Ein "großer Fisch" an der Angel

Ein "großer Fisch" an der Angel

Die Fahnder sind sicher: Ihnen ist ein elementarer Schlag gegen die Drogenszene in der Eifel gelungen. Mit der Festnahme eines 28-jährigen Eifelers sind gleich 170 Verdächtige ins Visier der Ermittler geraten.

Wittlich/Koblenz. Die Gefängnisstrafe hat auf den 28-Jährigen aus der Nähe von Prüm anscheinend keine Wirkung gehabt. Obwohl er zu einer Haft von sechs Jahren verurteilt worden war, nutzte der Drogendealer den Freigang aus seiner Zelle zu weiteren Drogengeschäften. Mitte Januar klickten dann in Koblenz die Handschellen. Der 28-jährige Häftling wurde auf frischer Tat ertappt, als er einem Kunden "Stoff" verkaufte. Dass die Fahnder keinen "kleinen Fisch" an der Angel hatten, war ihnen wohl vorher schon bewusst - immerhin saß der Eifeler ja bereits wegen umfangreicher Drogengeschäfte im Gefängnis. Dass mit der neuerlichen Festnahme des Mannes den Ermittlern von Zoll und Kripo Wittlich ein Schlag gegen die Eifeler Drogenszene gelang, stellte sich erst im Laufe der fast sechs Monate dauernden Ermittlungen heraus. Offenbar hat der 28-Jährige ein ganzes Netz von Kurieren und Dealern um sich aufgebaut. Innerhalb eines Jahres soll er insgesamt 120 Kilogramm Marihuana, 106 Kilogram Amphetamin, zweieinhalb Kilo Kokain, 20 000 Ecstasy-Pillen und 30 000 Potenzpillen aus den Niederlanden eingeführt haben. Teilweise wurde ihm der "Stoff" auch von Kurieren aus dem Nachbarland direkt nach Prüm geliefert. Kunden hatte der Eifeler nicht nur in Prüm, sondern auch in Koblenz und Kaiserslautern. Wahrscheinlich hat die Festnahme eines der Konsumenten zu den Ermittlungen gegen den Prümer geführt.

Insgesamt ermitteln die Drogenfahnder derzeit gegen 170 Personen. Sie sollen entweder Drogen von dem Prümer gekauft, in seinem Auftrag das Haschisch, das Kokain und die Pillen über die Grenze transportiert oder die Drogen verkauft haben. "Das ist eine der umfangreichsten Ermittlungen, die wir bislang geführt haben", sagt Hans-Jürgen Schmidt, Sprecher des Zollfahndungsamtes Frankfurt. Die Drogenfahnder des Zolls koordinierten die monatelangen Ermittlungen. "Das ist ein elementarer Schlag gegen die Drogenszene in der Eifel", sagt Schmidt. 3,2 Millionen Euro beträgt der Straßenverkaufswert der von dem Eifeler verkauften Drogen. Damit dürfte er einer der größten Dealer sein, den die Fahnder in jüngster Zeit geschnappt haben. Zum Vergleich: 2007 hat die mobile Zoll-Kontrollgruppe Bitburg sechs Kilogramm Amphetamin, vier Kilo Haschisch, 147 Gramm Kokain und acht Kilogramm Marihuana sichergestellt.

Gegen 18 der insgesamt 170 ins Visier der Fahnder geratenen Verdächtigen wurde Haftbefehl erlassen. 16 von ihnen sitzen derzeit in Untersuchungshaft, zwei wurden gegen Auflagen auf freien Fuß gesetzt. Unter den Verdächtigen sind laut Schmidt viele "Bekannte". Wie der 28-jährige Haupttäter sind viele der Beschuldigten den Fahndern bereits wegen früherer Drogendelikte bekannt. Einige machten die Drogengeschäfte während ihrer Bewährungszeit.

Immer wieder werden in der Eifel Drogenkuriere von Zollfahndern geschnappt. Die Nähe zu den Niederlanden macht die Straßen zwischen Prüm und Bitburg zu Drogenrouten. Nach Ansicht der Ermittler sind aber nur knapp 20 Prozent des durch die Eifel transportierten "Stoffes" für den heimischen Markt bestimmt. Der Rest geht an Konsumenten in anderen Landstrichen. Eifel, Mosel und Hunsrück sind aber keine Inseln der Seligen, was Drogenkonsum und -verkauf angeht. Das belegen aktuelle Zahlen aus der Trierer Staatsanwaltschaft: Derzeit sitzen laut Leitendem Oberstaatsanwalt Jürgen Brauer 60 Verdächtige wegen Drogendelikten in U-Haft.

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