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Eifeler SPD stellt mögliche Bundestagskandidaten vor, und die läuten schon den Wahlkampf ein

Eifeler SPD stellt mögliche Bundestagskandidaten vor, und die läuten schon den Wahlkampf ein

Jetzt ist es amtlich: Die SPD-Delegierten im Wahlkreis Bitburg haben Ende November die Qual der Wahl, wen sie ins Rennen um ein Bundestagsmandat schicken. Drei Bewerber sind im Finale. Aber was treibt sie eigentlich an – angesichts der eher düsteren Aussichten?

Wenn sich die 80 Genossen aus den drei Kreisen Bitburg-Prüm, Bernkastel-Wittlich und Vulkaneifel am 25. November in der Prümer Karolingerhalle treffen, werden sich einige Delegierte an das Jahr 2008 zurückerinnern. Fast auf den Tag genau vor acht Jahren konnten sich die Eifeler Sozialdemokraten schon einmal zwischen drei Kandidaten entscheiden - und votierten schließlich für die damals 58-jährige Elke Leonhard als SPD-Direktkandidatin für den Bundestag. Leonhard schaffte den neuerlichen Einzug in den Bundestag weder über das Direktmandat noch über die Liste.

Einer ihrer seinerzeit unterlegenen innerparteilichen Konkurrenten im Kampf um die SPD-Kandidatur ist bei der bevorstehenden Wahlkreiskonferenz einer der Hauptstrippenzieher: Nico Steinbach, Bitburg-Prümer Parteichef und seit dieser Legislaturperiode Landtagsabgeordneter, kam vor einiger Zeit auf die Idee, einen Bundestagskandidaten per Stellenanzeige zu suchen . In ganz Deutschland berichteten die Medien darüber.

Der Andrang war gewaltig, nun stehen die Finalisten fest. Aus dem ungewöhnlichen Bewerbungsverfahren werden mit dem 55-jährigen Antonio Giarra-Zimmermann und dem 32-jährigen Maschinenbauingenieur Jan Pauls zwei Kandidaten ins Rennen geschickt; daneben hat der Vulkaneifelkreis mit dem 26-jährigen Tobias Geisbüsch noch einen eigenen Bewerber nominiert.

Am Dienstagabend wurde das Trio in Bitburg der Öffentlichkeit vorgestellt. Die spannende Frage: Warum bewirbt sich jemand aus Berlin oder Aachen um einen Job in der Eifel, der mit viel Wahlkampf verbunden ist und eher miserablen Aussichten?

"Man kann das Direktmandat holen", gibt sich Giarra-Zimmermann zuversichtlich, "das ist ambitioniert, aber möglich." Kennt der Abteilungsleiter der Mainzer Staatskanzlei denn nicht den Abstand, mit dem CDU-Mann Patrick Schnieder bei der vergangenen Bundestagswahl das Direktmandat holte? "30 Prozentpunkte", antwortet er wie aus der Pistole geschossen.

Schlagfertig gibt sich auch der aus der Nordeifel kommende Jan Pauls. Das Direktmandat könne durchaus für die SPD gewonnen werden, "ich werde jedenfalls alles dransetzen", sagt der Maschinenbauer. Den schnellsten Sprung in die Riege der möglichen SPD-Kandidaten legte der gebürtige Dauner Tobias Geisbüsch hin. Nachdem er in der Zeitung über die Suche nach einem Bundestagskandidaten gelesen hatte, stellte er sich nach eigenen Angaben bei örtlichen Parteifunktionären vor und wurde bereits kurze Zeit später von der SPD des Vulkaneifelkreises nominiert.

Es sei ja bekannt, dass die SPD ein Nachwuchsproblem habe, meint der studierte Landschaftsarchitekt. Im Gegensatz zu den beiden anderen Bewerbern dürfte der 26-Jährige bereits Stimmen der Delegierten sicher haben.

Der Vulkaneifelkreis stellt 21 der 80 Delegierten - genau so viele wie der Kreis Bernkastel-Wittlich. 38 Delegierte kommen aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm. Wer im ersten Wahlgang gewählt werden will, benötigt die absolute Mehrheit. Erst danach reicht die einfache Mehrheit. Am Samstagabend in zweieinhalb Wochen steht dann fest, wer für die Eifeler SPD in den Bundestagswahlkampf ziehen wird. Extra

 Vorstellung der Kandidaten für das Direktmandat im Wahlkreis 202
Vorstellung der Kandidaten für das Direktmandat im Wahlkreis 202 Foto: Rolf Seydewitz

Bereits am Montagabend präsentierten sich die drei Kandidaten in Wittlich dem dortigen SPD-Kreisvorstand . Zehn Minuten hatte jeder von ihnen für eine persönliche Vorstellung Zeit, anschließend fragten die Genossen das Trio rund eineinhalb Stunden aus. Vorrangig ging es dabei um Fragen nach den Kernthemen für den Wahlkampf, die Präsenz bei den Wählern vor Ort und die möglichen Koalitionspartner. Eine Empfehlung für die Delegiertenversammlung am 25. November sprachen die Mitglieder nicht aus. "Das wäre ein Schnellschuss heute Abend", sagte Bernkastel-Wittlichs Kreisvorsitzende Bettina Brück. Großen Zuspruch gab es für die Idee von Nico Steinbach, einen Kandidaten per öffentlicher Ausschreibung zu suchen (will)