„Ein Anschlag gegen die Menschheit“ - Mainz und Bad Kreuznach trauern um Terroropfer

„Ein Anschlag gegen die Menschheit“ - Mainz und Bad Kreuznach trauern um Terroropfer

Drei der Istanbuler Todesopfer stammen aus Rheinland-Pfalz. In ihren Heimatstädten Mainz und Bad Kreuznach herrscht vor allem Trauer. Aber auch Wut mischt sich in die Gefühle der Menschen.

Der Terroranschlag in Istanbul hat auch die Türkische Gemeinde in Mainz und Rheinland-Pfalz (TGM) ins Herz getroffen. "Man meinte immer, es sei so weit weg", sagt Neset Hizir, Vorsitzender der TGM, am Mittwoch. Unter den Todesopfern sind ein 61 Jahre alter Mann und seine 59-jährige Frau aus Mainz-Bretzenheim. Bad Kreuznach beklagt den Tod eines 73-jährigen Bürgers.

Der Anschlag mache ihn gleich mehrfach betroffen, sagt Hizir: Wegen der Opfer, weil er wie zwei der Getöteten selbst in Mainz lebe und weil er zudem eine Zweitwohnung am Anschlagsort Istanbul habe. Auch die anderen Vereinsmitglieder trauerten und redeten etwa in der Familie über den Anschlag. Dieser sei "gegen die Menschheit" gewesen, meint Hizir. Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) spricht von einem feigen und brutalen Attentat gegen Unschuldige. Das erfülle nicht nur mit Trauer, sondern auch mit Wut. Eine öffentliche Trauerfeier oder ein Kondolenzbuch sind laut einem Sprecher der Stadt vorerst nicht geplant. Man müsse der betroffenen Familie erst einmal Zeit geben. Die Ehefrau des Bad Kreuznacher Todesopfers hat schwer verletzt überlebt.

Die ganze Stadt, auch ihre türkische Gemeinde, trauere, sagt Bad Kreuznachs Oberbürgermeisterin Heike Kaster-Meurer (SPD). Sie sei aber zugleich wütend, weil der Terror auch hier plötzlich so greifbar sei und die Leute in ihrer Freiheit einschränke. "Meine Anteilnahme gilt den Angehörigen." Zu einer möglichen Trauerfeier in Bad Kreuznach könne sie noch nichts sagen.

Wie überbringt man Hinterbliebenen am besten die Nachricht vom Tod eines Familienmitgliedes? Vor allem mit Klarheit, sagt die Notfallseelsorgerin der Evangelischen Kirche der Pfalz, Anne Henning. "Das ist eine der Grundregeln." Eine andere sei es, die Todesumstände genau zu kennen. Angehörige stellten viele Fragen. "Die wollen alles wissen, was man wissen kann in dem Moment." Wichtig sei auch, die Nachricht zu zweit zu überbringen, ergänzt Henning. So könne man sich etwa trennen und gezielt reagieren, wenn kleine Kinder dabei seien. Vor allem müsse aber nach der Nachricht "hingespürt" werden, was der Trauernde brauche. Bei religiösen Menschen könne man zum Beispiel ein gemeinsames Gebet anbieten.