Ein alter Abt soll neuen Schwung bringen

Ein alter Abt soll neuen Schwung bringen

Das knapp 900 Jahre alte Eifeler Zisterzienserkloster Himmerod bleibt bestehen. Vorerst. Doch die Probleme der finanziell und personell angeschlagenen Abtei bleiben. Die spannende Frage: Kann die Rettung innerhalb eines Jahres wirklich gelingen? Ein Westerwälder Alt-Abt soll dabei helfen.

Trier/Himmerod. Für den vorzeitig abgesetzten Interimsleiter des Klosters Himmerod, Pater Stephan Senge, muss das vergangene Wochenende etwas Befreiendes gehabt haben. Endlich, nach Wochen des Hoffens und Bangens, hatte der 78-jährige Adminis trator nach seiner Rückkehr aus dem bayerischen Waldsassen eine frohe Botschaft im Gepäck: Das finanziell und personell in Schieflage geratene Kloster hat von den Zisterzienseroberen eine einjährige Gnadenfrist bekommen. "Alle Mitbrüder haben sich sehr gefreut", sagt Pater Stephan, "und am Sonntag gab es im Gottesdienst sogar stehende Ovationen von den Gläubigen."
Mit diesem Satz ist Senges Redefluss aber auch schon wieder gestoppt. Er will, besser gesagt, er darf nicht mehr sagen. Für alle Äußerungen zu Himmerod sei künftig ein Herr Schiffl zuständig, lässt er den TV noch wissen.
Herr Schiffl ist kein Mönch, sondern Mitinhaber einer privaten österreichischen Agentur, die damit wirbt, Expertin in Sachen Krisenkommunikation zu sein. Deren Motto: "Wir bleiben cool, auch wenn es hitzig wird."
Suche nach Erfolgskonzepten


Bis dato war Schiffl schon Sprachrohr von Abtpräses Anselm van der Linde, dem Chef der Zisterzienserkongregation, und Abt Andreas Range, dem Ordensoberen der Himmerod vorgesetzten Abtei Marienstatt (Westerwald). Ab sofort spricht Schiffl also auch noch für das Eifeler Problemkloster. Schiffls erste Amtshandlung: Gestern Abend gab der Kommunikationsexperte den Namen des neuen Adminis trators bekannt: Der Alt-Abt von Marienstatt, Thomas Denter, hat ab sofort in Himmerod das Sagen. Als langjähriger Leiter der Westerwälder Abtei habe der heute 75-Jährige "umfassende Erfahrungen in der Leitung der Klostergemeinschaft sowie der erfolgreichen Verwaltung von Wirtschaftsbetrieben gesammlt", heißt es in einer Mitteilung der Kongregation.
Denters Vorgänger Stephan Senge hatte den Job zu Beginn des Jahres nur widerwillig übernommen, nachdem Alt-Abt Bruno Fromme "aus gesundheitlichen Gründen" zurückgetreten war. Elf Zisterziensermönche leben noch in dem riesigen Klosterareal, der Altersdurchschnitt liegt nach der Rechnung des scheidenden Administrators bei knapp 63 Jahren.
Um das zweite Sorgenkind des Klosters, die insolventen Wirtschaftsbetriebe, soll sich künftig ein Verwalter kümmern. Wer das sein wird, ist noch offen. Das ehrgeizige Ziel: Gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter und dem neuen Administrator sollen "erfolgversprechende Konzepte gestartet und umgesetzt werden". Der Insolvenzverwalter war am Montag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Wie es heißt, soll inzwischen einem Großteil der 35 zivilen Himmerod-Beschäftigten zum 31. Oktober gekündigt worden sein.
Bistum reagiert zurückhaltend


Neben den vielen Schweigsamen gibt es einen, der sich äußert: Walter Densborn, Geschäftsführer des Himmeroder Museumsvereins und Mitinitiator einer Pro-Himmerod-Initiative. Der ehemalige Manderscheider Verbandsbürgermeister will dafür sorgen, dass die zahlreichen Himmerod-Fürsprecher nun auch bei der Stange bleiben und sich möglichst ehrenamtlich weiter für das Kloster engagieren. "Jeder muss jetzt sagen, was er tun will und tun kann", sagt Densborn.
Über solche Äußerungen dürfte sich Abtpräses Anselm freuen, hatte er doch am Freitag angekündigt, all jene beim Wort zu nehmen, die sich für den Fortbestand des Klosters ausgesprochen haben: "Wir werden dabei auch auf die Unterstützung auf kirchlicher und (regional)politischer Ebene angewiesen sein."
Konkreter wurde der Zisterzienserobere nicht. Im Trierer Generalvikariat scheint bislang noch kein Hilfeersuchen eingegangen zu sein. "Ich kenne jedenfalls keins", sagt Sprecher Stephan Kronenburg, der angesichts der Gnadenfrist für das Kloster nicht gerade in Jubel ausbricht: "Es ist angemessen, dass der Orden genau prüft, ob Himmerod eine Zukunft hat." Das klingt nicht so, als sei aus Trier die große Unterstützung zu erwarten.

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