Ein Netz für alle Kinder

MAINZ. Der Ausbau des Hilfsangebots für Familien und verbindliche Einladungen zu Vorsorgeuntersuchungen sollen in Rheinland-Pfalz Kinder besser vor Vernachlässigung und Misshandlung schützen. Ein Konzept von Familienministerin Malu Dreyer sieht auch die landesweite Ausweitung des Projekts "Guter Start ins Kinderleben" vor.

Eine unabhängige Zentralstelle soll in Rheinland-Pfalz bald dafür sorgen, dass möglichst kein Kind mehr durch das Netz der neun Vorsorgeuntersuchungen fällt. Mit verbindlichen Einladung ab der Vorsorge U5 (sechster Lebensmonat) wird nicht zuletzt eine Forderung der Kinderärzte aufgegriffen, weil ab diesem Zeitpunkt die Teilnahmequote von vorher nahezu 100 Prozent auf bis zu 80 Prozent abrutscht. Mit den Ärzten wird eine Meldung der besuchten Termine an die Zentralstelle vereinbart. Ergibt ein Abgleich mit dem Einwohnermelderegister Versäumnisse, wird ein zweites Mal eingeladen. Wenn auch diese Aufforderung ignoriert wird, ist das Jugendamt zu informieren. Die Behörde entscheidet dann im Einzelfall über einen Hausbesuch oder eine Visite des öffentlichen Gesundheitsdienstes. Familien sollten nicht unter Generalverdacht gestellt werden, und man werde auch nicht mit der Polizei auflaufen, versicherte Dreyer. Zum Schutz des Kindeswohls will sie dennoch eine Eingriffsmöglichkeit schaffen. Ein entsprechendes Gesetz soll nach einer Expertenanhörung im Sommer in den Landtag eingebracht werden. Über einen von den Kinderärzten geforderten kürzeren Rhythmus der Vorsorgeuntersuchungen, die zudem auch Punkte wie Verhaltensstörungen oder Sozialprobleme umfassen sollen, wird laut Dreyer derzeit im zuständigen Bundesausschuss verhandelt. Um Kinder vor Vernachlässigung und Misshandlung besser zu schützen, plant die Ministerin vor allem den Ausbau von Beratung und Hilfen, damit die Erziehung-Eignung der Eltern gestärkt wird. Mangelnde Fürsorge gilt häufig als Zeichen für die Überforderung von Eltern. So soll das Projekt "Guter Start ins Kinderleben", das bereits in Trier und Ludwigshafen läuft, flächendeckend ausgeweitet werden. Darin arbeiten Geburtskliniken, Jugendhilfe, Kinderärzte und Hebammen eng zusammen. Unterstützungsangebote werden miteinander verbunden, um eine möglich lückenlose Kette von Hilfen zu schaffen. Ein Teil davon ist die Weiterqualifizierung von Hebammen in Sachen Familienhilfe, um frühzeitig reagieren zu können. Weil Kinder- und Jugendhilfe vorrangig kommunale Angelegenheit ist, soll eine Servicestelle die Gemeinden beim Aufbau von Netzwerken unterstützten. Das Land stellt 2,8 Millionen Euro bereit, davon zwei Millionen für die Kommunen.