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"Ein fast perfektes Lügenkonstrukt"

"Ein fast perfektes Lügenkonstrukt"

Zwei wegen der Tötung des Ehemanns und Vaters angeklagte Frauen aus der Eifel sollen für zwölf beziehungsweise zehn Jahre hinter Gitter. Das hat gestern Staatsanwalt Eric Samel in seinem Plädoyer vor dem Trierer Landgericht gefordert. Auf Freispruch plädierten dagegen die Verteidiger der beiden Frauen.

Trier. Gertrud M. verzieht nicht eine Miene, als Staatsanwalt Eric Samel gestern Nachmittag auf die seiner Ansicht nach gerechte Strafe für die 59-Jährige zu sprechen kommt. "Zwölf Jahre Gefängnis wegen Anstiftung zum Totschlag, gefährlicher Körperverletzung, gewerbsmäßigen Betrugs und Urkundenfälschung", lautet Samels Forderung zum Schluss seines einstündigen Plädoyers. Zuvor hat der Trierer Ankläger auch nicht ein gutes Haar an der selbst ernannten Heilerin gelassen, die vor neun Jahren - gemeinsam mit der Tochter - den 61-jährigen Ehemann Karl-Heinz getötet haben soll. Ein Verbrechen, das in die deutsche Kriminalgeschichte eingehen dürfte. Es wäre wohl nie entdeckt worden, wäre nicht die Tochter 2005 reumütig zur Polizei gegangen und hätte die Tat angezeigt. Manuela M. hatte damals gestanden, den angeblich von der Mutter zuvor monatelang mit starken Medikamenten sedierten Vater "aus Mitleid" mit einem Tau erdrosselt zu haben. Die Leiche versteckten die beiden Frauen in Südfrankreich. Zwar widerrief Manuela anschließend ihr Geständnis einige Male, um es genauso oft zu erneuern. Gestörtes Verhältnis zur Wahrheit

Doch Staatsanwalt Eric Samel sagt am Dienstag, er halte nach wie vor die ursprünglich bei der Polizei gemachte Aussage Manuelas für glaubwürdig. Auch deshalb, weil sie durch die Ermittlungsergebnisse gedeckt werde. "Die Skelett-Untersuchung des Opfers und ein toxikologisches Gutachten bestätigen die Angaben", sagt Samel. Und belasten nach Ansicht des Staatsanwalts die Mutter, die bis zum Schluss geleugnet hat, etwas mit dem Tod ihres Mannes zu tun zu haben. "Ein manifestes Lügenkonstrukt, das fast zur Perfektion gelangt wäre", glaubt Samel. Der Ankläger bescheinigt der 59-Jährigen "eine unglaubliche kriminelle Energie bei der Tat und im Nachhinein. Sie haben jahrelang Gott und die Welt belogen und betrogen." Der Tochter hält Samel zugute, dass sie die Tat offenbart habe und sichtbar unter ihr leide.Schweres verbales Geschütz gegen Manuela fährt in ihrem Plädoyer dagegen Karin Rappenhöner, die Verteidigerin der Mutter, auf. Die Tochter habe schon immer ein gestörtes Verhältnis zur Wahrheit gehabt. Zudem sei es "ein Wesenszug von ihr, ausgerechnet die Menschen zu verletzen, denen sie nahesteht". Allenfalls wegen Betrugs (Gertrud M. hatte gestanden, jahrelang die Rente ihres toten Mannes kassiert zu haben) könne die 59-Jährige bestraft werden. Auf Freispruch plädiert Ralf Gorski, der die Tochter verteidigt. Manuela sei seit Jahren in psychiatrischer Behandlung. Es gebe keinen Beweis, dass sich die Tat so abgespielt habe, wie von ihr geschildert. Morgen fällt das Urteil.