Ein deutscher Front National? - Die Landes-AfD und ihre Verbindungen ins rechtsextreme Milieu

Trier · Wie weit rechts steht die Alternative für Deutschland? „Extrem weit rechts“, sagen viele rheinland-pfälzische Sozialdemokraten. Aber auch in den Reihen der Landes-AfD gab es immer wieder Stimmen, denen der Kurs zu radikal war und die der Partei den Rücken kehrten.

Als die rheinland-pfälzische AfD-Vizechefin Beatrix Klingel Anfang des Jahres den Bettel hinwarf, da tat die 60-Jährige dies mit einem lauten Knall. "Ich will nicht der Steigbügelhalter für einen vielleicht entstehenden deutschen Front National sein", begründete sie im Gespräch mit Journalisten ihren Rücktritt.

Es war nicht das erste Mal, dass Beatrix Klingel vor rechtsextremen Tendenzen in der AfD gewarnt hatte. Schon früher hatte die Funktionärin kritisiert, sie könne eine Annäherung an das islamkritische Pegida-Bündnis und die Fixierung von Teilen der Partei auf die Themen Islam und Einwanderung nicht nachvollziehen. Nun war Klingel endgültig der Kragen geplatzt.

Nur wenige Wochen zuvor hatte es im AfD-Landesvorstand Knatsch zwischen dem damaligen Vorsitzenden Uwe Zimmermann und Vize Christian Schreckenberger gegeben. Ein Kritikpunkt unter vielen: Schreckenberger habe sich für die Aufnahme eines ehemaligen NPD-Funktionärs in die AfD starkgemacht. Einer Attacke von Rechtsaußen musste sich Mitte Mai der aus Saarburg kommende Landesvorsitzende erwehren. Doch Uwe Zimmermann gewann die Vorstandswahl gegen seine Herausforderin Christiane Christen, die dem nationalkonservativen Flügel zugerechnet wird. Es war ein Sieg mit nur kurzer Halbwertzeit. Knapp zwei Monate nach dem Landesparteitag erklärten Zimmermann und zwei weitere Vorstandsmitglieder ihren Austritt aus der Partei - Konsequenz aus der Niederlage von Bundesparteichef Bernd Lucke auf dem Parteitag in Essen.

Die drei zurückgetretenen Landesvorstandsmitglieder waren Unterzeichner des Weckrufs, der sich gegen den nationalkonservativen Flügel in der AfD stellte. Die Landes-AfD verlor seinerzeit 200 ihrer 1250 Mitglieder. Inzwischen sei die Austrittswelle abgeebbt, bewege man sich bei der Zahl der Mitglieder wieder in etwa auf dem früheren Niveau, sagt AfD-Sprecher Jan Bollinger. An den Vorwürfen hat sich nichts geändert. Zuletzt kritisierte SPD-Landtagsfraktionschef Alexander Schweitzer die AfD als in Teilen "Rechtsradikale im Schafspelz", die geächtet werden müssten.

Zuvor war bekannt geworden, dass der neue Landesvorsitzende Uwe Junge Mitglied der vom bayerischen Verfassungsschutz als extremistisch eingestuften islamfeindlichen Partei Die Freiheit war. Junge sei wegen der sich abzeichnenden Positionierung als Anti-Islam-Partei frühzeitig ausgetreten und habe dies auch in seinem Austrittsschreiben formuliert, sagt Parteisprecher Bollinger. Und Beatrix Klingel? Das wegen der rechtsextremen Tendenzen Anfang des Jahres zurückgetretene AfD-Vorstandsmitglied glaubt, dass seine Befürchtungen eingetreten seien. "Ist doch ziemlich eindeutig, oder?"