Ein paar Bier und das Wort zum Sonntag

Ein paar Bier und das Wort zum Sonntag

Vier Kanzler, über eine Million Flugkilometer: Unzählige Male hat der Journalist Mainhardt Graf von Nayhauß (Foto: dpa) Helmut Kohl oder Gerhard Schröder auf Dienstreisen in Regierungsmaschinen begleitet.

Berlin. (wk) China hin und zurück in zwei Tagen, Washington auch schon mal in einem. Dazwischen Termine, Schlaflosigkeit, Stress. Die Begleitung der Bundeskanzlerin bei Auslandsreisen ist nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig, und doch drängeln sich die Hauptstadtjournalisten regelrecht nach einem Platz in der "Konrad Adenauer" oder der "Theodor Heuss". Bild-Kolumnist Mainhardt Graf von Nayhauß ist in seinem Berufsleben so oft wie kein anderer mitgeflogen, mit vier verschiedenen Kanzlern 1374 Stunden lang und über eine Million Flugkilometer weit. Jetzt hat er in einem Buch die "Geheimnisse der Kanzlerreisen" gelüftet und dazu zahlreiche privat gemachte Fotos veröffentlicht. 15 bis 20 Journalisten haben jedes Mal die Chance, zur Begleitpresse zu gehören. Sie sitzen hinten, in der "Holzklasse", werden aber nach der Landung genauso privilegiert behandelt wie die vorne im Business-Abteil sitzenden Beamten. Selbstverständlich kommen sie mit hinein in jeden Regierungspalast, wenn auch meist nur bis zum Flur, und selbstverständlich logieren sie im selben Hotel wie die Regierungschefin. Morgens trifft man sich beim Frühstück, abends vielleicht noch zu einer Plauderei an der Bar. Da fällt viel Stoff für die Berichterstattung ab. Aber auch für Klatsch, Nayhauß' Spezialgebiet. Der erlebt so zum Beispiel, wie Gerhard Schröder 2002 in Ottawa den WM-Halbfinalsieg der deutschen Elf bejubelt. Oder wie Helmut Kohl 1987 zwischen Tibet und Nepal in 10 000 Metern Höhe einen Prälaten bittet, über das Bordmikrofon ein paar Worte zum Sonntag zu sprechen. Auf der Rückreise, wenn alles getan ist, herrschte auf den Flügen manchmal Urlaubsstimmung. Schröder kam dann gerne nach hinten, erzählte Witze und kippte zusammen mit der Pressemeute ein Bier. Angela Merkel ruft die Journalisten meist zu sich in den Besprechungsraum, um zu reden. Man merkt auch gleich, wenn ein Kanzler in einer Krise ist. Dann schließt er sich ein in seinem Kabinentrakt, wo zwei Schlafräume mit Dusche sind.Frust gibt es bei der Hauptstadtpresse, weil fast immer die gleichen Journalisten eingeladen werden. Das wird sich wohl ändern, wenn die betagten Airbusse A 310 VIP ausgemustert werden. Sie fassen nur Delegationen von 70 Personen. Die bestellten neuen A 340-300 können bis zu 142 Gäste aufnehmen, was schnell zusammenkommt. Die Preise für mitreisenden Journalisten sind übrigens vergleichsweise moderat. Sie zahlen 30 Prozent des normalen Lufthansa-Tarifs.