-Chat zuschalten, wenn Patienten ihn brauchen. Eins der Modellprojekte soll in der Region Trier in Daun (Vulkaneifelkreis) starten.

Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) spricht von Chancen für den ländlichen Raum. „Patienten in Seniorenheimen vermeiden mühevolle Fahrten in die Arztpraxis und lange Wartezeiten. Wo es den Doktor braucht, kann der schnelle Kontakt hergestellt werden“, sagt sie. Pro Versorgungsgebiet hofft die Ministerin auf fünf bis zehn Praxen, die sich einbringen. Regionale Info-Veranstaltungen plant das Land nach der Sommerpause. Die Telemedizin-Projekte sollen 24 Monate laufen. Nehmen Patienten die Tests an, will das Land die Technik in ganz Rheinland-Pfalz einsetzen.

Der Vulkaneifeler Landrat Heinz-Peter Thiel spricht von einem „maßgeblichen Schritt nach vorne, der die ärztliche Versorgung auf dem Land stärkt“. Burkhard Zwerenz, Vorsitzender des rheinland-pfälzischen Hausärzteverbandes, hofft auf Entlastung. „Telemedizin alleine kann aber nicht das Versorgungsproblem lösen“, schätzt der Mediziner aus Prüm. Der Landesdatenschutzbeauftragte Dieter Kugelmann warnt davor, nachlässig mit Gesundheitsdaten umzugehen. „Wenn Patienten dem Arzt alles über das Internet erzählen, braucht es eine sichere Infrastruktur“, fordert er. CDU und AfD fordern schnelleres Netz, damit Verbindungen nicht abbrechen.

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