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Ein Klima des Misstrauens auf dem Hahn

Ein Klima des Misstrauens auf dem Hahn

Der Betriebsrat gegen den Flughafenchef, der Geschäftsführer gegen die Arbeitnehmervertretung: Zwischen verschiedenen Mitarbeitern des Flughafens Hahn verläuft derzeit ein tiefer Graben und es herrscht starkes Misstrauen.

Lautzenhausen. Unter den Mitarbeitern des Flughafens Hahn scheint derzeit ein Klima des Misstrauens zu herrschen. Offen spricht keiner über die Querelen, die es derzeit in dem Unternehmen gibt. Nur hinter vorgehaltener Hand wird erzählt.
Klar zu sein scheint, dass es zwei Fronten gibt: Auf der einen Seite Hahn-Co-Geschäftsführer Heinz Rethage und einige Mitarbeiter, die gegen den Betriebsrat sind. Und auf der anderen Seite eben Betriebsrat und Mitarbeiter, die gegen Rethage stehen.
Vergangene Woche sind die Streitigkeiten eskaliert. Der Betriebsrat zeigte den Hahn-Chef an, weil er Interna aus der Betriebsratstätigkeit verwendet haben soll (der TV berichtete). In dieser Woche haben sich wiederum elf Mitarbeiter in einem Brief an Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) gewandt, in dem sie dem Betriebsrat Mobbing vorwerfen. Einige dieser dem jetzigen Betriebsrat kritisch gegenüberstehenden Beschäftigten wollen angeblich bei der in der kommenden Woche anstehenden Betriebsratswahl auf dem Hahn mit einer eigenen Liste antreten. Allerdings ist die Liste wohl wegen Formfehlern nicht zugelassen. Daher gehen Beobachter davon aus, dass die Wahl wohl angefochten wird. Gegen eine dieser Mitarbeiterinnen wiederum wurde nun Strafanzeige erstattet, weil sie unerlaubt einen Mitschnitt von einer Betriebsversammlung gemacht haben soll. Die Staatsanwaltschaft Koblenz bestätigte den Eingang der Strafanzeige, die an die zuständige Staatsanwaltschaft in Bad Kreuznach weitergeleitet werden solle.
Gegenüber Rethage kritisch eingestellte Mitarbeiter berichten von einem vergifteten Klima. Rethage habe den Betriebsrat bei Personalentscheidungen öfter übergangen. Eine konstruktive Mitarbeit sei mit dem Hahn-Chef nicht möglich. Beschäftigte sprechen von Rethage als "Dr. Jeckyll und Mr. Hyde": In größerer Runde gebe er sich freundlich und verständnisvoll. Hinter verschlossenen Türen vergesse er seine Manieren und benehme sich wie ein Bulldozer.
Die Arbeitnehmervertretung hat immer wieder betont, dass sie hinter dem Sanierungskonzept von Rethage stehe. Das sieht Einsparungen etwa beim Einkauf, beim Sponsoring oder bei der Reinigung vor. Mehreinnahmen sollen etwa durch höhere Parkgebühren erzielt werden.