Ein lohnendes Geschäft: Mit altem Papier lässt sich jede Menge Geld verdienen

Ein lohnendes Geschäft: Mit altem Papier lässt sich jede Menge Geld verdienen

Es geht ums Geld. Um Geld, das man mit Müll verdienen kann. Genauer: mit Papierabfällen. Entsorger verdienen am Verkauf des Altpapiers an Recyclingfirmen. Und um diese Einnahmen ist in der Region ein heftiger Streit entbrannt.

Mit Altpapier lässt sich Geld verdienen. 100 Euro pro Tonne zahlen Recyclingbetriebe derzeit. Ein lohnendes Geschäft also für Abfallentsorger wie den Abfallzweckverband ART, der für die Müllsammlung in der gesamten Region zuständig ist. Allein in Trier und Trier-Saarburg werden pro Jahr 40 000 Tonnen Papier eingesammelt. Der Vulkaneifel-Kreis hat 2015 durch den Verkauf von Papiermüll 600 000 Euro eingenommen. Kein Wunder also, dass auch andere Entsorger etwas von dem Kuchen abhaben wollen. Denn was kaum jemand beachtet: In der Papiertonne finden sich zwei Sorten von Abfall. Erstens das "normale" Papier (etwa von der Zeitung) und zweitens Kartons (etwa vom neuen Handy oder der letzten Online-Bestellung). Letztere sind sogenannter Verpackungsmüll - genau wie Joghurtbecher oder Plastikflaschen. Zuständig für seine Entsorgung sind zum sogenannten Dualen System gehörende Entsorgungsbetriebe. Diese haben Abfallentsorger vor Ort mit dem Abholen der Gelben Säcke für den Plastikmüll sowie der Papiertonne beauftragt. In der Region ist das der Zweckverband ART. Er bekommt von dem im Dualen System zusammengeschlossenen Firmen Geld für die Entsorgung des privaten Verpackungsmülls.

Das Geld wiederum stammt aus Einnahmen beim Verkauf von Lizenzen an Unternehmen, die die Verpackungen verwenden. Sie müssen laut Verpackungsverordnung dafür sorgen, dass Umverpackungen - etwa einer Zahncreme - auch tatsächlich wiederverwertet werden. Dieser Nachweis erfolgt durch den Kauf der Lizenz, den sogenannten Grünen Punkt.

Die Unternehmen des Dualen Systems sind entsprechend ihrem Anteil an den Papierverpackungen auch an den Erlösen aus dem Altpapierverkauf beteiligt. Einer dieser Entsorgungsbetriebe, die Kölner Zentek, glaubt nun, dass die Erlöse, die sie vom ART bekommt, zu niedrig sind. Das sei nicht akzeptabel und unrechtmäßig, argumentiert Zentek. Daher wurde 2013 der Vertrag mit dem ART gekündigt. Was bedeutet, dass Zentek seitdem nichts mehr für die Papiersammlung in Trier und Trier-Saarburg bezahlt. Daraufhin hat der ART das Unternehmen verklagt.

"Das Gericht hat aber unsere Auffassung bestätigt und zu unseren Gunsten entschieden", sagte ein Zentek-Sprecher unserer Zeitung. Die Richter hatten nämlich entschieden, dass der ART dem Unternehmen künftig seinen Anteil an Papier, Pappe und Kartons herausgeben muss, damit Zentek diese selbst vermarkten kann. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig, weil der ART in Berufung gegangen ist. ART-Chef Max Monzel befürchtet: Falls das Urteil bestätigt wird, könnten andere Unternehmen des Dualen Systems dem Beispiel von Zentek folgen. Damit würde nicht nur der Aufwand für das nachträgliche Sortieren des Altpapiers größer, sondern die Erlöse aus dem Verkauf würden schrumpfen. Das könnte dann höhere Müllgebühren bedeuten.
Extra

So viel bezahlt ein Zweipersonenhaushalt in der Region Trier für die Müllentsorgung: Im Kreis Bernkastel-Wittlich kostet die zwölfmalige Leerung der 80-Liter-Tonne 86,40 Euro im Jahr. Im Landkreis Vulkaneifel kostet die Müllentsorgung inklusive Bioabfall 121 Euro im Jahr. Wird der Bioabfall selbst kompostiert, beträgt der Jahresbeitrag nur 78 Euro. Im Landkreis Trier-Saarburg und in der Stadt Trier kostet die Abfallentsorgung im Jahr 89,28 Euro, wobei die 80-Liter-Tonne sogar 26-mal im Jahr geleert wird. red